Partner mit Depressionen und Angststörung

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Kuni
Beiträge: 6
Registriert: 3. Apr 2026, 13:40

Partner mit Depressionen und Angststörung

Beitrag von Kuni »

Hallo an alle, bin neu hier :)

Mir liegt vor allem daran, mir einiges von der Seele zu reden, aber das ist sicherlich nicht ungewöhnlich...

Mein Mann gerät seit Monaten, oder eigentlich seit dem Tod seines Vaters (vor wenigen Jahren), von einem Depressionsschub in den nächsten
Allerdings ist dies nicht das erste Mal, ähnliches hatten wir schon mehrfach, denn wir sind 30 Jahre verheiratet.
Dazu addiert sich eine Angststörung, die wahrscheinlich schon seit der Kindheit besteht.

Tatsächlich hat er jetzt erst eine Diagnose von einem Psychiater bekommen, die passt.

Vor Jahren gab es schon einmal diese Situation, die er mittels Verhaltenstherapie und Medis in den Griff bekam.
Allerdings ist es wirklich ein Auf- und Ab, bei jeder ungewöhnlichen Lebenssituation gerät er "aus den Fugen".

Es klingt verrückt - aber mir ist jetzt erst klar geworden, dass diese Situation sich vermutlich niemals 100% bessern wird.
Und in mir taucht die Frage auf, ob ich das weiterhin auf die bisherige Weise mittragen kann, denn auch ich habe erhebliche Baustellen und benötige Medikamente, um den Alltag zu schaffen.
Durch diese Konstellation gibt es auch immer wieder Streit.
Ich definiere es immer so: ich bin der "Glas halbvoll"- Typ, er ist der "Glas halbleer"-Typ. Das finde ich oft belastend, vor allem in gerade entspannten Situationen.
Momentan habe ich das Gefühl, er müsste mal raus aus der gewohnten Umgebung, alleine. Eine Klinik fände ich sinnvoll, weg von den alltäglichen Verpflichtungen, aber auch Kontakt zu Leuten, denen es ähnlich geht.

Vielleicht mögt ihr dazu was schreiben? Wie schützt man sich als Angehöriger und eigentlich selbst auch nicht fitter Mensch?

Kuni
OldMrEmerson
Beiträge: 155
Registriert: 3. Okt 2025, 20:28

Re: Partner mit Depressionen und Angststörung

Beitrag von OldMrEmerson »

Guten Abend Kuni,

wenn Ihr Partner eine lange Zeit mit seiner Erkrankung ohne eine Behandlung zurecht gekommen ist, hat er sicherlich ein gewisses Maß an Begabung, aber vielleicht auch psychische Strategien, die ihn am Laufen halten können, aber insgesamt auf dem Weg der Gesundung behindern. Das sind Sachen, die gut mit einer Psychotherapie und Medikamenten bearbeitet werden können. Dass sich die Belastung für Sie nicht zu 100% auf ein erträgliches Nivea reduzieren lässt, würde ich deshalb erstmal nicht vermuten. Möglicherweise hat er so viel einstecken müssen, dass die Behandlung einfach lange dauern wird oder intensiviert werden muss. Vielleicht hilft es Ihnen, Ihren Fokus stärker bei Ihnen selbst, also Ihrer Gesundheit, zu behalten.

Mit freundlichen Grüßen und ich wünsche Ihnen eine gute Besserung!
anerkanntermaßen paranoid ;)
Kuni
Beiträge: 6
Registriert: 3. Apr 2026, 13:40

Re: Partner mit Depressionen und Angststörung

Beitrag von Kuni »

Hallo OldMrEmerson,

ich glaube, teilweise traf das zu, als mein Mann noch jünger war, dass er es immer wieder gepackt hat. Vieles habe ich aber auch schon vergessen und verdrängt. Den ersten großen Depressionsschub hatte er, als unser Kind noch sehr klein war. Ich glaube, jetzt ist es schon der dritte oder vierte...
Was mich momentan sehr wütend macht, ist das dauernde Klagen, was immer wieder hochkommt. Dazwischen gibt es gute Momente, wo wir auch lachen. Aber teilweise ist alles so sprunghaft, nicht zum aushalten. Einerseits Urlaub machen, andererseits schafft er das nicht. Einerseits will er was unternehmen, andererseits bringt er die Energie dann doch nicht auf. Und oft wird dann die Ursache auf mich projiziert. Weil ich nämlich auch Baustellen habe und nur begrenzte Energie.
Und sauer macht mich auch, dass er länger als nötig auf dem "Leiden" herumreitet. Momentan wechselt er die Medikamente und das beutelt ihn ziemlich. Vielleicht ist es das falsche, vielleicht auch die falsche Dosierung. Aber handelt man dann und versucht wenigstens, einen Arzt zu erreichen? Nein, bloss nicht.
Ich klinge jetzt sicherlich ziemlich hart. Aber ich kann einfach nicht mehr. Ich hatte schon eine psychisch kranke Mutter und habe dass da schon einige Jahre mitgemacht. Dann kamen weitere Sorgen, chronische Schmerzen, Menschen starben, usw. Meinen Teil der Hausarbeit bekomme ich auch nicht mehr in den Griff.
Ich bin ein Mensch, der gerne lebt, keine Angst. Aber ich will auch einigermassen zufrieden alt werden.

Kuni
OldMrEmerson
Beiträge: 155
Registriert: 3. Okt 2025, 20:28

Re: Partner mit Depressionen und Angststörung

Beitrag von OldMrEmerson »

Hallo Kuni,

eine Frage, über die Sie nachdenken könnten, wäre wie weit Sie es schaffen Sich nicht provozieren oder ärgern zu lassen. Auf Dauer kann das ungesund sein, wenn man nicht speziell für solche Problemfälle ausgebildet worden ist. Ihrem letzten Beitrag nach scheint eine Reha oder ein Klinikaufenthalt oder ähnliches als Entlastung keine schlechte Idee zu sein. Vielleicht finden Sie einen Thread darüber wie eine solche Auszeit organisiert werden kann. Ich kenne mich nicht aus was das betrifft. Vielleicht gibt es auch Angebote speziell für Frauen, könnte ich mir vorstellen. Wenn Sie klein anfangen wollen, bieten manche Kliniken Sozialkompetenz-Trainings an. Dort lernt man auch mit sozialen Grenzwertigkeiten seiner Mitmenschen, ob krankheitsbedingt oder nicht, besser umzugehen.

Mit freundlichen Grüßen,
anerkanntermaßen paranoid ;)
Theresia
Beiträge: 52
Registriert: 24. Okt 2025, 17:12

Re: Partner mit Depressionen und Angststörung

Beitrag von Theresia »

Hallo Kuni,
um sich zu schützen, ist Abstand wohl immer das Beste, denn Sie gehen irgendwann zugrunde. Oder rutschen selbst in eine Depression. Bei nähen Angehörigen geht das oft sehr schnell. Eine Reha oder ähnliches würde ich auch empfehlen. Im Internet finden Sie vielleicht schon die richtigen Anlaufstellen. Oder Sie wenden sich vielleicht an sogenannte Fachleute. Diese Anlaufstelle hier für Angehörige ist schon mal gut. Ein Sozialpsychiatrischer Dienst käme hier auch in Frage. Dort können Sie ganz einfach mal ihr Herz ausschütten. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Angehörige. Inwieweit man seinem Partner noch helfen kann. Lg Theresia
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