Vorurteile gegenüber Depressiven

Philomena
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Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Philomena »

Hallo zusammen,

ich bin schon länger im Forum und danke der Deutschen Depressionshilfe, dass es diese Hilfe gibt.
Hier möchte ich kurz ein Thema ansprechen weiß aber nicht in welche Rubrik es passen würde.

Ich habe schon ein paar Mal die Erfahrung gemacht, dass ich als Frau, welche unter einer psychischen Erkrankung leidet, als nicht für "voll" genommen werde und mein Gegenüber mir fast arrogant gegenübertritt. Das tut mir immer sehr weh, weil ich eine hohe Schuldbildung habe und ich bestimmt nicht dumm bin. Ich fühle mich dann oft so ausgeliefert, nicht ernst genommen. Ich suche immer das vernünftige und ruhige Gespräch, aber bei kleinsten Unstimmigkeiten werde ich manchmal wie "von oben herab" behandelt.
Mir ist bewusst, dass für Therapeuten oder Sozialpädagogen der Umgang mit psychisch kranken Menschen nicht immer einfach ist. Aber "alle unter einen Kamm scheren" finde ich nicht in Ordnung.
Dies wäre mein Problem, das ich gerne im Forum ansprechen würde.

Philomena
Senif
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Senif »

Hallo Philomenia,

hast du konkrete Bespiele ? Bezieht sich das nur auf Therapeuten und Sozialpädagogen ?

LG Senif
Philomena
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Philomena »

Hallo Senif, vielen Dank für die Nachfrage.

Ja, da gibt es einige Beispiele. Zum Beispiel in Praxen von Psychiatern, wo das Personal am Empfang nicht auf Augenhöhe kommuniziert, sondern eher "von oben herab". Ich versuche immer das zu verstehen, weil mir schon klar ist, dass viele Patienten mit psychischen Erkrankungen oft sehr schwierig im Umgang sind usw. Trotzdem ist es immer wieder eine Abwertung der Person und macht mich oft sehr nachdenklich. Wer bin ich ......mit dieser Krankheit?
Das zweite Beispiel: Ich nahm vor einem Jahr 2 mal eine kurze Sitzung im SPD in Anspruch und als ich vor drei Tagen wieder zwecks Gesprächstermin anrief mit der Bitte, diesmal bei einer anderen Person vorsprechen zu dürfen bekam ich einen wütenden Rückruf von der vorherigen Dame, warum ich mich für eine andere Person entscheiden würde und zum Schluss meinte sie dann, dass das alles erst in einer großen Sitzung besprochen werden müsste und ich jetzt erst Recht sehr, sehr lange auf einen Gesprächstermin warten müsste. Ich war ziemlich überrascht von dieser heftigen Reaktion und fühlte mich nicht verstanden.

Danke für das Interesse und fürs Lesen.
Liebe Grüsse
Philomena
Waldliebe
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Waldliebe »

Liebe Philomena,

zuerst wollte ich antworten, dass wir uns vielleicht oft selbst so "minderwertig" fühlen und oft was reininterpretieren. Das ist bestimmt hin und wieder so.

Das Verhalten von der Dame vom SPD geht gar nicht, das tut mir leid. Beziehe das nicht auf Dich. Egal, wo wer sitzt - das sind alles nur Menschen und da gibt es halt alle Persönlichkeiten und bestimmt auch Störungen eben dieser.

Hoffe, dass Du trotzdem bald einen Termin bekommst. Diese Dame ist vielleicht auch öfter unbeliebt, daher der Ausraster...

Alles Gute!
Waldliebe
Philomena
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Philomena »

Guten Abend Waldliebe,
vielen Dank für deine Antwort. Inzwischen habe ich das schwierige Gespräch eh abgehakt. Aber weißt du, mir ist es wichtig, dass wir sog. "Psycho" auch mal eine Stimme bekommen. Es sind ja Gott sei Dank auch nicht alle so. Wer die Krankheit wirklich kennt hat meistens auch keine Vorurteile.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit!

Philomena
topost

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von topost »

Philomena hat geschrieben: 25. Feb 2026, 09:35 Ja, da gibt es einige Beispiele....
Wahrscheinlich hat es gar nichts mit "Psychos" zu tun. Es sind einfach ekelhafte Charaktere, die gern mal demonstrieren, dass sie einen winzigen Machtposten innehaben. Solche "Vorzimmerdamen und -herren" habe ich auch schon oft in Arztpraxen oder sonstwo erlebt, wo man nichts von meinen psychischen Problemen wusste.
Davon abgesehen habe ich als Mensch nicht meine Würde verloren, nur weil ich Depressionen habe. Und kommt mir jemand auf so eine von dir beschriebene Art quer, bekommt er auch eine entsprechende Reaktion.
mib2011
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von mib2011 »

Ich kann topost nur beipflichten.
Das was Du erlebt hast geht gar nicht. Ich meine, jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag, ist gestresst, reagiert nicht so, wie er/sie vielleicht sonst tut. Kenne ich auch von mir selber im Job z.B.
Wer mir dann gerade gegenüber ist, denkst sich sicherlich auch seinen Teil... und stempelt mich ab.
Aber es gibt auch Jobs, wo man etwas sensibler und gefasster sein muss. Ja, muss!
Wer das nicht kann, hat den falschen Job in dem Fall.
Ich verstehe, dass man als Betroffener oft den Fehler bei sich sucht, eben weil man betroffen ist und einiges anders sieht.
Ich würde mir den Schuh aber nicht anziehen. "Nur" weil man eine Depression hat, ist man nicht dümmer als andere, nicht weniger Wert.
Die Menschen, die das so sehen, vergessen dass Sie selber in diese Situation geraten können und manchmal schneller als einem lieb ist.
Ob nun im privaten oder auch bei Therapeuten.
Deswegen, bleibe bei Dir, lass das Ganze nicht so nah an Dich ran. Es ist nicht einfach, das sage ich nicht.
Und wer mich hier "kennt", weiß, dass ich vieles auch mir selber schreibe.
Man muss zu einander passen, damit man einen Nenner finden kann.
Wenn meine Thera mich so "von oben herab" behandeln würde... Hey, gibt auch andere...
Ja, ich bin in gewisser Weise "abhängig", weil ich ja weiterkommen will. Aber es muss trotzdem passen, ich muss mich gut aufgehoben füheln.
Ich habe auch Stunden, in denen ich mich weniger oder nicht verstanden fühle.
Das sage ich. Dann versucht Sie es anders zu erklären/rüber zu bringen.
Aber nie "von oben herab". Deswegen bin ich noch dabei.
Ich teile nur meine Gedanken – in Respekt und Verständnis für jeden anderen Weg.
Philomena
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Philomena »

Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für Eure Antworten! Das hilft mir immer sehr!

Euch auch alles Gute weiterhin
LG Philomena
live61
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von live61 »

Hallo Philomena,

Aus meinen Ergebnissen ist das mit mentalen Problemen nicht Ernst genommen werden kein "Frauenproblem", in meiner Firma wurde der männliche Kollege mit Depression als nicht belastbar und damit nicht mehr förderfähig eingestuft.
Ich denke es gibt Menschen mit Problemen die sich gut fühlen, wenn sie sich über andere erheben können oder diejenigen, denen praktisch von berufswegen eine gewisse Arroganz mitgegeben wurde, Ärzte Therapeuten......wenn dann da ein hilfsbedüftiger Patient auf Augenhöhe behandelt werden möchte, ist das für diesen Menschen schon fast ein Affront.
Ich drücke mich bei Ärzten immer etwas gewählter aus, gebe zu verstehen, dass ich sein verwendetes Fremdwort verstanden habe, er/sie soll wissen, dass kein Trottel vor ihm sitzt.
Was ich allerdings auch zugeben muss, ich bin durch meine Krebserkrankung und nachfolgender Depression auch verletzlicher und damit dünnhäuter geworden.

Dir alles Gute,
Karl
Anne Blume
Moderator
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Anne Blume »

live61 hat geschrieben: 4. Mär 2026, 09:08 Ich denke es gibt Menschen mit Problemen die sich gut fühlen, wenn sie sich über andere erheben können oder diejenigen, denen praktisch von berufswegen eine gewisse Arroganz mitgegeben wurde, Ärzte Therapeuten......wenn dann da ein hilfsbedüftiger Patient auf Augenhöhe behandelt werden möchte, ist das für diesen Menschen schon fast ein Affront.
Hallo live61,

wird es geben ... Aber zahlenmäßig ganz sicher nicht so, dass man generell schon mal so in Termine mit Behandlern reingehen "muss".
Dafür sind beide Berufsstände mit ihren Vertreterinnen und Vertretern schlichtweg zu heterogen.
Will heißen, so müssten wir ja fast das Thread-Thema ergänzen um: "und Behandlern". ;-)

Herzliche Grüße
Anne Blume
topost

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von topost »

Anne Blume hat geschrieben: 4. Mär 2026, 09:38 Hallo live61,

wird es geben ... Aber zahlenmäßig ganz sicher nicht so, dass man generell schon mal so in Termine mit Behandlern reingehen "muss".
"Solche" dürfte es gar nicht geben, gibt es aber - tatsächlich sind die mir aber wirklich in deutlicher Minderzahl begegnet. Was mir viel häufiger begegnet ist das arrogante "Vorzimmerpersonal". Unglaublich was man da erleben "darf". Leider ist den Ärzten meist gar nicht bewusst, wie unmöglich sich ihre Angestellten den Patienten gegenüber benehmen. Als Patient hat man dann auch meist anderes und Dringlicheres zu tun, als sich beim Arzt - dem man endlich (!) gegenübersitzen darf, zu beschweren. Je fachärztlicher, umso deutlicher ist das Problem, dass man dann keine Gelegenheit hat, sich zu beschweren.
Philomena
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Philomena »

Hallo,
danke an Euch! Ja, es bringt ja leider nichts, wenn man beim anschließenden Gespräch mit dem Psychiater/Arzt das Problem "unfreundliches Personal" anspricht. Erstens ist die Zeit zu kostbar und zweitens sind die Ärzte eh so im Stress, dass man ihnen diese Problematik eigentlich ersparen will. Ich achte schon immer darauf, dass ich mich korrekt ausdrücke und beim Wesentlichen bleibe. Meine "Angst", als "gestört" zu gelten, ist immer im Hinterkopf. Aber es gibt Schlimmeres.
Eine gute Zeit wünscht Euch
Philomena
live61
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von live61 »

Sorry, es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass alle Ärzte schlecht wären.
Tatsächlich waren meine Ärzte an der Krebshotline sehr gut und einfühlsam mein Hausarzt ist es auch, die Therapeuten zu 90%
Mein erster Abschnitt bezog sich auf Vorzimmerdrachen, aber auch hier sind nicht alle so.
Nur ich bin nicht bereit ein Fehlverhalten bei mir zu verorten wenn ich mit folgenden Sätzen von Ärzt*innen konfrontiert werde:
"Wir müssen jetzt nicht das ganze Internet durchgehen. Wie lange wollen Sie denn leben?
Die alternative Behandlung diskutiere ich nicht mit Ihnen.
Überlegen Sie sich Ihren Ton, sie kommen her und wollen beraten werden. "
Nur wie sollte Vertrauen entstehen, nach 4 falsch zu positiv, gefolgt von 2 zu negativen Diagnosen?

Karl
topost

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von topost »

@live

Das ist ja unglaublich, was du dir von Ärzten anhören musstest! Diese Leute sollten sich schämen!
Nixe02
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Nixe02 »

" Meine "Angst", als "gestört" zu gelten, ist immer im Hinterkopf. "

Sind es nicht oftmals diese oder so ähnliche Gedanken, die uns (Menschen) verändern?
Wir wollen uns anpassen, geachtet, nicht ständig kritisiert werden, angenommen, durch unsere Mitmenschen ... akzeptiert und zwar so wie wir sind, nicht immer wie "sie" es von uns erwarten.

Allein schon die Aussage: 'sie sind krank, sie müssen/sollten behandelt werden' verunsichert schon gewaltig ... sie verhalten sich nicht konform, ausserhalb der Norm, sie müssen/sollten sich so verhalten, damit "die Anderen" nicht verwirrt werden.

Regen sich alle auf, nur du nicht, gilt man als sonderbar.
Ist man entzückt, begeistert, nur du nicht, gilt man als jenseits der Norm (abnorm).

Viele können das verstecken oder tun so, als ob ... gerade wegen der vielen Vorurteile.
Als Schüler war ich oft der Streber, auch wurde ich oft gehänselt, weil meine Eltern etwas "Besseres" (Intelekuelle) waren.
-> passte ich mich an oder verheimlichte ich, lief alles reibungslos.

Wer kennt das nicht (nur ein Beispiel), alle trinken Alkohol, nur du nicht, schon gilt man als Sonderling und soll sich erklären, alle mögen Autos, Männer oder Frauen, Kosmetikprodukte etc. - nur du hast einen anderen (abnormen/fernab der allgem. gültigen Regeln) Geschmack ... schon bist du der Sonderling.

Alle schwören auf Psychpopharmaka, nur du stehst dem kritisch gegenüber, schon ist man ein Basher/Verunglimpfer ... wird heftig kritisiert, schlimmstenfalls selbst verunglimpft und/oder ausgeschlossen.
Vorurteile oder "normales" Verhalten?

= manche werden depressiv, dauer-unzufrieden oder permanent-traurig ... weil, sie ein bisschen anders denken, fühlen und auch handeln/reagieren!

Die "garstig Vorzimmerdame" ... warum reagiert sie so? Eigentlich ist sie eine nette, umgänglich Person, nur bei Überforderung ... eben nicht so. Kann man ihr da einen Vowurf machen?
Ich selbst bin gerade etwas dünnhäutig ... kann ich was dafür?
Alle sollen Rücksicht nehmen - auf mich!
Doch wer nimmt Rücksicht auf die/den Anderen?
Nixe02
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Nixe02 »

live61 hat geschrieben: 4. Mär 2026, 20:11 Nur wie sollte Vertrauen entstehen, nach 4 falsch zu positiv, gefolgt von 2 zu negativen Diagnosen?
Auch ich erhielt schon die abenteuerlichsten Diagnosen
... kein Wunder bei der Fülle der Möglichkeiten und bei den Durchlaufzeiten der Patienten bei einem Arzt.

Auch ich bin kein Gewebe- oder Drüsen(Transmitter)-Spezialist ... ein Arzt, beschänkt, wohl schon, doch bezieht sich sein Wissen auf andere Körper, auf eine Vielzahl von Möglichkeiten/Phänomenen/Varianten, auf den "Durchschnitt", das am häufigst Vorkommende, sich Wiederholende.
Jeder Krebs, jede Erkrankung verläuft immer ein bisschen anders, selten (!) gleich und ist von diversen Faktoren abhängig.

Wie kann man da annehmen, eine Diagnose sei immer zu 100% zutreffend?
Ein Körper/Organismus ist eben keine Maschine ... ein einfaches Konstrukt, bei denen man ein, zwei Teile austauscht oder paar Einstellungen vornimmt.

Mein Klempner, Mechaniker, Arzt ist weder allwissend, noch unfehlbar und unbegrenzt Zeit hat er sowieso nie!
topost

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von topost »

Nixe02 hat geschrieben: 5. Mär 2026, 10:19 Die "garstig Vorzimmerdame" ... warum reagiert sie so? Eigentlich ist sie eine nette, umgänglich Person, nur bei Überforderung ... eben nicht so. Kann man ihr da einen Vowurf machen?
Ja natürlich kann man "Vorzimmerdamen" einen Vorwurf machen, wenn sie kranke Menschen arrogant behandeln!
Wenn sie überfordert ist, muss sie das an ensprechender Stelle kundtun und nicht an den Schwächeren auslassen. Hat sie auf all das keinen Bock, soll sie sich einen anderen Job suchen, möglichst ohne Menschenkontakt, schon gar nicht bei Schwachen oder Kranken.
Nixe02
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Nixe02 »

@ topost,
immer nur kritisieren, mag zwar befriedigend sein, doch ändern wir nichts, werden die heute noch halbwegs Funkionierenden, die "Kranken" von morgen sein.

Du, ich, wir alle, sind doch nicht so ausgeglichen, weil es uns soooo gut geht.

Wer soll denn den Job machen ... Vorzimmerdame, Rettungspersonal, Feuerwehr, Polizei, wenn sie täglich am Limit arbeiten?
Wenn alle immer nur verlangen?
topost

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von topost »

Nixe02 hat geschrieben: 5. Mär 2026, 11:43 Wer soll denn den Job machen ... Vorzimmerdame, Rettungspersonal, Feuerwehr, Polizei, wenn sie täglich am Limit arbeiten?
Wenn alle immer nur verlangen?
Entschuldige mal - wenn es deren Job ist, werden sie dafür bezahlt, dass sie Menschen behilflich sind. Wenn sie "am Limit" sind, müssen sie sich eben dagegen wehren oder streiken oder den Job wechseln. Was gar nicht geht, ist seine Laune an den Menschen ablassen, die nichts dafür können, wenn überall totgespart wird.
GuntherB
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von GuntherB »

Hallo topost, hallo Nixe,

vielleicht tut es dem Kapitalismus mal ganz gut, wenn das System zusammenbricht.
Vielleicht erkennen dann mehr Menschen, dass es nicht der Sinn des Lebens ist, die Menschheit in arm und reich, krank und gesund
zu trennen, sondern vielleicht darin, dass alle möglichst gesund und zufrieden leben können dürfen.
Klar gehört natürlich auch ein bisschen Eigenverantwortung und eigenes Engagement von jedem Menschen dazu fürs Eigen- und Gemeinwohl und die eigene Gesundheit statt nur alles zu kritisieren und zu fordern.

VG
Gunther
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von live61 »

topost hat geschrieben: 5. Mär 2026, 09:27 @live

Das ist ja unglaublich, was du dir von Ärzten anhören musstest! Diese Leute sollten sich schämen!
Ja, finde ich auch, alles Original-Zitate, nichts hinzugefügt oder dramatisiert. Und um das klar zu sagen, logisch haben Ärzte einen Stressjob, aber wenn mein Job ist Menschen zu helfen, das wäre Emphatie Pflicht.

Karl
live61
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Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von live61 »

Nixe02 hat geschrieben: 5. Mär 2026, 10:19 Die "garstig Vorzimmerdame" ... warum reagiert sie so? Eigentlich ist sie eine nette, umgänglich Person, nur bei Überforderung ... eben nicht so. Kann man ihr da einen Vowurf machen?
Ich selbst bin gerade etwas dünnhäutig ... kann ich was dafür?
Alle sollen Rücksicht nehmen - auf mich!
Doch wer nimmt Rücksicht auf die/den Anderen?
Nun ja, morgens um 9:00 Uhr sollte der Empfangsdame schon noch in der Lage sein Patienten, eigendlich Kunden höflich zu behandeln. Aber wie topost auch schon erkannt hat, je fachärztlicher - also je mehr der Patient dankbar sein soll, dass er gnädigerweise einen Termin erhält - desto unverschämter kann man sich verhalten.
Dieses Phänomän durften früher viele jungen Männer erleben, als die Musterung Pflicht war wurden wir unfreundlich, wie Nummern behandelt, kein Musterungsarzt*inn war darauf angewiesen, dass der Kunde wieder kommt - entsprechend rücksichtslos wurden wir behandelt.

Es ist mir schon klar, dass Menschen keine berechenbaren Excel-Tabellen sind, aber nehmen wir mal an, dass die Diagnosequalität bei wenigstens 50% läge, dann liegt die Wahrscheinlichkeit sechs mal in Folge eine Fehldiagnose zu erhalten bei 0,015! also sehe es mir nach, dass ich von Ärzten tatsächlich eine etwas höhere Diagnose-Qualität als eine Münze zu werfen erwarte.

Deine ständigen Schuldumkehr-Manöver sind zurückhaltend formuliert, ermüdend. Ich war 20 Jahre im Vertrieb tätig, ich kann mich nicht erinnern, jemals unhöflich gegenüber Kunden geworden zu sein.

Nein, ich bin auch kein Gewebespezialist aber bei mir bildeten sich innerhalb kürzester Zeit Geschwülste unter der Haut. Ich frage meinen Facharzt, er sagt: "Aber das ist doch ein Muskel!" Darauf rutscht mir raus: "Ich kann doch einen Muskel von einer Geschwulst unterscheiden!" 'Ich solle auf meinen Ton achten, schließlich käme ich um beraten zu werden.' Die Geschwülste waren zwischen Haut und Fettschicht, die Muskulaturstränge am Bauch laufen längs, länglich sind ca. 6 cm lang - also nicht quer, 3 cm und rund - da stimmte überhaupt nichts.

Und dann erlaube ich mir, das als Arrogant zu bezeichnen, jeder "Nicht-Gott-in Weiß" hätte seinen Fehler eingestanden, nein die Götter maßregeln den Patienten - der in diesem Fall aber unbestritten Recht hat.

Karl
RoyH
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Registriert: 13. Feb 2026, 18:18

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von RoyH »

Sorry, aber mir fehlt hier jetzt irgendwie der Teil, der mit "Vorurteilen gegenüber Depressiven" zu tun hat...
Senif
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Registriert: 23. Jul 2023, 21:42

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Senif »

Hallo,

ich denke, das trifft hier mehrere Ebenen. Jeder hat so seine Grenzen - und jeder für sich muss entscheiden, ob die Grenzen zu eng gesteckt sind, oder zu weit. Es kommt schon oft vor, dass depressive Menschen viel empfindlicher sind, als es für sie vielleicht gut ist. Aber natürlich teile ich die Einschätzung, dass bei dem Verhalten von Karl beschrieben, eine Grenze ist - also für mich ist da auch eine. Wenn ich aber durch die Welt laufe und bei jedem, der mich schief anguckt, mich verletzt oder von oben herab behandelt fühle, dann könnte ich schon auch mal bei mir gucken.

Ich kann aber aufgrund meiner Kieferhöhlensache auch ein paar Beispiele nennen. Erst diese exorbitanten Wartezeiten, obwohl ich ein akutes Problem hatte und on top die Ignoranz. In mir ist da auch was kaputt gegangen. Vom Kopf her weiß ich, dass Pauschalisieren in dem Fall nicht die Realität abbildet, aber mein Gefühl hat das Vertrauen in Mediziner verloren. Zumindest kann ich aber sagen, dass sich in den letzten 10 Jahren hier massiv was verändert hat im Gesundheitswesen. Noch ein paar Jahre und wir haben englische Verhältnisse (was ich mir als Vergleich auch mal anhören musste). Aus meiner Sicht hat das aber auch massive Auswirkungen auf die Krankentage im Arbeitsleben, wenn sich Krankheiten verchronifizieren oder eben auch nicht geheilt werden. Ich wäre an meiner Geschichte fast zerbrochen - mir war einfach klar, dass ich so nicht weiterleben konnte. Am Ende jetzt wird es für alle teurer und ich werde wohl kein Einzelbeispiel sein.

Für mich fühlt es sich an, als muss man länger suchen, um wirklich gute Ärzte (die gibt es nämlich auch, es begreifen sich nicht alle als Götter) zu finden - aber wie, wenn man nirgends mehr rein kommt. Einfach mal 3 ausprobieren, kann es sein, dass man dann in 5 Jahren mal fündig wird. Mehrheitlich habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass der Leidensdruck des Patienten eigentlich nicht mehr wirklich interessiert. Und das Gesundheitswesen ist aus meiner Sicht auch ein ganz schöner Selbstbedienungsladen geworden.

LG Senif
Erhard_Nürnberger

Re: Vorurteile gegenüber Depressiven

Beitrag von Erhard_Nürnberger »

Philomena hat geschrieben: 24. Feb 2026, 17:46 Hallo zusammen,

ich bin schon länger im Forum und danke der Deutschen Depressionshilfe, dass es diese Hilfe gibt.
Hier möchte ich kurz ein Thema ansprechen weiß aber nicht in welche Rubrik es passen würde.

Ich habe schon ein paar Mal die Erfahrung gemacht, dass ich als Frau, welche unter einer psychischen Erkrankung leidet, als nicht für "voll" genommen werde und mein Gegenüber mir fast arrogant gegenübertritt. Das tut mir immer sehr weh, weil ich eine hohe Schuldbildung habe und ich bestimmt nicht dumm bin. Ich fühle mich dann oft so ausgeliefert, nicht ernst genommen. Ich suche immer das vernünftige und ruhige Gespräch, aber bei kleinsten Unstimmigkeiten werde ich manchmal wie "von oben herab" behandelt.
Mir ist bewusst, dass für Therapeuten oder Sozialpädagogen der Umgang mit psychisch kranken Menschen nicht immer einfach ist. Aber "alle unter einen Kamm scheren" finde ich nicht in Ordnung.
Dies wäre mein Problem, das ich gerne im Forum ansprechen würde.

Philomena
Was wäre die Welt ohne gepflegte Vorurteile? Für Viele wäre jeder Sinn abhanden gekommen ohne dies alles. Wer voreilig urteilt, hat auch diese Erkrankung nicht verstanden, wie er überhaupt nichts versteht. Mir persönlich sind Vorurteile egal, so traurig sie auch sind. Aber sie sind entlarvend für den, der sie pflegt.
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