Muss man dumm sein, damit Psychotherapie funktioniert?

live61
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Re: Muss man dumm sein, damit Psychotherapie funktioniert?

Beitrag von live61 »

waldwiese hat geschrieben: 23. Jan 2026, 20:08 ​Man sollte sich immer vor Augen halten, dass die Psychiater und Psychologen, mit denen es einige von uns zu tun haben, Menschen sind. Das sind Leute, die ihren Job machen.
Ja, es sind Menschen damit sind gute und weniger gute dabei. Das Problem bei den sehr guten wird man oft als Patient nicht aufgenommen, oder man wird mit einer Wartezeit von 6 Monaten konfrontiert.
Aber selbst bei meiner guten Therapeutin, war meine letzte Erfahrung negativ, mir einen 100 Frage Fragebogen durcharbeiten lassen und mir das Ergebnis erst 1/2 Jahr später zu übermitteln ist einfach daneben. Ich hätte die Auswertung gerne als "seelische Kalibrierung " verwendet, jetzt macht der retrospektive Blick keinen Sinn mehr.
Klar hat sie wenig Zeit, aber mir hätte eine telefonische Rückmeldung gereicht - nein das macht sie nicht! Ihre Prinzipien sind wichtiger als meine Gesundung, da schließe ich im März die Therapie mit einer Enttäuschung ab.
Nixe02
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Re: Muss man dumm sein, damit Psychotherapie funktioniert?

Beitrag von Nixe02 »


man muss nicht dumm sein, man muss offen und ohne Vorbehalte sein.
Ein böser Mensch würde jetzt sagen: "probieren sie doch mal, das hat schon vielen Menschen geholfen und schließlich machen wir das schon seit Jahren so, es ist sogar wissenschaftlich erwiesen ... " u.s.w.u.s.f..

Schaut man sich nun die vielen depressiven-fröhlichen (behandelten) Menschen an, die brav ihre Antidepressiva schlucken, sämtlichen Nebenwirkungen zum Trotz, von einer Therapie zu anderen laufend, jahre-, jahrzehntelang,
wäre ein Hinterfragen wohl nicht verkehrt.

Dummheit ist es mit Sicherheit nicht, die einen zu einer erfolgreichen Therapie qualifiziert, Gutgläubigkeit ... vielleicht? Hoffnung, Zuversicht ...

Spricht man mit Ärzten/Therapeuten, ganz privat (kein Behandlungsverhältnis), kann man schnell zu dem Schluss kommen: sie wissen's auch nicht so genau, sie probieren.
Die "Mechaniker der Seele".
Weiss man 100%ig wie so eine Seele/Gehirn funktioniert ... wieso, weshalb, warum, incl. aller Vorgeschichten, kann man nicht nur gut diagnostizieren, sondern auch gut reparieren/behandeln.
Erfahrung und viel Zeit bedarf es allerdings schon und bei den "vielen Modellen von Mensch", da ja jeder ein bisschen anders funktioniert, ist es gar nicht so einfach.

Ich war neulich mal wieder in einer Autowerkstatt, mit meinem 34 Jahre alten japanischem Auto, eine Fachwekstatt mit studiertem Ingeneur (über 40 Jahre Berufserfahrung) und einem Kfz-Meister mittleren Alters ... div. Teile wurden getauscht, das Problem blieb, weil keiner Erfahrungen mit diesem Modell hatte und wohl auch keiner so motiviert war (Zeitmangel?), der Sache auf den Grund zu gehen und schließlich, hätte das ja noch mehr Zeit gekostet und das könne man ja niemanden zumuten ... rein finanziell.

Ich glaube vielen Ärzten/Therapeuten geht es ähnlich: sie haben zu viele Patienten und zu wenig Zeit und es kommen immer wieder neue Patienten hinzu = wieder andere "Modelle" mit den unterschiedlichsten Problemen und jeder Mensch funktioniert ein bisschen anders und was "das Schlimmste" ist, die Probleme jedes Einzelnen variieren auch noch, bei diesem einzelnen Patienten (Modell).

Was erwarten wir eigentlich, von so einer Therapie?
live61
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Re: Muss man dumm sein, damit Psychotherapie funktioniert?

Beitrag von live61 »

@Nixe
So wie du es beschreibst sind wir Induviduen derart vielfältig und komplex, dass eine Therapie nicht oder nur wenig helfen kann.
Das sehe ich nicht so, zwar sind wir alle unterschiedlich, aber wenn man hier so liest, treten immer wieder sehr ähnliche Muster auf, insofern lassen sich Auslöser und Verstärker schon erkennen. Die Kunst des Therapeuten besteht darin, diese eingetretenen seelischen Belastungen zu erkennen, zu akzeptieren und die Person zur Selbstachtung, und -liebe anzuleiten.
Karl
Nixe02
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Re: Muss man dumm sein, damit Psychotherapie funktioniert?

Beitrag von Nixe02 »

live61 hat geschrieben: 7. Feb 2026, 16:17
So wie du es beschreibst sind wir Induviduen derart vielfältig und komplex, dass eine Therapie nicht oder nur wenig helfen kann.
Diese Meinung teile ich nicht, selbstverständlich helfen Therapien, wenn auch bei jedem anders ... wenn ich die Ursache der Störung, des "Defekts" nicht ergründen kann, wird es vielleicht zum Glücksfall, da stimme ich zu.

Doch probieren muss ich es doch, auch mich selbst zu "reparieren".
Die chemische-neurotransmitter Auswirkung (Niedergeschlagenheit) passiert doch nicht grundlos ... einfach so, die hat doch eine Ursache.

Einfach irgendetwas probieren ist bestimmt besser, wie gar nichts tun. Auch ein Therapeut tastet sich langsam an ein Problem heran.
Und je erfahrener jemand ist, desto fruchtvoller wird es werden.
Ähnliche Muster, ähnliche Symptome, ähnliche Menschen ... doch die Auslöser sind doch oft völlig andere, die Lebensumstände auch. Eine leidet unter Minderwertigkeitskomplexen, einer an Überforderung, mangelnder Anerkennung = alle ziehen sich irgendwann zurück, werden lustlos, lebensmüde oder irgendwie komisch ... anders, meist schwindet das Selbstbewusstsein und/oder man zweifelt an sich, die Freude geht verloren. Viele werden zu permanenten Meckeren, das ist bei vielen alten Leuten gut zu beobachten - da ist nichts mehr mit Selbstachtung/-liebe, da herrscht nur noch Frust und Enttäuschung.

Dem kann man doch auf den Grund gehen, doch das bedarf Zeit, viel Zeit.
Bei manchen funktionieren ein paar "Stimmungsaufheller" ... am Anfang, um wieder aktiv zu werden ... dann produziert man selbst seine eigenen Stimmungaufheller, in dem man etwas tut, sich verändert, am Leben teilnimmt.
Passivität oder alles hinnehmen ist doch der größte Stimmungskiller.
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