Benzodiazepin längerfristige Einnahme

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Luna1959
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Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Luna1959 »

Hallo Leute,
gibt's hier jemand, der Benzodiazepine über einen längeren Zeitraum täglich eingenommen hat, wenn ja, welche waren das und wie lange?
Und kam es zu einer Dosissteigerung? Wie war das Ausschleichen?

Ich würde mich freuen, wenn es dazu Erfahrungen von euch gäbe.

Liebe Grüße Luna
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Senif
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Senif »

Hallo Luna,

Tavor: 10 mg über 1 Jahr. Entzug stationär mit massiven körperlichen Erscheinungen - hoher Blutdruck, Schmerzen, Anspannungen.

LG Senif :hello:
Luna1959
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Luna1959 »

Danke Senif für die rasche Antwort.
Hast du Tavor gebraucht, um überhaupt therapiefähig zu werden?

lg Luna
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Senif
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Senif »

Hallo Luna,

mit Tavor war ich nicht therapiefähig, sondern abhängig. Es ist nicht für den Dauergebrauch gedacht und hat ein enormes Suchtpotential. Als Notfallmedikament ab und zu ok - aber ich rate jedem ab, es dauerhaft zu nehmen.

Edit: ich habe jemanden kennengelernt, die über 20 Jahre Tavor im Niedrigdosisbereich genommen hat, bis es nicht mehr ging. Zugrundeliegende Angststörung, die sich jetzt sogar verstärkt hatte und die Dosisanpassung nach oben ist nicht wirklich gesund.

LG Senif :hello:
Angelika 1964
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Angelika 1964 »

Hallo Luna,
Am Anfang meiner Erkrankung habe ich täglich Lorazepam genommen, ich hatte schlimme Panikattacken und hätte nicht aus dem Haus gehen können. Das Ganze dauerte aber nur 14 Tage, so lange bis ich den Termin beim Psychiater hatte. Der hat mich sofort auf Quetiapin umgestellt, zuerst hochdosiert. Mein Psychiater hat mich vor Lorazepam und dem hohen Abhängigkeitspotential gewarnt.
Ich wünsche Dir alles Gute
Liebe Grüße Angelika
So viele Jahre in der Schule und niemand hat uns beigebracht uns selbst zu lieben und warum das so wichtig ist
gvman
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von gvman »

Hallo. Habe aus Versehen meinen Post gelöscht. Schreibe ihn morgen eventuell neu. Nehme ua 9-12mg Bromazepam seit Jahren. Könnte früher eine etwas niedrigere Dosis immer ohne Probleme ausschleichen. LGr
gvman
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von gvman »

Kurz gefasst. Grund zur dauerhaften Einnahme waren totale Unverträglichkeit von Alternativen. Nahm bzw nehme zwar noch ein anderes Psychopharmakon, aber das reichte bei meiner schweren Insomnie nicht aus. Mittlerweile habe ich mich doch durch andere Umstände zusätzlich an Trimipramin gewöhnt. Wegen meines Bluthochdrucks möchte ich keine Entwöhnung mehr, das wäre zu belastend und gefährlich. Die Ärzte akzeptieren dies auch
Luna1959
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Luna1959 »

Liebe Leute,
ich danke euch sehr für eure Rückmeldungen.
Da ich mit den bisherigen Versuchen mit Antidepressiva nicht weiter komme, kam mir eben der Gedanke, dass mir Benzos zumindest, was die extreme Unruhe und den verstärkten Ängste betreffen, weiterhelfen könnten.
Würde es mir helfen, könnte ich - so glaube ich - eine Abhängigkeit akzeptieren, wenn nicht eine ständige Dosiserhöhung notwendig ist. Aber das scheint es wohl nicht zu spielen.
Liebe Grüße Luna
Die Vernunft empfiehlt immer das, was andere gerne möchten.
Topo
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Topo »

Luna1959 hat geschrieben: 12. Feb 2025, 18:13 Liebe Leute,
ich danke euch sehr für eure Rückmeldungen.
Da ich mit den bisherigen Versuchen mit Antidepressiva nicht weiter komme, kam mir eben der Gedanke, dass mir Benzos zumindest, was die extreme Unruhe und den verstärkten Ängste betreffen, weiterhelfen könnten.
Würde es mir helfen, könnte ich - so glaube ich - eine Abhängigkeit akzeptieren, wenn nicht eine ständige Dosiserhöhung notwendig ist. Aber das scheint es wohl nicht zu spielen.
Liebe Grüße Luna
Also sofern du nicht alles andere ausprobiert hast (SSRI, SNRI, Tricyclika, Neuroleptika, Therapie) und es nicht um Leben und Tod geht, würde ich dir auf gar keinen Fall empfehlen, Benzodiazepine regelmässig zu nehmen. Und vermutlich auch kein vernünftiger Arzt. Ein paar Wochen oder Monate wirkt es beruhigend. Danach liegt die Beruhigung nur noch darin, dass du deine Sucht stillst. Andersrum gesagt: Durch die Abhängigkeit steigt deine nervliche Anspannung noch viel höher und du hast einfach ein Problem mehr, weil du jeden Tag dein Suchtmittel nehmen musst. Im Vergleich zu Alkohol ist der Rausch geringer und du hast keine Fahne, aber ansonsten ist Idee ähnlich wie die Idee absichtlich Alkoholikerin zu werden.

Wünsche dir aber, dass du die richtige Entscheidung für dich triffst : )
Senif
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Senif »

Ein Benzoentzug ist auch um einiges härter als ein Alkoholentzug. Die Entzugssysmptome sind gravierender.
Luna1959
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Luna1959 »

Hallo ihr lieben Menschen :hello: ,

ich danke euch für eure Gedanken und Meinungen.
Bei mir hat sich durch den Rauchstop Anfang November 2024 meine innere, extreme Unruhe derartig gesteigert, dass ich auf diese Gedanken mit den Benzos kam. Weil ich wollte nach meiner 50jährigen Raucherkarriere endlich dieser Sucht entkommen. Auch aus gesundheitlichen Gründen.
Gestern entschied ich mich dafür, vorerst wieder zu rauchen und mich weiter verstärkt auf die Suche nach einem Antidepressiva zu machen, das bei mir anschlägt.
Ich hoffte, dass ich durch den Nikotinstop in der Therapie näher an meine Gefühle zu kommen, aber es war eher kontraproduktiv, da mich seit dem Nikotinentzugs nur dieses Thema beherrschte.
Jetzt fühle ich ich erst mal erleichtert und froh, dass diese starken Gefühlen der Hoffnungslosigkeit und Resignation nachgelassen haben. Damit hat sich für mich auch das Thema Benzo als Dauermedikation erledigt.
Liebe Grüße Luna
Die Vernunft empfiehlt immer das, was andere gerne möchten.
Senif
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Senif »

Hallo Luna,

welche Wirkstoffgruppen bei den ADs hast du schon probiert ?

Ich hatte auch sehr viel probieren müssen - meine Anspannung und Unruhe waren auch ganz schlimm. Geholfen hatte nur dass trizyklische - Trimipramin. Nicht 100%, aber doch so, dass ich therapiefähig wurde. Ich wünsche dir viel Glück - ich denke, rauchen ist erstmal besser als Benzos. Und ja, ein AD wäre besser als Rauchen. Aber erzwingen kann man es eben nicht.

LG Senif :hello:
chrisone2404
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von chrisone2404 »

Hallo ich nehme Tavor jetzt seit über einem Jahr dauerhaft ein. Zuerst jeden zweiten Tag 0,5mg. Es ging mir super. Nach einem halben Jahr dann schon 3 mal 0,5mg am Tag. Es ist fast unmöglich davon loszukommen. Jetzt versuche ich mit einer Tablette am Tag auszukommen. Drei Wochen habe ich einmal geschafft. Ich rate jedem von Tavor ab. Bei mir wurde in der Klinik mit Tavor angefangen. Ich kannte diese Mittel vorher überhaupt nicht.
V.G. Christian
Bevor sie bei sich selbst eine schwere Depression oder Antriebsschwäche diagnostizieren, stellen sie sicher, dass sie nicht komplett von Arschlöchern umgeben sind.
Bittermandel

Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Bittermandel »

Hallo zusammen

Das stimmt so nicht ganz. Ich habe über zwei Jahre täglich 1,0 mg Tavor eingenommen und innerhalb von einer Woche ausgeschlichen. Es reagiert jeder anders und jeder Entzug ist anders. Wer natürlich seine Dosis ständig erhöht hat wahrscheinlich einen heftigen Entzug vor sich.
Ja sie machen abhängig aber in einer kleinen Dosierung wie 1,0 mg wäre das vertretbar auch auf Dauer. Sorry mir ist noch kein Medikament begegnet das so Wirksam gegen schwere Panikattacken hilft wie Tavor.
Und ein Entzug von Neuroleptika ist auch kein Honiglecken. Ich habe vier Versuche gebraucht und zwei Wochen Hölle ausgehalten.

Liebe Grüße Bittermandel
Senif
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Senif »

Ich kenne jemanden, die hat über Jahre im Niedrigdosisbereich genommen 3x0,5 mg und einen sehr heftigen Entzug und noch immer Probleme. Die Frage ist, ob eine Abhängigkeit vorliegt oder nicht.
Bittermandel

Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Bittermandel »

Ja jeder reagiert jeder anders auf ein Medikament. Das ist leider so. Ähnlich wie bei den Coronaimpfungen. Ich bin vier Mal geimpft Null Nebenwirkungen. Ich kenne aber ein paar Leute mit schweren Nebenwirkungen. Bei Psychopharmaka ist es noch schwieriger.
chrisone2404
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von chrisone2404 »

Leider nimmt die Wirksamkeit mit der Zeit ab. Trotzdem ist auch nach über einem Jahr noch eine Wirkung vorhanden.
Bevor sie bei sich selbst eine schwere Depression oder Antriebsschwäche diagnostizieren, stellen sie sicher, dass sie nicht komplett von Arschlöchern umgeben sind.
Stardust65
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von Stardust65 »

Hallo Luna,

Bin gerade auch daran 0.75 mg Xanax die ich täglich einnehme auszuschleichen, manchmal geht es auch mit weniger. das Zeug nehme ich schon über ein Jahr

Das Beste was ich gefunden habe um den Entzug zu lindern Ist GABA, Gamma-Aminobuttersäure gibt es rezeptfrei in der Apo, bestelle es online, als Pille oder Pulver, es dockt an die gleichen Rezeptoren an wie die Benzos.

Es hilft mir sehr, bevorzuge Pulver, jeder Schluck so habe ich das Gefühl lindert die Symptome.

Alles Gute, Beat
webheiner
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Re: Benzodiazepin längerfristige Einnahme

Beitrag von webheiner »

Hallo, ich habe über mehrere Jahre Benzos geschluckt, Clonazepam oder Rivotril. Es war ein langer unbequemer Weg, wieder aus der Sucht herauszufinden.
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