Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

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die_elster
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Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Guten Tag zusammen und vielen Dank für die schnelle Aufnahme!

Ich bin seit etwas mehr als 2,5 Jahren mit meinem Partner zusammen und bis vor zwei Jahren hatten wir eine wunderschöne Beziehung. Er hat ADHS, nimmt dafür Medikamente und ist auch in psychotherapeutischer Behandlung. Wir führen eine Wochenendbeziehung und sehen uns normalerweise zweimal im Monat. In der Zwischenzeit hatten wir immer viel über WhatsApp Kontakt und haben uns den Tag über immer wieder kleine Updates, Bilder, Anekdoten oder einfach unsere Gedanken geschickt. So waren wir gegenseitig in den Alltag des anderen integriert, obwohl aufgrund der Distanz ein gemeinsamer Alltag nicht möglich ist. Es war alles sehr ausgewogen und der Kontakt wurde von uns beiden ziemlich gleich viel initiiert.

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde dann alles anders, es muss Juni oder Juli gewesen sein. Plötzlich kam von ihm immer weniger. Auf meine Nachfrage hin lag es bei ihm an Stress, da er im sozialen Sektor arbeitet auch ziemlich nachvollziehbar. Im Laufe der kommenden Monate zog er sich jedoch immer mehr zurück, gesehen haben wir uns aber immer noch regelmäßig. Mir ging es dadurch immer schlechter und im November habe ich dann erneut das Gespräch gesucht. Er meinte dann, dass es ihm momentan psychisch nicht gut geht, unter anderem, weil seine Therapie nur noch alle drei Wochen stattfindet und er sich daher zurückzieht. Mit mir zusammen sein möchte er weiterhin, aber Zweisamkeit ist für ihn gerade ein Problem. Im Dezember folgte dann der absolute Tiefpunkt, man konnte ihm wirklich ansehen, wie dreckig es ihm ging.

Der Kontakt zu ihm ist nie abgebrochen. Er wünscht sich von mir, dass ich mich bei ihm melde und ihm von meinem Tag erzähle. Das mache ich auch. Er reagiert zwar auf meine Nachrichten aber es kommt nicht wirklich was von ihm zurück. Die Dynamik ist im Vergleich zu vorher also sehr einseitig, was mich extrem belastet. Denn die Nähe, die wir trotz räumlicher Distanz immer hatten, ist so einfach kaum noch vorhanden.

Wir hatten im Januar nochmal ein ernsteres Gespräch, weil ich merke, dass ich immer mehr an meine Grenzen komme bzw. ich mir natürlich Sorgen um ihn mache, dass er immer weiter abrutscht in ein Loch, aus dem er sich irgendwann nicht mehr befreien kann. Da habe ich dann erfahren, dass er (wieder) Antidepressiva nimmt und ab Februar jetzt wieder alle zwei Wochen zur Therapie geht. Letztes Wochenende haben wir endlich wieder exklusiv gemeinsam verbracht und er war wirklich unglaublich aufmerksam, hat mir ein selbstgemachtes Geschenk gegeben und mir extrem viel persönliche Dinge über sich erzählt. Außerdem ist er wieder mehr auf Zukunftspläne wie gemeinsame Ausflüge und Unternehmungen eingegangen, was er im Dezember ziemlich abgeblockt hatte. Nächste Woche am Sonntag ist geplant, dass wir uns wieder sehen. Als ich dann Sonntag nach Hause gefahren bin, ging es aber so weiter wie bisher. Der Kontakt geht weiterhin fast nur von mir aus und ich habe wirklich Probleme zu verstehen, wie er bei unserem gemeinsamen Wochenende so aufmerksam sein und mir so viel Liebe zeigen konnte und jetzt wieder der Rückzug kommt.

Ich schwanke zwischen Hoffnung, dass es wieder besser wird und vielleicht zumindest teilweise wieder wie früher, Resignation und Angst, dass die Beziehung zu diesem wirklich wunderbaren Menschen langsam aber sicher auf ihr Ende zusteuert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir die ganzen schönen Dinge und guten Zeichen vom Wochenende nur eingebildet habe und mir die ganze Situation nur schönrede oder ob es wirklich zumindest minimal wieder bergauf geht.

Ich freue mich, hier mit anderen Angehörigen im den Austausch treten zu können, die vielleicht etwas ähnliches erlebt haben. Und auch über Berichte von Betroffenen würde ich mich sehr freuen, die mir vielleicht dabei helfen können, sein momentanes Verhalten besser zu verstehen.

Einen schönen Donnerstag euch allen,
LG Die Elster
DieNeue
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von DieNeue »

Hallo die_elster,
die_elster hat geschrieben: 5. Feb 2026, 13:22 Als ich dann Sonntag nach Hause gefahren bin, ging es aber so weiter wie bisher. Der Kontakt geht weiterhin fast nur von mir aus und ich habe wirklich Probleme zu verstehen, wie er bei unserem gemeinsamen Wochenende so aufmerksam sein und mir so viel Liebe zeigen konnte und jetzt wieder der Rückzug kommt.
Ich nehme mal an, dass das Wochenende für ihn zwar schön, aber auch sehr anstrengend war (während einer Depression ist alles anstrengender als sonst). Es ist auch völlig normal, dass es, wenn es besser wird, nicht stetig gerade nach oben geht, sondern eine Verbesserung geschieht meist wellenförmig. Also es geht mal ein Schritt vor, ein Schritt zurück, zwei vor, einen zurück, einen vor, einen zurück, zwei vor usw. Du solltest dich also darauf einstellen, dass es keinen geradlinigen Verlauf gibt, sonst machst du dir bei jedem kleinen positiven Ding Hoffnungen, die beim nächsten negativen Ding wieder zerstört werden. Man achtet eher darauf, wie sich die Situation im groben Verlauf ändert und wenn da die Richtung stimmt, ist man auf dem richtigen Weg.
Ich nehme auch an, dass er jetzt unter der Woche wieder mehr Stress wegen der Arbeit hat. Das schlaucht natürlich zusätzlich.
die_elster hat geschrieben: 5. Feb 2026, 13:22 Resignation und Angst, dass die Beziehung zu diesem wirklich wunderbaren Menschen langsam aber sicher auf ihr Ende zusteuert.
Wieso sollte sie? Er antwortet weiterhin auf deine Nachrichten und hat dir gesagt, dass er weiter mit dir zusammen sein will! Warum glaubst du ihm das nicht?
Davon abgesehen macht er eine Therapie und nimmt Medikamente. Das ist eine gute Voraussetzung.

Warte doch einfach mal das nächste Wochenende ab, wenn ihr euch seht. Vielleicht kannst du da auch mal mit ihm darüber reden, warum er sich so verhält.

Liebe Grüße,
DieNeue
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Hallo DieNeue,

vielen Dank für die schnelle Rückmeldung und den Input! :)
Es ist auch völlig normal, dass es, wenn es besser wird, nicht stetig gerade nach oben geht, sondern eine Verbesserung geschieht meist wellenförmig. Also es geht mal ein Schritt vor, ein Schritt zurück, zwei vor, einen zurück, einen vor, einen zurück, zwei vor usw.
Das wellenförmige ist mir tatsächlich auch schon aufgefallen. Es gab in den letzten zwei Monaten immer wieder Momente, wo ich dachte, es geht endlich bergauf, nur damit es kurze Zeit später wieder eingebrochen ist. Gut zu wissen, dass das normal ist und Teil der Verbesserung sein kann.
Wieso sollte sie? Er antwortet weiterhin auf deine Nachrichten und hat dir gesagt, dass er weiter mit dir zusammen sein will! Warum glaubst du ihm das nicht?
Davon abgesehen macht er eine Therapie und nimmt Medikamente. Das ist eine gute Voraussetzung.
Ich glaube ihm das schon bzw habe nach 2,5 Jahren so viel Vertrauen in ihn, dass er mir da nichts vorspielen würde. Die Gesten am vergangenen Wochenende haben das ja auch gezeigt. Nur leider ließt man im Internet ziemlich viele "Horrorstories" über depressive Partner, die sich plötzlich trennen, oder Angehörige, die doch irgendwann die Notbremse ziehen. Das macht es manchmal schwer, optimistisch zu bleiben, auch wenn ich es wirklich versuche. Aber ich hoffe, dass es ihm hilft, dass er ab diesen Monat wieder regelmäßiger zur Therapie geht.

Das ist das erste mal, dass ich eine Depression in einer Beziehung miterlebe und daher bin ich teilweise ziemlich überfordert. Vor allem, da ich ihn vorher die ganze Zeit über als diesen fröhlichen, lebenslustigen und offenen Menschen kannte. Der Kontrast ist für mich ziemlich schwer zu fassen. Beziehungsweise habe ich ein paar Menschen mit Depressionen in meinem engen Freundeskreis und von denen kenne ich das so, dass sie eher Nähe suchen anstatt sich zurückzuziehen, wenn sich eine Phase anbahnt. Daher ist das ganze für mich ungewohnt, denn natürlich würde ich mir wünschen, dass er mit mir mehr darüber redet. Aber das ist wahrscheinlich einfach von Person zu Person unterschiedlich.

LG Die Elster
DieNeue
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von DieNeue »

Hallo,
die_elster hat geschrieben: 5. Feb 2026, 14:41 Nur leider ließt man im Internet ziemlich viele "Horrorstories" über depressive Partner, die sich plötzlich trennen, oder Angehörige, die doch irgendwann die Notbremse ziehen. Das macht es manchmal schwer, optimistisch zu bleiben, auch wenn ich es wirklich versuche.
Ja, ich kenne diese ganzen Horrorstories. Ich bin sowohl Betroffene als auch Angehörige und ich war anfangs auch völlig schockiert von den ganzen negativen Geschichten und Aussagen im Internet zu dem Thema. Da habe ich sogar fast übersehen, dass ich mit meinen Eltern eigentlich ein Beispiel habe, wo eine Beziehung mit einer depressiven Person seit Jahrzehnten gut funktioniert.
Ich kann dir den Tipp geben, genau hinzuschauen, wenn du im Internet Geschichten zu dem Thema liest: Bei vielen Geschichten stellt sich irgendwann heraus, dass die Leute nicht einfach nur Depressionen haben, sondern (auch noch) ganz andere psychiatrische Diagnosen haben oder z.B. Alkoholiker sind. Das ist dann eine ganz andere Hausnummer. Wenn dein Freund nur Depressionen hat, solltest du euch auf keinen Fall mit solchen Fällen vergleichen.
Genauso ist oft das Problem, dass Betroffene sich weigern sich professionelle Hilfe zu holen. Das ist nochmal eine zusätzliche Belastung, die du in eurer Beziehung z.B. nicht hast, da dein Freund in Behandlung ist.
Ich habe auch schon festgestellt, dass in manch anderen Foren sämtliche Diagnosen durcheinandergeworfen werden. Da fragt einer, ob eine Beziehung mit einer Person mit Depressionen klappen kann, dann schreiben drei Leute "Nein, auf keinen Fall, mein Ex war voll schlimm", die vierte schreibt was sachliches dazu und der fünfte schreibt dann "Lauf so schnell du kannst! Die Freundin von meinem besten Kumpel hatte Borderline, das war furchtbar. Das klappt nie im Leben!"
Und dann geht es plötzlich gar nicht mehr um Depressionen, sondern um sämtliche psychische Krankheiten, die man sich so vorstellen kann und alle erzählen eine Schreckensgeschichte nach der anderen. Am Ende sitzt man da und hat den Eindruck depressive Menschen wären alle voll die Monster. Dabei ging es in der Hälfte der Beiträge gar nicht um Depressionen. Die paar wenigen sachlichen und sinnvollen Beiträge gehen in der Masse dann unter.

Ja, es ist unterschiedlich, wie Menschen in einer Depression sind. Manche ziehen sich zurück, manche nicht so. Für den Partner stelle ich es mir schwerer vor, wenn sich der andere zurückzieht und weniger darüber redet. Von daher ist es gut, dass er immer noch möchte, dass du ihm schreibst. Es scheint ihm zu helfen. Ich habe zwar keine abgegrenzten depressiven Phasen, sondern chronische Depressionen, aber mir hilft es auch, wenn mir Leute einfach "Alltagsnachrichten" schreiben, wenn es mir nicht so gut geht, oder gerade in unserer WhatsApp-Familiengruppe mehr los ist. Da fühle ich mich dann immer noch "dabei" und bin abgelenkt von mir selber und meinen Problemen. Sowas kann schon auch stabilisierend wirken. Das merkst du ja gerade auch selber, dass seine regelmäßigen Nachrichten für dich auch eine stabilisierende Wirkung hatten.

Liebe Grüße und alles Gute dir und deinem Freund,
DieNeue
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Liebe DieNeue,

vielen Dank für deine Worte, denn sie machen mir auf jeden Fall Mut! Natürlich hoffe ich, dass wir nicht auch als eine dieser Horrorstories enden. Stattdessen wünsche ich mir, dass ich dieses Thema hier im Forum irgendwann mit einem glücklichen Ende zum Abschluss bringen und damit vielleicht auch anderen Angehörigen und natürlich auch Betroffenen Hoffnung machen kann. Denn an solchen Mutmachgeschichten mangelt es definitiv im Internet, da hast du auf jeden Fall recht. Aber die Angst, dass so wie es gerade ist, zum Dauerzustand wird, kommt natürlich trotzdem immer wieder.

Ja, dieser Rückzug ist für mich als Partner extrem schwer, vor allem, da wir ja aufgrund der Fernbeziehung keinen gemeinsamen Alltag haben. Da waren diese regelmäßigen kleinen Alltagsupdates schon ziemlich wichtig. Von meiner Seite aus werde ich ihm die auf jeden Fall auch weiterhin schicken, so lange er das möchte, auch wenn es mir aufgrund dieser Einseitigkeit manchmal schwer fällt. Aber so langsam werden die Phasen, wo es mir deswegen wirklich schlecht geht, glücklicherweise wieder weniger. Ende Februar geht für mich deshalb ebenfalls eine Therapie los.

Dir ebenfalls alles Gute!
Die Elster
DieNeue
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von DieNeue »

Hallo,
die_elster hat geschrieben: 5. Feb 2026, 16:03 Aber die Angst, dass so wie es gerade ist, zum Dauerzustand wird, kommt natürlich trotzdem immer wieder.

Ja, das ist verständlich. Als Betroffener hofft man natürlich auch, dass es irgendwann besser wird.
Wenn du jetzt auch noch eine Therapie anfängst, ist das richtig gut. Dann habt ihr beide einen Ansprechpartner, der euch hilft mit der Situation umzugehen. 👍

Liebe Grüße,
DieNeue
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Was mich ziemlich belastet, ist die Tatsache, dass es durchaus Leute gibt, bei denen er sich von selbst meldet und mit denen er mehr Kontakt hat. Das weiß ich durch Erzählungen von ihm und weil ich es auch mitbekomme, wenn wir Zeit miteinander verbringen. Das tut echt weh und ich kann es nur schwer nachvollziehen bzw verstehen.
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von DieNeue »

Hallo die_elster,
die_elster hat geschrieben: 6. Feb 2026, 08:28 Was mich ziemlich belastet, ist die Tatsache, dass es durchaus Leute gibt, bei denen er sich von selbst meldet und mit denen er mehr Kontakt hat. Das weiß ich durch Erzählungen von ihm und weil ich es auch mitbekomme, wenn wir Zeit miteinander verbringen. Das tut echt weh und ich kann es nur schwer nachvollziehen bzw verstehen.
Sprichst du ihn denn nicht auf Verhalten an, wenn du es nicht verstehst?
Es kann unterschiedliche Gründe dafür geben:
- Freunde und Bekannte haben keine so eine nahe und enge Beziehung zu deinem Partner wie du als Partnerin. Dementsprechend sind auch die Erwartungen (und damit der Druck) an ihn nicht so hoch wie bei dir.
- Seine Krankheit ist bei dir ein Dauerthema, bei anderen Leuten ist das vielleicht nicht so und er kann dort besser abschalten.
- Genauso kann es sein, dass er bei anderen eine Maske aufsetzt, weil er ihnen nicht zeigen will, wie es ihm wirklich geht und da noch mehr sozialer Zwang mitspielt (à la "Ich muss mich mit denen treffen, sonst fällt auf, dass mit mir was nicht stimmt"). Bei dir als Partnerin kann er so sein wie er wirklich ist. In dem Fall eben depressiv und zurückgezogen.

Vielleicht hilft dir das ja etwas weiter.

Liebe Grüße,
DieNeue
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Darauf angesprochen habe ich ihn schon mehrfach. Angeblich würde er mit anderen auch nicht mehr Kontakt haben als mit mir. Am vergangenen Wochenende hat er als wir zusammen waren dann aber regelmäßig mit zwei Kumpels von ihm geschrieben und mir erzählt, dass er sich gerade regelmäßig mit einer Bekannten über Kunstprojekte austauscht. Es ist nicht so, dass ich ihm die sozialen Kontakte nicht gönne, aber weh tut es trotzdem.

Den aktuellen Zustand der Beziehung kann und darf ich bei ihm aktuell nicht mehr thematisieren. Wenn ich das Thema bzw meine Gefühle und Bedürfnisse anspreche, dann reagiert er schnell wütend und genervt. Vieles muss ich daher gerade runterschlucken.

LG und schönen Freitag
Die Elster
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Guten Morgen zusammen,

ich muss mir hier einfach mal den Frust von der Seele schreiben, damit ich meine Freunde nicht ständig damit belaste. Gestern Abend und heute Morgen waren für mich wieder sehr schlimm. Ich lag weinend im Bett und mein Kopf wurde geflutet von Erinnerungen an die wunderschöne, leichte und unbeschwerte Zeit, bevor diese schreckliche dunkle Phase begonnen hat. Ich vermisse es so sehr, die Nähe, die wir trotz der räumlichen Distanz immer hatten. Morgens aufzuwachen und zu wissen, dass da eine Nachricht auf mich wartet, mit einem Gedanken, den er mitten in der Nacht hatte und mit mir teilen wollte. Die Fotos, wenn er am Wochenende mit Freunden unterwegs ist. Die langen Sprachnachrichten am Abend, wenn er mir von seinem Tag erzählt. Zwei Jahre lang war er einfach diese stabile Konstante in meinem Leben, von der ich wusste, sie ist immer da, jeden einzelnen Tag. Und jetzt ist alles so anders und es fühlt sich für mich immer noch so surreal und schwer zu begreifen an. Und dazu kommt immer die Angst. Angst, dass alle diese Dinge nie wieder kommen werden. Angst, dass diese wunderschöne Zeit für immer vorbei ist und die ganzen schönen gemeinsam Erinnerungen zu schmerzhaften Erinnerungen werden.

Ich wünsche euch allen einen schönen Samstag,
Die Elster
Suchende2
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von Suchende2 »

Hallo die Elster,

Deine Angst kann ich Dir nicht nehmen.
Ich kann Dir nur von mir berichten. Mein Mann und ich kennen uns seit über 30 Jahren. Meine Depression war eine sehr harte Belastungsprobe für unsere Ehe, die Trennung stand auch zwischendurch im Raum. Aber zur Zeit sieht es so aus, als ob wir unseren Weg wieder wirklich gemeinsam gehen.

Alles Gute,
Suchende
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Liebe Suchende,

vielen Dank für deine Worte. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich immer mal wieder Trennungsgedanken habe, so ist es wirklich das letzte, was ich möchte. Denn dazu hängen einfach viel zu viele schöne Momente an diesem Menschen und an der Gewissheit, dass diese dann für immer der Vergangenheit angehören, würde ich zerbrechen.

Ich habe beschlossen, diesen Faden hier als eine Art Tagebuch zu nutzen und vom Auf und Ab zu berichten. Teils für mich selbst, um vielleicht besser zu erkennen, in welche Richtung sich alles entwickelt. Teils natürlich auch für andere, die in einer ähnlichen Situation stecken und sich vielleicht in unserer Geschichte wiedererkennen. Heute hat er sich tatsächlich von sich aus gemeldet und mir ein Foto von sich geschickt. Das gab es in den letzten drei Wochen nicht mehr. Das hat mich natürlich sehr gefreut aber dennoch halte ich meine Hoffnungen erstmal klein.

Einen schönen Sonntag euch allen,
Die Elster
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Guten Abend zusammen,

heute bin ich einfach nur wütend auf diese sch***** Krankheit und was sie mit den Menschen, die man liebt, macht.

Laut Platon war der Mensch einst ein Doppelwesen, das aus zwei Hälften bestand. Da die Götter große Angst vor der Macht dieser Doppelwesen hatten, wurden sie aufgespalten und ihre beiden Häften voneinander getrennt. Seit dem ist jeder von uns auf der Suche nach seiner anderen Hälfte. Als ich ihn im Sommer 2023 kennengelernt habe, wusste ich sofort - ich habe meine Hälfte gefunden. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, Hobbies, Interessen, Weltanschauung, Zukunftsplanung.

Ich hatte bis jetzt kein leichtes Leben, mit vielen Verlusten und Rückschlägen. Und jetzt wird mir am Ende vielleicht auch noch dieser winzige Krümel Glück, den ich für mich gefunden habe, genommen. Das ist alles so unglaublich unfair.

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche,
Die Elster
DieNeue
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von DieNeue »

Hey die_elster,

mal nicht den Teufel an die Wand. Du schreibst ja so, als wäre er schon weg. Lass dich mal drücken, wenn du magst. Es wird auch wieder anders werden.
Er hat dir gestern ein Foto geschickt und er will auch weiterhin, dass du ihm schreibst. Er ist in Therapie und arbeitet an sich. Das ist doch gut!

Hast du Ende Februar erst ein Erstgespräch oder kennst du deine/n Therapeut/in schon?

Liebe Grüße und eine gute Nacht!
DieNeue
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Guten Morgen DieNeue,

nein, weg ist er (noch) nicht, da hast du wohl recht. Aber um ehrlich zu sein, habe ich mich mental bereits darauf eingestellt. Denn selbst in diesem Forum kann man die Fäden, die ein gutes Ende genommen haben, an einer Hand abzählen. Und langsam aber sicher stoße ich an meine Grenzen, denn seit Monaten die treibende Kraft in der Beziehung zu sein, kostet sehr viel Energie. Gleichzeitig kann und will ich nicht loslassen, weil es noch so viel gibt, was ich mit ihm erleben möchte.

Am schlimmsten ist diese Ungewissheit. Die Ungewissheit, wie lange das alles noch dauert, ob es jemals wieder besser wird, wohin unsere Reise geht und ob sie nicht schon bald endet. Ich lenke mich viel ab, unternehme viel mit Freunden, tu mir selbst gutes etc. Aber trotzdem Spüre ich oft diese Leere, wo eigentlich mal ein Gefühl von tiefer Nähe und Verbundenheit war. Mir fehlt das alles so sehr und oft fühlt es sich einfach wie ein surrealer Albtraum an, aus dem ich nicht aufwachen kann.

Das Erstgespräch und die probatorischen Sitzungen hatte ich bereits. Nächste Woche geht also die volle Therapie los.

LG
Die Elster
Suchende2
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von Suchende2 »

die_elster hat geschrieben: 10. Feb 2026, 06:58 Denn selbst in diesem Forum kann man die Fäden, die ein gutes Ende genommen haben, an einer Hand abzählen.
Hallo Die Elster,

das kann daran liegen, daß die anderen Angehörigen keinen Bedarf für ein Forum haben!
Und ich weiß, daß es im Betroffenen-Bereich einige mit einer langjährigen, funktionierenden Beziehung / Partnerschaft / Ehe gibt.

Bitte lasse Dich nicht entmutigen.
Sorge gut für Dich selbst und alles andere kannst Du nicht beeinflußen.

Alles Gute,
Suchende
DieNeue
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von DieNeue »

Hallo die_elster,
die_elster hat geschrieben: 10. Feb 2026, 06:58 Denn selbst in diesem Forum kann man die Fäden, die ein gutes Ende genommen haben, an einer Hand abzählen.
Das Forum hier zum Maßstab zu nehmen ist keine gute Idee, denn es ist überhaupt nicht repräsentativ. Viele Betroffene, die hier manchmal reinschauen, können gar nicht nachvollziehen, wie schlecht manche depressive Menschen, die hier beschrieben werden, ihre Partner behandeln, weil sie selber sich nicht so verhalten würden. Als Betroffene ist es auch nicht so einfach hier mitzulesen, weil man hier oft wirklich das Schlimmste vom Schlimmen liest und auch Dinge auf die Depression geschoben werden, die nichts damit zu tun haben.
Angehörige, die sehr schlechte Erfahrungen mit depressiven Menschen gemacht haben (das geht bis zu Gewalt, Bedrohung, Scheidungskriege etc.), werden dir hier auch nicht zu einer Beziehung mit einem depressiven Partner raten - weil sie nur extrem schlechte Erfahrungen gemacht haben, nicht weil sie so viel Ahnung von deinem Freund haben.

Es ist gut, dass deine Therapie bald anfängt. Vielleicht hilft dir die besser damit klarzukommen. Aber lass dich nicht zu sehr von den Geschichten im Internet runterziehen. Du und dein Freund, ihr habt mit den Geschichten der Leute im Internet nichts zu tun. Ihr führt euer ganz eigenes Leben. Wichtig ist, was bei euch passiert, nicht das, was bei anderen los ist.

Liebe Grüße,
DieNeue
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Guten Morgen zusammen,

ich versuche, für mich selbst zu sorgen. Aber es wird mir manchmal wirklich schwer gemacht. Denn in meinem Umfeld gibt es gerade sehr viele Menschen, die wichtige Meilensteine mit ihren Parter*innen erreichen, sich verloben, zusammen ziehen, eine gemeinsame Zukunft planen. Und wir hängen fest, in diesem Limbo, diesem Schwebezustand aus Ungewissheit, ob und wie es weitergeht. Unsere gemeinsame Zukunft und alle Pläne eingefroren auf unbestimmte Zeit. Und wenn man einem Menschen so nahe war und so viel gemeinsam erlebt hat, dann ist es so schwer, nicht an ihn zu denken, denn man erkennt ihn in so vielen Dingen wieder - in den Geschenken in der Wohnung, in Musik, Filmen und in Orten. Dazu kommt noch diese Hilflosigkeit, nichts an der Situation ändern und nur warten zu können.

LG
Die Elster
GuntherB
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von GuntherB »

Hallo die elster,

ich kann mal eine eher positive Geschichte eines Betroffenen schicken. Bin seit bald 20 Jahren mit meiner Frau zusammen.
2020 kam schleichend die Depression. Es folgten ein stationärer, ein teilstationärer Klinikaufenthalt, fast 3 Jahre tiefenpsychologische Psychotherapie, die noch andauert. Wir standen auch ein paar Mal vor einer Trennung, aber bisher ist eine Verbundenheit geblieben trotz meiner Erkrankung.
Ich bin längst nicht der Alte, aber das ist auch garnicht mein Ziel, denn dieses "alte" Leben hat mich ja krank gemacht.
Und da geht es nicht mal in erster Linie um die Beziehung zum Partner, sondern auch um die Beziehung zu sich selbst.
Wenn die nicht intakt ist, kann man auch keine gute Partnerschaft führen.
Ich kann schon verstehen, dass es dir schwerfällt, die momentane Situation auszuhalten, aber wenn eure Verbundenheit nicht erlischt, werdet ihr bestimmt einen Weg finden zusammen. Und wenn nicht, wird es bestimmt auch irgendwann einen gewissen Sinn ergeben.

VG
Gunther
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Guten Morgen zusammen,

natürlich wäre es schön, wenn er wieder der Alte werden würde. Aber aktuell wünsche ich mir einfach nur einen Bruchteil des lebenslustigen, fröhlichen Lockenkopfes zurück, den ich so sehr liebe. Noch vor einem Jahr hatten wir eine wunderschöne und intensive Zeit und es ist so surreal und schwer zu begreifen, dass wir gerade an diesem Tiefpunkt stehen. Alleine beim Gedanken, dass dieser mir so wichtige Mensch vielleicht bald nicht mehr in meinem Leben sein könnte, wird mir speiübel. Es ist so unfair, dass es ausgerechnet ihn erwischt hat, er hat diese ganze Sch***** nicht verdient.

LG Die Elster
die_elster
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Re: Gibt es Hoffnung oder rede ich mir das alles nur schön?

Beitrag von die_elster »

Hallo zusammen,

ich wollte mal einen kurzen Zwischenstand geben, wie es in den letzten Tagen mit uns weitergegangen ist. In der vergangenen Woche hat er mehrmals von sich aus den Kontakt zu mir initiiert. Zwar nicht viel, aber ich habe mich trotzdem sehr gefreut. Phasen, wo ich teilweise mehrere Tage auf eine Antwort warten musste, sind seit Mitte Januar nicht mehr vorgekommen.

Gestern haben wir den Tag miteinander verbracht. Trotz laut ihm ziemlich anstrengender und bescheidener Woche war er verhältnismäßig guter Dinge. Von ihm kamen sogar zwei Vorschläge für gemeinsame Ausflüge, die wir im Zukunft unternehmen könnten.

Eine gute Freundin, mit der ich zum Glück viel darüber reden kann, meint, dass das für sie nach einem guten Trend aussieht. Ich hoffe natürlich, dass sie richtig liegt und wir uns gerade langsam wieder annähern und zumindest ein Teil der alten Beziehungsdynamik zurückkehrt. Manchmal traue ich mich, hoffnungsvoll zu sein. Manchmal holt mich aber auch der Pessimismus ein, der mir ins Ohr flüstert, dass ich mir das alles nur einbilde, sich im Vergleich zum Tiefpunkt im Dezember nichts verändert hat und das Warten und Hoffen sowieso keinen Sinn hat. Ich würde uns so gerne den Sommer gemeinsam genießen sehen.

Viele Grüße und einen guten Start in die neue Woche
Die Elster
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