akute Depressionsphase

Deprimum
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akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo in die Runde,
ich leider seit 11 Jahren an Depressionen und Angstgefühle. Bin in psychiatrischer Behandlung und nehme auch Antidepressiva. Seit vorigem Jahr habe ich einmal pro Jahr eine akute depressive Phase, aktuell befinde ich mich wieder in einer. Könnt ihr mir bitte ein paar Tipps geben, was ich dagegen tun kann? In meiner Ehe und mit meiner Tochter geht es drunter und drüber, wir reden kaum miteinander und wenn doch Mal, dann sind es meist nur Vorwürfe. Kann es auch an Nahrungsergänzungsmittel liegen?
Nixe02
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Nixe02 »

Deprimum hat geschrieben: 2. Sep 2025, 13:12In meiner Ehe und mit meiner Tochter geht es drunter und drüber, wir reden kaum miteinander und wenn doch Mal, dann sind es meist nur Vorwürfe. Kann es auch an Nahrungsergänzungsmittel liegen?
Hallo Deprimum,

ist es nicht eher wahrscheinlicher, dass es an deiner angespannten Situation Zuhaus liegt?

Wer kommt schon gern nach Haus, wenn einem alles andere als die pure Freude, Entspannung und Ruhe erwartet?
Suchende2
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Suchende2 »

Hallo Deprimum,

willkommen im Forum.

Was hat Dir in der Vergangenheit geholfen, die Episoden zu überwinden / durchzustehen?
Was davon hilft Dir aktuell?
Ich habe den Thread Werkzeugkasten hochgeschoben, vielleicht findest Du dort noch ein paar Anregungen.

Was braucht Ihr als Familie, um wieder zueinanderzufinden?
Was für weitere Streßoren / Auslöser hast Du?

Ob es an Nahrungsergänzungsmitteln liegen kann, weiß ich nicht. Das kannst Du durch ausprobieren herausfinden.

Alles Gute,
Suchende
Bauchtänzer
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Bauchtänzer »

Welche AD´s in welcher Dosis nimmst du denn aktuell?
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo Suchende2,
die akute Phase habe ich erst seit vorigem Jahr, vorher kannte ich solche Phasen nicht. Also weiß ich nicht was mir helfen kann.
Was uns als Familie helfen kann? Wenn ich das nur wüsste 😞 Im Moment ist eine normale Kommunikation nicht möglich. Auf beiden Seiten wird alles irgendwie falsch verstanden oder auf die Goldwaage gelegt. Ich habe seit fast zwei Wochen, wohlgemerkt haben wir Urlaub, keine zwei Sätze mit meinem Mann oder meiner Tochter gesprochen.
Ich nehme seit vielen Jahren bereits Nahrungsergänzungsmittel, aber jetzt habe ich noch aufgestockt. Zeitlich würde es passen.
Da ich jetzt schon einiges ausprobiert habe mit Reha, Therapien und Reduzieren meines AD's. Ich habe mir jetzt für Mitte September einen Termin bei einer Heilpraktikerin geholt. Bin gespannt ob es mir weiterhilft.
LG
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo Bauchtänzer,
vielleicht sollte ich mich überhaupt kurz vorstellen. Ich bin 46 Jahre, seit 21 Jahren verheiratet und habe eine 20 jährige Tochter. Ich gehe einer geregelten Arbeit nach, die mich ausfüllt aber nicht stresst. Den genauen Zeitpunkt bzw. der genaue Tricker ist mir nicht bekannt. So richtig kam dies auch nicht bei meiner Gesprächstherapie raus. Seit 11 Jahren nehme ich Sertralin, gestartet bin ich mit 100mg, war dann kurz auch bei 150mg. 🫣 Dann habe ich sieben Jahre langsam bis auf 25mg ausgeschlichen. Voriges Jahr hat mein Körper mir zu verstehen gegeben, das ist zu wenig. Nach Rücksprache mit meiner Psychiaterin bin ich aktuell wieder bei 100mg Sertralin und abends nehme ich nach Bedarf 100mg Opipramol, damit ich halbwegs gut schlafen kann.
Alles nicht so einfach.
LG
Nixe02
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Nixe02 »

Was braucht Ihr als Familie, um wieder zueinanderzufinden?
Was für weitere Streßoren / Auslöser hast Du?
Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn jeder in der Familie, erstmal jeder für sich, aufschreibt, was einem am anderen stört und (!) was er mag, ganz subjektiv, offen, auch wenn es belanglos erscheint.

Denn oft sind es die belanglosen Dinge (Anfangs), so meine eigene Erfahrung, an denen man sich hochschaukelt ... Kleinigkeiten, Nichtigkeiten, die man bei Fremden meist toleriert, einen Zuhaus aber enorm nerven - immer wieder.

Euer nicht miteinander sprechen, ist doch ein Versuch jeglichen Streit aus dem Wege zu gehen, was leider oft als Demütigung oder Missachtung angesehen wird, was es wiederum noch schwieriger macht.

Wie kann es also gelingen, wieder ins Gespräch zu kommen?
So 'ne Art Fiedensverhandlung auf neutralem, wertungs- und vorwurfstfreien Boden/Rahmen.
Philomena
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Philomena »

Hallo Deprimum,
ich denke, ihr braucht eine Familientherapie, in der jeder zu Wort kommt und auch ernst genommen wird. Wendet euch doch an den Sozialpsychiatrischen Dienst. Mir hat dieser sehr gut geholfen, weil ein Termin in Kürze möglich war.
Liebe Grüße
Philomena
Philomena
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Philomena »

zur Ergänzung:
Nahrungsergänzungsmittel braucht es nicht, wenn du dich halbwegs gesund ernährst. Das wird dir jeder Arzt sagen. Nur in Ausnahmefällen und für kurze Zeit werden diese evtl. angeraten. Auch den Besuch beim Heilpraktiker würde ich persönlich nicht empfehlen. Ihr steckt in einer familiären Krise, wo ihr alleine nicht mehr rausfindet. Aber natürlich müsst ihr selbst über euer Leben entscheiden und wie es weitergeht.

Philomena
ewald
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von ewald »

Hallo,
vielleicht besteht die familiäre Krise darin, dass die 20-jährige Tochter einen eigenen Weg braucht, raus aus dem Elternhaus? Da gibt es keine Lösung miteinander, da ist räumliche Trennung notwendig. Ich habe das Elternhaus mit 17 verlassen, weil es nur Zank und Streit gab. Vielleicht solltest Du Deine Tochter gehen lassen und die Krise kann gelindert werden.
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo ewald,
genau das habe ich mir auch schon gedacht, allerdings ist das nicht so einfach. Sie studiert von zu Hause an einer privaten Hochschule und dann noch absolutes Papakind. Anfang des Jahres hat sie für 4 Monate nicht zu Hause gelebt und nur am Wochenende war sie sporadisch da. Da hat es super funktioniert, die Aussage von meinem Mann war allerdings: Wer weiß was dich da getrickert hat. Ihm ist es selbst jetzt in meiner Situation, dass ich mich zusammen nehmen soll und ich wüsste gar nicht wie sie darunter leidet. Wenn es Streit zu Hause gibt, dann eigentlich hauptsächlich wegen Kleinigkeiten die unsere Tochter betreffen. Mein Mann sieht das nur anders und steht seltenst hinter mir.
Ich muss dazu sagen, dass wir vor 2 Jahren auch getrennt gelebt und gewohnt haben.
Nachdem ich auch hier wieder eingezogen bin, lief es anfangs auch richtig gut.
Es ist einfach alles so traurig 😭
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Liebe Philomena,
mit der Familientherapie ist prinzipiell ein guter Lösungsvorschlag, jedoch weiß ich jetzt schon, dass ich da nur verlieren kann. Mein Mann und meine Tochter stehen gemeinsam auf einer Ebene über mir. Ich hoffe du weißt wie ich das meine. Da bin ich absolut chancenlos.
Mein Mann möchte mich nach 11 Jahren das erste Mal zu meiner Psychiaterin begleiten. Er kam bis jetzt nie von selbst auf die Idee (finde ich sehr traurig).

ICH WÜNSCHE MIR DOCH EINFACH NUR MEIN GESUNDES LEBEN ZURÜCK!!!
ewald
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von ewald »

Deprimum hat geschrieben: 3. Sep 2025, 18:01 ICH WÜNSCHE MIR DOCH EINFACH NUR MEIN GESUNDES LEBEN ZURÜCK!!!
Das ist ein verständlicher Wunsch, jedoch da sich die Dinge ändern, kann es zunächst nach längerer Zeit des Verhaltens zu krankhaften Erscheinungen kommen. Um sie zu überwinden gehört als allererstes, zu akzeptieren, dass sie da sind und erst dann kann man schauen, was zu tun ist, um sie zu überwinden. Eine Depression klingt nicht ab, weil man sie sich wegwünscht, sondern weil man antidepressives Verhalten an den Tag legt. Das ist nicht so einfach, denn es ist womöglich das Gegenteil, von dem, was man lange Zeit gewohnt war zu tun. Antidepressives Verhalten heißt, sich genau dann trotzdem aufzuraffen und etwas zu unternehmen, wenn man gerade gar keine Lust hat und lieber mit Chips vor dem Fernseher sitzt. Dieses sich überwinden und den inneren Schweinehund besiegen schafft die Möglichkeit die depressive Verstimmung einzudämmen. Nicht sich hängen lassen und sich der Apathie hingeben, sondern sich aufraffen und aktiv werden. Nicht nur in der Wohnung putzen und aufräumen, das ist auch gut, sondern auch den Kontakt zu anderen Menschen suchen, hinausgehen, auch wenn es regnet und so vielleicht jemand Bekannten treffen. Selbst eine Kleinigkeit einkaufen und ein paar Worte mit der Verkäuferin wechseln, kann das Gefühl der Einsamkeit aufheben. Es ist nicht immer die große Einladung mit Bewirtung, die Kontakte ermöglicht, natürlich auch, aber es sind vor allem die kleinen Begegnungen, die Hoffnung machen. Sich trotz schlechter Stimmung einlassen auf die Situationen, hinausgehen und so die Chancen erhöhen.

Ich gebe zu, heute am Freitag ohne besonderen Termin und es regnet in einer Tour habe ich auch leicht depressive Verstimmung, nichts Weltbewegendes, aber ich überlege, womit ich mich beschäftigen könnte. War einkaufen, habe eine Bekannte im Laden besucht, war nicht so kommunikativ, spazieren gehen bei Regen ist nicht verlockend und so brauche ich eine erfüllende Beschäftigung in der Wohnung. Hier im Forum schreiben ist schon ganz gut, aber zu theoretisch, besser ist etwas Praktisches. Ich weiß, da muss ich zwar auch raus, aber das ist nicht so weit. Ich bringe alte ausgelesene Bücher zum Bücherschrank. Da ist in der Wohnung aufgeräumt und andere können die Bücher lesen, sie freuen sich vielleicht.
Lesen ist bei schlechtem Wetter überhaupt eine Option, zwar nicht sehr körperbetont, aber ein spannender Thriller, sehr fesselnd. Besser einen bestimmten Roman als Geschichte lesen, als wahllos aus Langeweile bei YouTube Videos anschauen. Beim Lesen entstehen eigene Bilder im Kopf, das regt die Fantasie an und beim Videos anschauen gibt es nur passive Berieselung, genauso wie beim Fernseher. Das ist wohl der Trick beim antidepressiven Verhalten, etwas tun, wo man selbst aktiv ist, wo man kreativ ist, wie bei einem Hobby.
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Ich gebe dir in allen Punkten Recht, aber wie du auch schon geschrieben hast, ist es nicht einfach sich da aufzuraffen. Ich bin den ganzen Tag am Überlegen was ich machen könnte. Mein Problem ist, das der größte Tricker-Punkt 24/7 gegenwärtig ist. Jeder Abend im Bett nehme ich mir gedanklich Dinge vor, die ich am nächsten Tag machen könnte. Ich bin schon am überlegen ob ich mir nicht wieder eine eigene Wohnung suche. Vielleicht wird es ab nächster Woche besser, da ist mein Urlaub vorbei und ich gehe wieder arbeiten. Dort sind meine lieben Kollegen und ich bewege mich dann auch wieder. Eigentlich total bescheuert, dass man sich freut wieder auf Arbeit zu gehen.
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo Zusammen,
ich glaube ich falle vom Glauben ab.
Nachdem mich mein Mann gestern ermutigt hat eine Runde zu Laufen und ich mich versucht habe aufzuraffen und dann auch ne halbe Stunde unterwegs war, ist gerade Folgendes passiert. Mir ist dieser Spaziergang gestern wirklich nicht leicht gefallen. Ich muss noch dazu sagen, dass ich seit meiner Coronaerkrankung vor drei Jahren fast nichts mehr riechen kann. Also war ein Achtsam Spaziergang nur bedingt möglich, wohlgemerkt in der freien Natur und es hätte ja immer Mal geregnet. Für jemanden der alle Sinne einsetzen kann bestimmt richtig angenehm. Er sagte heute Vormittag zu mir, ich solle doch lieber raus gehen als nur Tabletten zu schlucken. Ich sagte ihm dann das mit meiner Nase, was er ja wissen müsste. Vielleicht habe ich mich auch nicht ganz richtig ausgedrückt. Absolutes Unverständnis und vorhin kam ich Gott sei Dank zu leise ins Zimmer, da sitzt er mit unserer Tochter draußen und zieht über mich her. Ich machte dann die Türe etwas lauter zu, damit sie mich kommen hören, sofort wurde das Gespräch beendet und er kam von draußen rein. Ich habe dann zu ihm gesagt, dass ich alles gehört hätte, wie er über mich gesprochen hat. Er meinte nur er habe dies aus Unverständnis gemacht. Mir kamen sofort die Tränen und ich musste ein Beruhigungsmittel nehmen.
Habt ihr so etwas schon Mal erlebt? Ich bin ernsthaft am Überlegen hier sofort auszuziehen.
Danke fürs Lesen
ewald
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von ewald »

Das nennt man menschliche Kränkung, das kann passieren, wenn mehrere Menschen zusammen sind. Da bist Du ja anscheinend ganz dicht am Wasser gebaut und bei der kleinsten Kleinigkeit bricht die Welt zusammen. Töchter sind ja meistens Papakinder, aber hast Du Dich schon einmal gefragt, warum das bei Dir besonders ausgeprägt ist? Depressive Mütter sind für Kinder nicht gerade ein Vorteil. Was erwartest Du in Deiner Situation und mit der psychischen Krankheit, dass Dich alle mit Liebe überschütten? Du wirst sehen, wenn Du arbeiten gehst wird es nicht besser, die Kollegen werden reagieren. Du wirst denken, die Kollegen sind komisch, nein Du bist komisch mit der Depression. Deshalb sich der eigenen Krankheit bewusst sein und demütig daraus die Konsequenzen ableiten. Dann kommt es weniger zu Überraschungen, weil andere Menschen sich verhalten.
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Unsere Tochter ist wohl ein Papakind und sie ist im Moment mein absoluter Tricker-Punkt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in erster Linie keinerlei Rückhalt von meinem Mann erhalte und sich meine Tochter mir gegenüber als Mutter aufführt.

Warum das so ist kann ich dir leider nicht sagen. Vielleicht liegt es an meiner eigenen Kindheit. Diese war bestimmt nicht schön. Ich habe selber keinerlei Liebe bekommen und würde eher derb erzogen. Es ist bestimmt so, dass ich mir die selbe Kindheit gewünscht hätte, wie es meine Tochter hat. 😞

Meine Tochter war Anfang des Jahres für 4 Monate in Leipzig für ein Praktikum, da lief es komischerweise verdammt gut. Ich habe immer das Gefühl, dass mein Mann anders ist wenn unser Kind nicht da ist.
DieNeue
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von DieNeue »

Hallo Deprimum,
Deprimum hat geschrieben: 6. Sep 2025, 12:37 Er sagte heute Vormittag zu mir, ich solle doch lieber raus gehen als nur Tabletten zu schlucken. Ich sagte ihm dann das mit meiner Nase, was er ja wissen müsste. Vielleicht habe ich mich auch nicht ganz richtig ausgedrückt. Absolutes Unverständnis
Weiß er, dass du Achtsamkeitsspaziergänge machst und dich dein fehlender Geruchssinn belastet?
Man muss ja nicht immer Achtsamkeitsspaziergänge machen, man kann ja auch so einfach durch die Gegend laufen. Vielleicht denkt er, du gehst einfach "nur so" spazieren.
Ich weiß nicht, ob es so ist, aber falls dir der Geruchssinn so zu schaffen macht, würde ich versuchen, den Fokus auf die anderen Sinne zu legen. Also z.B. mal bewusst nen Sonnenuntergang ansehen, Wind spüren, Bewegung spüren etc. Oder vielleicht das Achtsamkeitsding erstmal ganz lassen?
Meiner Meinung nach muss nicht jeder Spaziergang ein Achtsamkeitsspaziergang sein. Wenn man sich das sehr strikt vornimmt, kann man irgendwann auch streng mit sich werden. Ich finde, es reicht ja auch einfach mal nur rausgehen und sich bewegen und an die frische Luft zu kommen. Das ist doch auch schon was. Oder man fährt mal Fahrrad und genießt den Fahrtwind o.ä.

Mal abgesehen davon denke ich, dass deine Nase nicht unbedingt das Problem ist, das er hat. Ich denke, das war eher ein Missverständnis, weil er den Zusammenhang zwischen Rausgehen und Nase nicht gerafft hat.
Was mich eher stutzig macht ist, dass er dich überhaupt auffordert rauszugehen statt Tabletten zu nehmen. Scheinbar geht er davon aus, dass man Depressionen mit Spazierengehen heilen könnte. :? Spaziergänge heilen keine Depression, sie können zusätzlich helfen, aber sind keine alleinige Therapiemaßnahme. Ich denke, es ist ganz gut, wenn du ihn mal zur Psychiaterin mitnimmst, wenn er das schon vorschlägt. Ja, auf der einen Seite ist es traurig, dass er jetzt erst draufkommt mitzugehen, andererseits ist es schön, dass er jetzt endlich mitgeht. Vielleicht ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

Schreibst du dir positive Dinge auf? Ich habe einen extra Kalender, wo ich oft positive Dinge reinschreibe. Das hilft den Fokus auf das Positive zu lenken. Ich schreibe da nicht die üblichen "drei schönen Dinge" auf und es ist kein Dankbarkeitstagebuch, sondern ich schreibe einfach frei Schnauze, was mir einfällt. Worüber ich mich gefreut hab; wenn jemand nett war, auch wenn ich nichts besonderes dazu gefühlt habe (das hilft nicht in Gedanken abzudriften wie "keiner mag mich, niemand hilft mir etc."), wenn das Wetter schön war, etc.

Wenn ihr so wenig miteinander redet und so viel streitet, wie du hier schreibst, fände ich eine gemeinsame Therapie wirklich nicht schlecht.
Hat dein Mann eigentlich auch einen Ansprechpartner, mit dem er über alles reden kann? Ich denke, er könnte auch jemanden gebrauchen, mit dem er manche Dinge klären kann. Dass deiner Tochter die Situation zu schaffen macht, kann ich mir vorstellen, aber sie wird auch nicht besser, wenn dein Mann sich bei ihr über dich auskotzt und womöglich alles bei ihr ablädt.
Klar kann man auch mit den Kindern drüber reden und das ist auch wichtig, aber es gibt auch Grenzen.
Deprimum hat geschrieben: 3. Sep 2025, 18:01 mit der Familientherapie ist prinzipiell ein guter Lösungsvorschlag, jedoch weiß ich jetzt schon, dass ich da nur verlieren kann. Mein Mann und meine Tochter stehen gemeinsam auf einer Ebene über mir. Ich hoffe du weißt wie ich das meine. Da bin ich absolut chancenlos.
Genau solche Dinge sollte eine gute Therapeutin allerdings merken und gezielt damit arbeiten, damit du dich in Zukunft eben nicht mehr so fühlst und es nicht mehr gefühlt zwei gegen einen geht.

Liebe Grüße,
DieNeue
Senif
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Senif »

Hallo Deprimum,

ich finde die Idee, sich mehr auf andere Sinne zu konzentrieren gut.

mit der Familientherapie ist prinzipiell ein guter Lösungsvorschlag, jedoch weiß ich jetzt schon, dass ich da nur verlieren kann. Mein Mann und meine Tochter stehen gemeinsam auf einer Ebene über mir. Ich hoffe du weißt wie ich das meine. Da bin ich absolut chancenlos.

Es geht doch nicht um Gewinnen und Verlieren. Dass du dich auf einer Ebene unter Ihnen fühlst, hat etwas mit Dir und deinen Bewertungen zu tun. Sowas ist auch ein gutes Therapiethema - es hängt sehr viel am Selbstwert - und den geben wir uns selbst. Niemand anderes.
Vielleicht wäre es auch eine Strategie mal aufzuschreiben, was du von anderen erwartest und warum. Nur für dich, und vielleicht für die Therapeutin.

:hello:
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo dieNeue,
es war kein geplanter Achtsamkeitsspaziergang, es hat sich am Ende so angefühlt, weil so langsam unterwegs war und meine Hände über das Gras habe gleiten lassen.
Das Ding ist nur, dass er sich ganz leise mit unserer Tochter unterhalten hat und geschaut hat ob ich in den Raum trete. Immer wenn ich die Augen schließe, sehe ich ihn vor mir, wie sein Gesichtsausdruck ist und die Gesten dazu. Eine Paartherapie haben wir schon Mal in Angriff genommen. Nach der zweiten Stunde hat er diese beendet, weil die Therapeutin nicht das gesagt hat was er hören wollte. Wir waren ja auch schon getrennt von 2020-2023, wir haben uns dann irgendwie wieder angenähert und es hat richtig gut angefühlt. Es waren auch wieder Glücksgefühle vorhanden.
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo Senif,
das mit dem Über- und Unterstehen haben wir durch eine Psychologin bestätigt bekommen. Sie hat mit meinem Mann und mir einen Test gemacht. Sie meinte, das Eltern immer auf gleicher Höhe über dem Kind stehen sollten. Bei uns war das von beiden Seiten aus nicht der Fall. Mein Mann hat sich auf gleicher Höhe mit unserer Tochter über mir gesehen und bei mir sah es genauso aus nur umgedreht. Mein Mann und meine Tochter über mir.
Wegen der Therapie habe ich ehrlich gesagt richtig Angst. Was ist wenn die Therapeutin nicht so ist, wie du es schreibst. Das halte ich nervlich nicht aus und rutsche tiefer in meine Depressionen.

Ich wüsste auch gerne, was diese extremen Schübe auslöst. Wie bereits geschrieben, habe ich diese seit vorigem Jahr, jedoch nur einmal pro Jahr.
DieNeue
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von DieNeue »

Hallo Deprimum,
Deprimum hat geschrieben: 6. Sep 2025, 20:07 Das Ding ist nur, dass er sich ganz leise mit unserer Tochter unterhalten hat und geschaut hat ob ich in den Raum trete.
Okay, das fühlt sich echt nicht gut an, wenn es offensichtlich ist, dass über dich geredet wird und du das nicht mitbekommen sollst. Ich finde es kein gutes Verhalten von deinem Mann. Er hat dir ja dann auch gesagt, dass er mit ihr geredet hat, weil er dich nicht verstanden hat. Dann sollte es aber ja eigentlich kein Problem sein, wenn du dazukommst. Dann könnte man auch sagen "Gut, dass du gerade kommst. Wir haben gerade darüber geredet, dass ich die Situation heute nicht verstanden habe. Vielleicht kannst du sie mir ja nochmal erklären, denn ich würde es gerne verstehen."

Sind denn zuerst die akuten Depressionen gekommen und dann die Probleme mit der Familie oder andersrum? Ich merke bei mir z.B., dass mir zwischenmenschliche Konflikte und Spannungen extrem viel Energie ziehen und in Zeiten, wo mehr zwischenmenschliche Konflikte sind (oder Konflikte, wo man noch nicht weiß, wie man damit umgeht und permanent Unsicherheit herrscht) auch die depressiven Symptome stärker sind. Ist in meinem Umfeld zwischenmenschlich alles okay, geht es mir wesentlich besser. Von daher denke ich, dass evtl. bei dir auch die Problene in der Familie eine Depression auslösen können.
Deprimum hat geschrieben: 6. Sep 2025, 17:07 Unsere Tochter ist wohl ein Papakind und sie ist im Moment mein absoluter Tricker-Punkt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in erster Linie keinerlei Rückhalt von meinem Mann erhalte und sich meine Tochter mir gegenüber als Mutter aufführt.
Ich habe zwar keine Kinder, aber wenn sich meine Tochter mir gegenüber als Mutter aufspielen würde, würde ich da auch allergisch reagieren. Hat sie denn bei deinem Mann gewohnt, als ihr getrennt wart? In dem Fall könnte das auch eine Rolle spielen. Da wäre keine Mutter da gewesen, also hätte sie diese Rolle selber gehabt, da sie sicherlich auch im Alltag mehr selbstständig machen hätte müssen, als wenn die Mutter noch da wäre. Ich weiß nicht, über welche Dinge ihr so streitet, aber zusätzlich könnte (!) es auch sein, dass du in ihren Augen auch einfach die Rolle der Kranken hast, die Hilfe braucht und selber nicht viel schafft. Wie gesagt, das ist nur eine Vermutung, was sein könnte. Muss alles nicht stimmen.
Ich habe nur z.T. die Erfahrung gemacht, dass manche Leute denken, ich bräuchte aufgrund meiner Erkrankung ständig Hilfe (was aber nicht so ist) und dann drücken sie mir Hilfe auf, um die ich gar nicht gebeten hatte, oder bemuttern mich unnötig, obwohl ich das nicht abkann.

Liebe Grüße,
DieNeue
Deprimum
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Deprimum »

Hallo DieNeue,
die Frage was zu erst da war kann ich nicht wirklich beantworten. Mein Mann war aber Gott sei Dank derjenige, der das ganze ins Rollen gebracht hat. Termin bei einer Psychologin und dann ging das ganze Prozedere los. Da war ich dann allerdings fast ausschließlich auf mich alleine gestellt. Er hat sich immer viel über die Krankheit belesen und mir auch Tipps gegeben, aber hat mich nie zu einem Termin begleitet. Wir haben da auch schonmal drüber gesprochen, aber es kam nichts von seiner Seite aus und ich fühle mich nicht in der Lage ihn darum zu bitten. Es sollte schon von seiner Seite aus kommen, vor allem wenn wir bereits darüber gesprochen haben.

Den Vorwurf erhalte ich auch ständig, dass ich im Freundes und Bekanntenkreis, sowie auf Arbeit ganz anders bin wie zu Hause. Da bekomme ich auch keine ständigen Vorwürfe und bin keinem Druck ausgesetzt.

Ja meine Tochter habe ich in ihrer gewohnten Umgebung gelassen. Ich wäre wenn ich ehrlich bin auch nie auf die Idee gekommen sie mitzunehmen. In dieser Zeit hat sie sich auch nur sporadisch gemeldet und kam nur vorbei wenn sie etwas gebraucht hat. Als ich zu Weihnachten Corona hatte, hat sie nicht einmal nach mir gefragt oder mir trotzdem schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr gewünscht. Das war wirklich hart. Mein Mann hat sie aber auch kein bisschen animiert oder gelenkt. Auch das war wieder ein Faustschlag in die Magengrube. 🥹

Wir streiten häufig über Kleinigkeiten, über ihr Benehmen mir gegenüber. Da erwarte ich auch mehr von meinem Mann, dass er hinter mir steht und unsere Tochter auch Mal zurecht weist. Es kommt aber nichts. Wenn ich ihn dann alleine daraufhin anspreche kommt nur der Kommentar ich habe das jetzt nicht so hart gesehen oder empfunden. Ich will doch auch nicht, dass er es genauso empfinde oder sieht um hinter mir zu stehen, ich möchte dich nur seine Unterstützung wenn er merkt, dass unsere Tochter in meinen Augen ihre Grenze überschritten hat. Ist denn das zuviel verlangt?

Unsere Tochter macht im Haushalt nichts bis gar nichts. Das kann ich ohne Probleme selber bewerkstelligen. Das findet mein Mann auch nicht schlimm, weil sie ja irgendwann ihren Haushalt ja auch alleine machen muss. Wirklich eine ganz tolle Theorie, vor allem weil unsere Tochter ja 24/7 zu Hause ist durch ihr Studium.
Ich bekomme Gott sei Dank keine versuchte Hilfe angeboten. Das kann mit Sicherheit zu einer extremen Belastung werden und man ist es irgendwann auch leid den Mitmenschen zu sagen, dass man keine Hilfe benötigt 😕.

Liebe Grüße
Deprimum
Nixe02
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von Nixe02 »


Unsere Tochter macht im Haushalt nichts bis gar nichts. Das kann ich ohne Probleme selber bewerkstelligen. Das findet mein Mann auch nicht schlimm, ...
Ich bekomme Gott sei Dank keine versuchte Hilfe angeboten. Das kann mit Sicherheit zu einer extremen Belastung werden und man ist es irgendwann auch leid den Mitmenschen zu sagen, dass man keine Hilfe benötigt 😕.
Hallo ,
ist das nun ironisch gemeint oder ...?
Wäre ich dein Kind oder dein Partner, wäre ich mehr als verwirrt/unsicher und würde versuchen solchen Situationen/Diskussionen zu entfliehen.

Menschen, auch große oder auch kleine Kinder benötigen klare Äusserungen, damit sie wissen woran sie sind, was sie tun sollen, alles andere verunsichert sie und führt oft zu einer Trotzhaltung.

Natürlich ist es bequem, wenn einer alles macht und man selbst nichts oder wenig tun muss, problematisch wird es doch erst bei Missverständnissen, Unklarheiten und sind die Aufgaben nicht klar geregelt, kommt es eben zu diesen = das erzeugt Frust, Ärger, Unzufriedenheit.

Wenn man das nicht bespricht und sich einigt, kann man noch so viele "Beruhigungsmittel" nehmen, ändern wird sich daran sicher nichts.
ewald
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Re: akute Depressionsphase

Beitrag von ewald »

Das Problem hatten wir doch schon erkannt, es liegt daran, dass die Tochter 20 ist und längst eigene Wege gehen müsste. So aber wohnen alle zusammen, ist doch klar, dass es zu Missverständnissen kommt. Mutter hat nichts mehr zu sagen und Tochter dominiert noch nicht. Da fliegen die Fetzen, ist doch logisch. Womöglich fühlt sich die Tochter ihrer kranken Mutter gegenüber verantwortlich, das Kind übernimmt die Versorger rolle, eine Katastrophe. Eine 20-jährige Tochter muss erst einmal auf eigene Füße kommen, bevor sie Verantwortung übernimmt. Aber wer weiß, wie lange das schon so geht, dass wenn die Mutter akut depressiv ist, die Tochter für alles sorgt. Mutter: Mir ist heute gar nicht gut, ich bleibe im Bett. Tochter 10 Jahre alt: Ist o.k. Mama, gehe einkaufen, mache sauber und tätige die Überweisungen. Ruhe Dich nur aus.
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