Umgang mit der Depression.

HamagoHope
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Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Hallo zusammen,

bis jetzt war ich stiller Mitleser, habe einige Threads stark verfolgt und mir immer mal wieder Tipps von euren Erfahrungen holen können. Was mich von vorneweg erstaunt hat, war, dass hauptsächlich Frauen von depressiven Männern hier im Forum schreiben.
Scheinbar ist es immer noch so, dass viele Männer denken, Sie kommen alleine klar.

Aufgrund dessen und da sich meine Situation immer mehr zuspitzt, wollte ich mich nun öffnen und erhoffe mir Rat, Tipps und Anregungen zum Umgang mit der Depression zu erhalten.

Meine Frau und ich sind beide Anfang/Mitte 40, seit knapp 18 Jahren ein Paar und seit 13 Jahren verheiratet.
Sie hatte eine schwere Kindheit in der Sie wenig Liebe erhalten hat, dafür aber regelrecht auf die Einhaltung von Regeln, gleich ob innerfamiliär oder gesellschaftlich, durch Ihren strengen Vater gedrillt wurde. Ihr wurde vermittelt, dass der kleinste Fehler bzw. das geringste Nichtbeachten dieser für Ihre Gesundheit oder Ihr Leben weitreichende Folgen haben wird. Auch in der erweiterten Familie stieß Sie auf wenig Verständnis und in der Schule war Sie auch eher der Außenseiter.
Als wir uns kennenlernten litt Sie schon, höchstwahrscheinlich als Resultat der Kindheit, an Panikattacken und Angststörungen. Sie nimmt seit über 20 Jahren Antidepressiva, wenn auch in einer geringen Dosierung, ein

Wir hatten in unserer Beziehung in all den Jahren immer wieder Höhen und Tiefen und selbstverständlich sind auch emotionale Verletzungen passiert. Deutlich mehr von meiner Seite als von Ihrer, da ich u.a. vor allem die ersten Jahre unsere Beziehung nicht verstand, wie sehr sich die Störung auf Ihren Alltag auswirkt und immer mehr erwartet und auch verlangt hatte, als Sie geben konnte. Zudem ging ich laut Ihrer Aussage viel zu wenig auf Ihre Bedürfnisse ein. Durch einen Tipp ich im Forum kam ich auf das Buch die fünf Sprache der Liebe was ich vor kurzem anfing zu lesen. Darin stellte ich schnell fest, dass wir beide zwei unterschiedliche Sprachen sprechen.

Zudem hat Sie in der Arbeit beinahe täglich seit vielen Jahren mit Ihrem autoritären Kollegen und einem unfähigen Chef zu kämpfen. Es verging auch früher kaum ein Abend, wo sie nicht wieder aufgebaut werden wollte. Und ich hab das oft getan, verdammt oft. Aber irgendwann kann man mal selber nicht mehr, weil man müde ist vom eigene Tag.

Seit ca. 2 Jahren hat sich bei Ihr schleichend eine Depression entwickelt. Ihre Hauptpunkte der Depression sind, dass niemand Sie verstehe, niemand auf Sie höre wenn Sie was will oder was nicht will und niemand Ihr was zutraut. Sie sei zudem dauerhaft alleine, auch unter Menschen.
Seit Ende letzten Jahres wurde diese Depression dann immer schwerer so dass Sie selbst den Schritt ging um eine Therapie zu bitten. Ihre Psychiaterin riet zu einer systemischen Therapie. Anfang August kann sie damit endlich beginnen.
Zwischenzeitlich hat sich, seit etwa drei Monaten, Ihr Fokus aber immer mehr darauf verlegt, dass die Hauptschuld an Ihrer Depression an meinem Verhalten und den daraus entstandenen Verletzungen und unerfüllter Bedürfnisse in unserer Beziehung liegt. Sie wirft mir seitdem in regelmäßigen Abständen so ziemlich alles an den Kopf, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Sagt Sie könne mir nicht mehr vertrauen, ich wäre kein sicherer Hafen für Sie, der ich doch sein sollte, wo sie sich fallen lassen kann, etc. Ich solle endlich kommunizieren lernen, da ich mich Ihres Erachtens nach nicht richtig ausdrücken kann und gleichzeitig aber auch nicht richtig zuhören. Zudem kenne ich Sie gar nicht wirklich und ich würde nicht Sie lieben sondern nur die Teile an Ihr, die mir zusagen. Das tut echt verdammt weh, denn ich liebe sie sehr.

Kleinste Meinungsverschiedenheiten über alltägliche Dinge können ein Pulverfass entzünden. In diesen Vulkanausbrüchen redet im Grunde auch nur Sie. Sie schneidet mir nach einem halben Satz das Wort ab. Rechtfertigungen oder Erklärungen meinerseits werden nicht zugelassen. Es gehe jetzt nun mal nicht um mich, sondern um Sie, damit Ihr es wieder besser geht und ich solle endlich Verantwortung für meine Taten übernehmen und zusehen dass keine Verletzungen mehr entstehen.

Körperliche Nähe sucht Sie aktuell auch so gut wie gar nicht.

Gleichzeitig entlädt Sie nach wie vor auch alle Wut und Enttäuschungen aus der Arbeit unter Tags via Textnachrichten bei mir ab. Auf aufmunternde Antworten meinerseits kommt normalerweise nichts zurück und falls doch, nur was negatives wie z.B. „du kannst eh nicht helfen, weil du es ja mit verbockt hast“. Sage ich gar nichts dazu, interessiere ich mich aber nicht für Sie.

Ich selbst war vor 3 Jahren auch ausgebrannt und kann spätestens seitdem meine Partnerin in vielen Punkten wesentlich besser verstehen und versuche Dinge unter denen Sie litt und leidet zu verbessern. Allerdings gelingt mir das auch nur nach und nach und nicht in dem gewünschten Maß und Geschwindigkeit wie ich es gerne hätte. Ich habe aber das Gefühl sie kann das gar nicht mehr sehen.

Die Vorwürfe, gerade ich würde Sie nicht ganzheitlich lieben, tun mir verdammt weh.
Zudem bin ich der Meinung, ich übernehme sehr wohl Verantwortung, alleine schon dadurch dass ich zugebe, dass ich in vielen Punkten falsch handelte und auch den Weg durch die Depression mitgehe.
Des weiteren liegt aktuell der komplette Haushalt auf meinen Schultern.
Ich spüre dass mir langsam aber sicher die Kraft ausgeht. Die dauerhaften Vorwürfe, gleichzeitig aber keine Wertschätzung zu erfahren zehren sehr an mir.
Zudem ducke ich mich immer öfter weg und weiß oft nicht mehr was in welcher Situation nun richtig oder falsch ist. Und dann passieren mir aufgrund meiner eigene Unsicherheit immer wieder Fehler.

Seit 3 Wochen sind wir zudem in Paartherapie und ich erhoffe mir hier zumindest Lösungsansätze.

Ich versuche auch vieles nicht gleich persönlich zu nehmen wenn Sie einen schweren Tag hat, aber das gelingt mir selten. Versuche verständnisvoll zu reagieren. Aber ich kann mich doch auch nicht täglich entschuldigen und Ihr durchgehend sagen dass ich sehe wie schlecht es Ihr geht. Wie macht Ihr das?

Jetzt stelle ich fest, dass mein Beitrag doch sehr lang wurde, obwohl ich versuchte des so kurz wie möglich zu halten.

Vielen Dank an alle die sich die Mühe geben, diesen zu lesen.

Liebe Grüße
H.Hope
Mikamuck
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Mikamuck »

Hallo H.Hope,

danke für deinen Mut deine Geschichte zu teilen.

Ich glaube, Frauen fällt es oft leichter sich Hilfe zu suchen und Männer kriegen ja auch eher eingeflößt, dass sie Herausforderung alleine bewältigen müssten. Das ist leider auch immer noch in unserer Gesellschaft stark verankert und ist sehr besorgniserregend.

Ich kenne diese Situation. Mein Partner ist auch stark depressiv und hat eine kptbs, die auf einer schweren Kindheit mit wenig Liebe und viel Gewalt und mehreren großen Operationen in der Kindheit beruht. Er hat eine seltene Erkrankung von der er aber erst seit kurzen definitiv weiß und die bis dahin als Psychosomatik abgetan wurde und dementsprechend falsch behandelt wurde. Er wird oft sehr wütend und schlägt dann gegen die Wand oder sich selbst, wenn er überfordert oder frustriert ist, wenn ihn die Schmerzen lähmen. Er hat so Glaubenssätze wie "Ich kann nichts" und "ich bin ein Versager". Hin und wieder richtet er die Wut dann auch gegen mich, wenn die Wut gegen sich zu groß wird. Es ist dann keine körperliche Gewalt, aber verbale und dann sagt er solche Sachen, wie deine Frau und wirft mir vor, ich würde ihn nicht unterstützen.

Mittlerweile weiß ich, dass das Züge einer Borderline-Persönlichkeitsstörung seinen können, die eine Folge traumarisierender Ereignisse sein kann. Eine kptbs und Borderline gehen Hand in Hand. Was du beschreibst und was deine Frau erlebt hat klingt so, als könnte das auch bei ihr der Fall sein. Wichtig ist an der Stelle zu verstehen, dass a) Borderline behandelbar ist, b) dich keine Schuld trifft und c) du sie nicht heilen kannst. Eine Paartherapie scheint die richtige Lösung zu sein, das würde aber auch implizieren, dass du wirklich verantwortlich dafür bist, aber bei einer Depression kann der Partner eigentlich nur da sein und Halt geben. Das ist unglaublich frustrierend und unbefriedigend, möchte man den geliebten Menschen doch gesund wissen, aber sobald man anfängt aktiv darauf einwirken zu wollen, den Partner von der Depression zu heilen, begibt man sich in eine Ko-Abhängigkeit und setzt seine eigene Gesundheit aufs Spiel.

Ob sie wirklich Borderline hat oder etwas anderes, kann ich natürlich gar nicht beurteilen. Es klingt einfach nur so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Akzeptanz von Betroffenen an der Stelle sehr schwer fällt. Das ist ironischerweise auch ein teil der Erkrankung, weil wer will schon eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bekommen.

Im Grunde ist es wichtig, dass sie sich in eine geeignete Therapie begibt und du dich vielleicht auch. Das ist schon mal leichter gesagt als getan, dann Therapieplätze sind rar und einen passenden zu finden ist fast unmöglich. Vielleicht kann sie sich ja vorstellen in eine Reha zu gehen und sicher wäre das für dich auch nicht verkehrt (aber natürlich nicht gleichzeitig). In einer Partnerschaft ist es wichtig einander zu sehen und zu halten, aber auch sich Raum und Auszeiten zu nehmen. Das ist alles andere als leicht und ich wünsche dir, dass du das schaffst, es bringt ihr nämlich noch viel weniger, wenn du daran mit kaputt gehst. Es ist schwer diese Aussagen, die sie dir an den Kopf knallt nicht persönlich zu nehmen, weil sie in dem Moment persönlich gemeint sind, aber sie sich eben nicht wahr und leider kannst du dich nicht entschuldigen, denn damit würdest du ihrem Verhalten recht geben. Am Besten ist es tatsächlich diese Situation zu verlassen und mit ihr noch mal darüber zureden (ohne Schuldzuweisung, sondern mit Ich-Botschaften), wenn sie sich beruhigt hat.
Ich kriege das beim besten Willen auch nicht immer hin und es fühlt sich wirklich elend an, einfach zu gehen.

Ich wünsche dir alles gut!

Mika
MaWe
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von MaWe »

Hallo HHope,

also hier muss ich - als Psychologe, der selbst eine schwerwiegende Depressionsgeschichte hat - Mika widersprechen. Typisch für Borderline wäre ein Wechselspiel von "Du bist mein Ein und Alles" auf der einen und heftiger, aggressiver Entwertung auf der anderen Seite. Außerdem hätte so ein Beziehungsmuster schon bestehen müssen, BEVOR deine Frau eine Depression entwickelt hat. Beides scheint ja nicht der Fall zu sein. Lass dir hier bitte keinen Floh ins Ohr setzen. Ferndiagnosen sind sowieso immer so eine Sache...

Gruß, MaWe
DieNeue
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von DieNeue »

Mikamuck hat geschrieben: 27. Jul 2025, 14:09 Er wird oft sehr wütend und schlägt dann gegen die Wand oder sich selbst, wenn er überfordert oder frustriert ist, wenn ihn die Schmerzen lähmen. Er hat so Glaubenssätze wie "Ich kann nichts" und "ich bin ein Versager". Hin und wieder richtet er die Wut dann auch gegen mich, wenn die Wut gegen sich zu groß wird. Es ist dann keine körperliche Gewalt, aber verbale und dann sagt er solche Sachen, wie deine Frau und wirft mir vor, ich würde ihn nicht unterstützen.

Mittlerweile weiß ich, dass das Züge einer Borderline-Persönlichkeitsstörung seinen können,
Das muss nichts mit Borderline oder einer psychischen Krankheit zu tun haben, wenn man so wütend wird, weil man krank ist. Schmerzen, v.a. wenn sie dauerhaft und/oder sehr stark sind, können einen sehr zermürben und frustrieren. Durch eine Krankheit eingeschränkt zu sein, die Aussicht, dass es nicht besser wird, man jeden Tag damit leben muss, keine gescheite Hilfe zu bekommen und Dinge nicht mehr selbst zu können, das Selbstbild, das nicht mit dem eigenen Wunsch übereinstimmt - all das allein kann dazu führen, dass man Dinge durch die Gegend schmeisst, rumschreit, an die Wand schlägt, sich an den Haaren zieht, u.ä. Das ist einfach extremer Druck und Frust, den man irgendwie loswerden muss.

Im Frust sagt man leicht Sachen, die nicht logisch oder unfair sind. Kann man auch immer wieder mal hier im Angehörigenforum beobachten, wenn Leute extrem frustriert und am Ende sind. Ich würde das nicht gleich pathologisieren und nochmal eine Krankheit vermuten.
Eine Krankheit, die einen sehr einschränkt, ist natürlich auch noch ein zusätzlicher Katalysator für Gedanken wie "Ich kann nix"/ "Ich bin ein Versager", da man ja tatsächlich nicht das kann, was man gerne können würde und man das auch noch täglich vor Augen geführt bekommt. Mir hilft es mit diesem Frust besser zurechtzukommen, seit ich weiß, dass ich nur frustriert bin, weil die Situation tatsächlich sehr frustrierend ist. Und ich nicht auch noch irgendwelche psychologischen Erklärungen oder zusätzlichen Krankheiten suchen muss, die evtl. der Grund sein könnten.
DieNeue
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von DieNeue »

Mikamuck hat geschrieben: 27. Jul 2025, 14:09 Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Akzeptanz von Betroffenen an der Stelle sehr schwer fällt. Das ist ironischerweise auch ein teil der Erkrankung,
Ich wäre sehr vorsichtig mit der Schlussfolgerung "Dass sich jemand gegen die Diagnose wehrt, ist ein Zeichen dafür, dass die Diagnose stimmt". Das ist nicht immer der Fall, denn eine Diagnose kann auch falsch sein. Geht man stur nach oben genannter Schlussfolgerung, hat das zur Folge, dass der Patient eine unpassende Diagnose und damit eine falsche Therapie bekommt, was wiederum verheerende Folgen für den Patienten hat.
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Guten Abend zusammen,

Danke für eure Antworten.
Boarderlinerin ist meine Frau sicher nicht.
Dieses Beziehungsmuster hat sich, wie es MaWe auch schrieb, erst mit der Depression entwickelt.
Zudem ist Sie ja schon so lange in psychaterischer Behandlung, so dass bei einer Auffälligkeit in dieser Katergorie sicher gehandelt worden wäre.

LG HHope
Zuletzt geändert von HamagoHope am 27. Jul 2025, 19:47, insgesamt 1-mal geändert.
Mikamuck
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Mikamuck »

Hallo H.Hope,

ah, das hatte ich irgendwie überlesen. Ich habe nur aus meiner Erfahrung geschrieben und aus dem, was bei meinem Partner diagnostiziert wurde, wenn das doch zu sehr abweicht, dann tut es mir leid, dass ich da in die falsche Richtung gelaufen bin. Ich habe definitiv keine Diagnose angestellt und sondern lediglich einen Vergleich angestellt. Mein Partner hat nämlich die Diagnose mit Tendenz zu Borderline und ich habe einiges zu dem Thema gelesen, als die Diagnose kam und mich mit Expert*innen ausgetauscht.
Ich hatte Ähnlichkeiten darin gesehen, anhand dessen, wie deine Frau mit dir umgeht in diesen Situationen.
Vielleicht sind unsere Erfahrungen dann doch zu verschieden.

Das sind sehr belastende Zustände für euch beide und ich hoffe sehr, dass ihr eine Weg findet mit der Krankheit umzugehen.

Ich wünsche dir alles Gute!
HamagoHope
Beiträge: 29
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Hallo Mikamuck,

kein Problem. Das Forum dient ja dem Austausch. :-)

Danke Dir für deine guten Wünsche.
Mikamuck
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Mikamuck »

DieNeue hat geschrieben: 27. Jul 2025, 17:47 Das muss nichts mit Borderline oder einer psychischen Krankheit zu tun haben, wenn man so wütend wird, weil man krank ist. Schmerzen, v.a. wenn sie dauerhaft und/oder sehr stark sind, können einen sehr zermürben und frustrieren. Durch eine Krankheit eingeschränkt zu sein, die Aussicht, dass es nicht besser wird, man jeden Tag damit leben muss, keine gescheite Hilfe zu bekommen und Dinge nicht mehr selbst zu können, das Selbstbild, das nicht mit dem eigenen Wunsch übereinstimmt - all das allein kann dazu führen, dass man Dinge durch die Gegend schmeisst, rumschreit, an die Wand schlägt, sich an den Haaren zieht, u.ä. Das ist einfach extremer Druck und Frust, den man irgendwie loswerden muss.

Im Frust sagt man leicht Sachen, die nicht logisch oder unfair sind. Kann man auch immer wieder mal hier im Angehörigenforum beobachten, wenn Leute extrem frustriert und am Ende sind. Ich würde das nicht gleich pathologisieren und nochmal eine Krankheit vermuten.
Eine Krankheit, die einen sehr einschränkt, ist natürlich auch noch ein zusätzlicher Katalysator für Gedanken wie "Ich kann nix"/ "Ich bin ein Versager", da man ja tatsächlich nicht das kann, was man gerne können würde und man das auch noch täglich vor Augen geführt bekommt. Mir hilft es mit diesem Frust besser zurechtzukommen, seit ich weiß, dass ich nur frustriert bin, weil die Situation tatsächlich sehr frustrierend ist. Und ich nicht auch noch irgendwelche psychologischen Erklärungen oder zusätzlichen Krankheiten suchen muss, die evtl. der Grund sein könnten.
Hallo DieNeue,

das weiß ich alles. Ich habe nur aus meiner Erfahrung gesprochen, in der diese Diagnosen nun mal existieren und ich viele Gespräche und mit anderen Betroffenen geführt habe und mich viel reingelesen habe. Bei meinem Partner ist es eben nicht einfach bloß Frust.
Es ist aber natürlich richtig, dass man sich nicht noch mehr Erkrankungen suchen sollte, wenn es einen auch nicht wirklich voranbringt. Jeder muss da seinen eigenen Umgang finden.
DieNeue hat geschrieben: 27. Jul 2025, 17:54 Ich wäre sehr vorsichtig mit der Schlussfolgerung "Dass sich jemand gegen die Diagnose wehrt, ist ein Zeichen dafür, dass die Diagnose stimmt". Das ist nicht immer der Fall, denn eine Diagnose kann auch falsch sein. Geht man stur nach oben genannter Schlussfolgerung, hat das zur Folge, dass der Patient eine unpassende Diagnose und damit eine falsche Therapie bekommt, was wiederum verheerende Folgen für den Patienten hat.
Das stimmt und gerade in meiner Jugend wurde mit der Borderline-Diagnose einfach nur so um sich geworfen und viele Menschen (vor allem Frauen) wurden falsch therapiert, obwohl sie dann eigentlich bspw. ADHS hatten. Ich habe nicht gemeint, dass es ein Zeichen für Borderline ist, wenn man die Diagnose nicht akzeptiert, sondern dass die Akzeptanz einer Persönlichkeitsstörung oft schwer fällt. Das ist eine Aussage eines Freundes, dessen Schwester Borderlinerin ist. Ich habe mir diese Einschätzung von einer Therapeutin bestätigen lassen. Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Das tut mir leid.
DieNeue
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von DieNeue »

Mikamuck hat geschrieben: 27. Jul 2025, 19:54 Ich habe nicht gemeint, dass es ein Zeichen für Borderline ist, wenn man die Diagnose nicht akzeptiert, sondern dass die Akzeptanz einer Persönlichkeitsstörung oft schwer fällt. Das ist eine Aussage eines Freundes, dessen Schwester Borderlinerin ist. Ich habe mir diese Einschätzung von einer Therapeutin bestätigen lassen. Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Das tut mir leid.
Alles klar, kein Ding. :) Ich wollte es nur klarstellen, weil mir das selbst so passiert ist und man sehr schwer aus dieser Schublade wieder rauskommt. Und ja, eine Persönlichkeitsstörung zu akzeptieren, kann schwer sein. Allein der Name "Persönlichkeitsstörung" klingt ja schon furchtbar.
Ansonsten ist es gut, dass ihr bereits richtige Diagnosen habt und es nicht nur Vermutungen sind. Liebe Grüße!
Mikamuck
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Mikamuck »

DieNeue hat geschrieben: 27. Jul 2025, 21:17 Und ja, eine Persönlichkeitsstörung zu akzeptieren, kann schwer sein. Allein der Name "Persönlichkeitsstörung" klingt ja schon furchtbar.
Ja voll. Ich hab da such vollstes Verständnis, aber es war auch ein ziemlich Kampf alles.

Es ist auch echt schlimm, dass die Diagnose leichtfertig rausgegeben wird. Zum Glück hast du da auch mehr Klarheit, wie es scheint und weißt, dass es eine Fehldiagnose war.

Danke!

Alles gut und liebe Grüße!
Nachtschatten
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Nachtschatten »

Hallo H.Hope,

"schön", dass du da bist. :) Entschuldige, wenn ich direkt mit der Tür ins Haus falle. Als Angehöriger hast du mein Mitgefühl. Hier meine Gedanken bzw. Denkanstöße zu deiner/eurer Situation.
HamagoHope hat geschrieben: 26. Jul 2025, 14:56 Sie hatte eine schwere Kindheit in der Sie wenig Liebe erhalten hat, dafür aber regelrecht auf die Einhaltung von Regeln, gleich ob innerfamiliär oder gesellschaftlich, durch Ihren strengen Vater gedrillt wurde. Ihr wurde vermittelt, dass der kleinste Fehler bzw. das geringste Nichtbeachten dieser für Ihre Gesundheit oder Ihr Leben weitreichende Folgen haben wird. Auch in der erweiterten Familie stieß Sie auf wenig Verständnis und in der Schule war Sie auch eher der Außenseiter.
Als wir uns kennenlernten litt Sie schon, höchstwahrscheinlich als Resultat der Kindheit, an Panikattacken und Angststörungen.
HamagoHope hat geschrieben: 27. Jul 2025, 19:45 Abgesehen davon teile ich eure Meinung, dass Frauen sicherlich mehreitlich deutlich feinfühliger und empatischer sind als Männer.
Ich war früher auch sehr gefühlskalt und bin auch so aufgewachen, dass "Mann" seine Probleme alleine löst
(aus einem anderen Thread zitiert)

Noch bevor du in dem anderen Thread gepostet hast, war mein erster Eindruck, dass die Kindheit deiner Frau einen gewissen Einfluss bei ihrer Partnerwahl hatte. Vor allem im Hinblick mit folgenden Beobachtungen hat sich mein Eindruck verstärkt:
HamagoHope hat geschrieben: 26. Jul 2025, 14:56 Zwischenzeitlich hat sich, seit etwa drei Monaten, Ihr Fokus aber immer mehr darauf verlegt, dass die Hauptschuld an Ihrer Depression an meinem Verhalten und den daraus entstandenen Verletzungen und unerfüllter Bedürfnisse in unserer Beziehung liegt. Sie wirft mir seitdem in regelmäßigen Abständen so ziemlich alles an den Kopf, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Sagt Sie könne mir nicht mehr vertrauen, ich wäre kein sicherer Hafen für Sie, der ich doch sein sollte, wo sie sich fallen lassen kann, etc.
Oft liest man die Meinung, dass Aussagen während einer depressiven Phase nicht für bare Münze zu nehmen sind, aber ich bin der Meinung, dass doch irgendwo zumindest ein Fünkchen Wahres dran ist, darum würde ich nicht alle Aussagen deiner Frau auf die Depression schieben, sondern in dich hineinhorchen, ob etwas Wahres daran sein könnte. Ich weiß nicht, wie gut eure Kommunikation in der Regel ist und ob da nicht auch viel Angestautes dabei ist.

Wenn ihr Anfang/Mitte 40 seid, dann sind 18 Jahre + Kennenlernphase noch nicht so lange weg von ihren prägenden Jahren, dass es sehr gut sein könnte, dass sie in dir den Typ Mann gefunden hat, den sie von Zuhause kannte und der ihr vertraut vorgekommen ist - gefühlskalt und unnahbar. Fühlst du dich angesprochen? In gewisser Weise bei einzelnen Verhaltens- und Denkmustern "ertappt", auch wenn sie in der Vergangenheit liegen?
HamagoHope hat geschrieben: 26. Jul 2025, 14:56 Kleinste Meinungsverschiedenheiten über alltägliche Dinge können ein Pulverfass entzünden. In diesen Vulkanausbrüchen redet im Grunde auch nur Sie. Sie schneidet mir nach einem halben Satz das Wort ab. Rechtfertigungen oder Erklärungen meinerseits werden nicht zugelassen. Es gehe jetzt nun mal nicht um mich, sondern um Sie, damit Ihr es wieder besser geht und ich solle endlich Verantwortung für meine Taten übernehmen und zusehen dass keine Verletzungen mehr entstehen.
Das klingt für mich wie ein Abwehrmechanismus gegen jede Form von Autorität. Unabhängig davon, ob du in diesem Moment tatsächlich auch autoritär auftrittst, oder nicht.
HamagoHope hat geschrieben: 26. Jul 2025, 14:56 Ich solle endlich kommunizieren lernen, da ich mich Ihres Erachtens nach nicht richtig ausdrücken kann und gleichzeitig aber auch nicht richtig zuhören. Zudem kenne ich Sie gar nicht wirklich und ich würde nicht Sie lieben sondern nur die Teile an Ihr, die mir zusagen. Das tut echt verdammt weh, denn ich liebe sie sehr.
Beim ersten Satz frage ich mich, ob sie vielleicht von sich auf dich projiziert, weil sie selbst merkt, dass ihr die Worte ausgehen, um sich (bei dir) verständlich zu machen.

Ich finde ihre Aussage, dass du nicht alle Teile von ihr lieben würdest, eigentlich sehr nachvollziehbar, weil sie wohl gerade in einer Phase ist, in der sie sich selbst vermutlich nur sehr wenig ausstehen kann und dann ist es natürlich unbegreiflich, dass es da jemanden geben soll, der all das, was sie an sich selbst nicht leiden kann, lieben soll. Ich glaube, sie ständig daran zu erinnern, wie sehr du sie liebst, ist in diesem Fall kontraproduktiv.

Generell würde ich dir Getriggert? von Anouk Algermissen empfehlen, um triggernde Verhaltensmuster und Kommunikationsstile zu erkennen und abzubauen.
HamagoHope hat geschrieben: 26. Jul 2025, 14:56 Gleichzeitig entlädt Sie nach wie vor auch alle Wut und Enttäuschungen aus der Arbeit unter Tags via Textnachrichten bei mir ab. Auf aufmunternde Antworten meinerseits kommt normalerweise nichts zurück und falls doch, nur was negatives wie z.B. „du kannst eh nicht helfen, weil du es ja mit verbockt hast“. Sage ich gar nichts dazu, interessiere ich mich aber nicht für Sie.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aufmunternde Worte sehr schnell beschwichtigend wirken, ohne dass du wütende/enttäuschte/etc. Person sich ernstgenommen und gehört fühlt. Viele wollen in diesem Moment nicht verhätschelt oder getröstet werden, sondern einfach ihren Dampf ablassen. Hast du schon mal probiert, dich in diesem Moment mit ihr mitzuärgern? Du erkennst damit ihren Ärger an und vielleicht gelingt es dir sogar, die Situation insofern zu entschärfen, dass ihr so überspitzt darstellt, dass sie am Ende sogar amüsant wird.
HamagoHope hat geschrieben: 26. Jul 2025, 14:56 Ich spüre dass mir langsam aber sicher die Kraft ausgeht. Die dauerhaften Vorwürfe, gleichzeitig aber keine Wertschätzung zu erfahren zehren sehr an mir.
Zudem ducke ich mich immer öfter weg und weiß oft nicht mehr was in welcher Situation nun richtig oder falsch ist. Und dann passieren mir aufgrund meiner eigene Unsicherheit immer wieder Fehler.
Lässt du sie das wissen, dass du erschöpft bist und dich nicht wertgeschätzt fühlst? Weiß sie von dem Gefühl, dass egal, was du tust, es ihr nicht recht machen kannst? Kannst du dir vor ihr die Blöße geben und sagen, dass du vor gewissen Situationen Angst hast, weil du etwas tun oder sagen könntest, das sie verletzt?

Ich würde dir wärmstens das oben genannte Buch empfehlen und generell mehr Mut zu einer offenen Kommunikation, die vielleicht für den ersten Moment verletzlicher macht, aber letzten Endes wissen beide dann, womit sie es zu tun haben, welche Verhaltensmuster Schaden beim Gegenüber anrichten und welche hilfreich sind.

Alles Liebe
Nachtschatten
HamagoHope
Beiträge: 29
Registriert: 1. Jul 2025, 13:22

Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Hallo Nachtschatten,

vielen Dank für das Teilen deiner Gedanken zu unserer/meiner Situation. Beim stillen Mitlesen habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass du sehr direkt bist.
Ich finde das sehr sehr gut. Der Austausch dient für mich u.a. auch der Selbstreflexion. Von daher halte deine Äußerungen nicht hinter dem Berg. (Wenn ich mich recht entsinne kommst du aus "bella Austria" ;-))
Noch bevor du in dem anderen Thread gepostet hast, war mein erster Eindruck, dass die Kindheit deiner Frau einen gewissen Einfluss bei ihrer Partnerwahl hatte.
Wenn ihr Anfang/Mitte 40 seid, dann sind 18 Jahre + Kennenlernphase noch nicht so lange weg von ihren prägenden Jahren, dass es sehr gut sein könnte, dass sie in dir den Typ Mann gefunden hat, den sie von Zuhause kannte und der ihr vertraut vorgekommen ist - gefühlskalt und unnahbar. Fühlst du dich angesprochen? In gewisser Weise bei einzelnen Verhaltens- und Denkmustern "ertappt", auch wenn sie in der Vergangenheit liegen?
Das habe ich so noch nie gesehen und ehrlich gesagt auch nicht annähernd in Betracht gezogen. Ich bin im Wesen insgesamt doch sehr anders als mein Schwiegervater. Vor allem bin ich deutlich emotionaler (im Positiven sicher, im Negativen kann ich es nicht einschätzen). Jedoch habe ich und mache ich wohl immer noch (weiter unten konkreter) dicht, wenn es in Bereiche geht die für mich tiefliegend sind und mich wirklich verletzen oder verletzen können. Das ist in meiner Kindheit begründet. Ich war bin ein Scheidungskind.
Wenn ich spontan darüber nachdenke gibt es auf jeden Fall die Parallele zu Ihrem Vater, dass immer wenn andere von Ihm was wollten, er dies dann unwirsch und schnell wütend ausgeführt hat und dies für meine Frau immer sehr bedrohlich war. :shock: Wenn ich Ihre Bedürfnisse erfüllen soll und dann dabei unwirsch oder quengelig wurde oder werde (wir reden noch nicht von Wut) wenn es nicht funktioniert, hörte ich oft, das mein Verhalten für Sie in der Situation bedrohlich oder verletzend ist. Ich glaube ich habe eine Epiphanie.
Oft liest man die Meinung, dass Aussagen während einer depressiven Phase nicht für bare Münze zu nehmen sind, aber ich bin der Meinung, dass doch irgendwo zumindest ein Fünkchen Wahres dran ist, darum würde ich nicht alle Aussagen deiner Frau auf die Depression schieben, sondern in dich hineinhorchen, ob etwas Wahres daran sein könnte. Ich weiß nicht, wie gut eure Kommunikation in der Regel ist und ob da nicht auch viel Angestautes dabei ist.
Ich habe mit meinem Verhalten sicher zur Depression beigetragen. Ohne Wenn und Aber. Auch hinterfrage ich, seit ich hier lese, auch mehr ob bei Ihr die Depression spricht oder eben was Wahres dran ist. Einschätzen würde ich, dass das die Basis die Wahrheit ist, aber Sie aufgrund der Depression nur mehr in der Lage ist mit der komplett negativen Brille auf unsere Beziehung zu blicken und die positiven Veränderungen, gerade der letzten Jahre, hier nicht zählen.
Das klingt für mich wie ein Abwehrmechanismus gegen jede Form von Autorität. Unabhängig davon, ob du in diesem Moment tatsächlich auch autoritär auftrittst, oder nicht.
Der Ansatz hilft mir. Ich würde Ihn jetzt beschreiben wie einen Teenager der gegen seine Eltern rebelliert.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aufmunternde Worte sehr schnell beschwichtigend wirken, ohne dass du wütende/enttäuschte/etc. Person sich ernstgenommen und gehört fühlt. Viele wollen in diesem Moment nicht verhätschelt oder getröstet werden, sondern einfach ihren Dampf ablassen. Hast du schon mal probiert, dich in diesem Moment mit ihr mitzuärgern? Du erkennst damit ihren Ärger an und vielleicht gelingt es dir sogar, die Situation insofern zu entschärfen, dass ihr so überspitzt darstellt, dass sie am Ende sogar amüsant wird.
Das ist in der Tat schwierig. Ich höre mir das schon so viele Jahre an, dass ich einfach keinen Nerv mehr habe hier ständig mit zu schimpfen.
Ich hatte Ihr in der Vergangenheit schon öfters gesagt, dass ich von denen nichts mehr wissen will, weil es mich selbst so aufregt.
Lässt du sie das wissen, dass du erschöpft bist und dich nicht wertgeschätzt fühlst? Weiß sie von dem Gefühl, dass egal, was du tust, es ihr nicht recht machen kannst? Kannst du dir vor ihr die Blöße geben und sagen, dass du vor gewissen Situationen Angst hast, weil du etwas tun oder sagen könntest, das sie verletzt?
Ich bin soweit dass ich Ihr sagen kann, dass ich in den Situationen Angst habe, was falsches zu tun, was Sie verletzen könnte. Ihre Antwort hierrauf ist aktuell, dass es einfach nur traurig sei, dass ich nicht fähig wäre mich in Sie hineinzuversetzen bzw. nach so vielen Jahren immer noch nicht weiß was sie verletzt. Und hier ist für mich ein ganz schwieriger Punkt, da Ihre Grenzen sehr eng gesetzt sind. Der Unterschied von Fall A zu Fall B kann marginal sein, aber trotzdem ist dies für Sie der entscheidende Unterschied, abzuschätzen was richtig wäre. So feinfühlig, so glaube ich, werde ich nie sein können. Wir vermuten übrigens beide, dass Sie zudem hochsensibel ist.
Anders verhält es sich mit der Erschöpfung und Wertschätzung. Das habe ich nicht angesprochen, da ich hier die Antwort vermute, Ihr ginge es viel schlechter, ich solle mich nicht so anstellen.

"Getriggert" habe ich tatsächlich zu Hause und auch angefangen zu lesen. Ich wollte mich hier mit Ihr direkt austauschen und die Übungen umsetzen, allerdings bekam ich einen Dämpfer da Sie aus dem Buch rein die Stellen, die Sie bestätigt sieht und gerade sich nicht öffnen kann.
Seidem fand ich keine Motivation alleine weiter zu machen und habe dann erstmal begonnen die "fünf Sprachen der Liebe" zu lesen um Sie besser zu verstehen, was Ihre Kommunikation ist.

LG HHope
Nachtschatten
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Registriert: 2. Mai 2025, 20:56

Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Nachtschatten »

Hallo HHope,

schön, wenn mir schon ein gewisser Ruf vorauseilt. :D
HamagoHope hat geschrieben: 28. Jul 2025, 21:39 Wenn ich spontan darüber nachdenke gibt es auf jeden Fall die Parallele zu Ihrem Vater, dass immer wenn andere von Ihm was wollten, er dies dann unwirsch und schnell wütend ausgeführt hat und dies für meine Frau immer sehr bedrohlich war. Wenn ich Ihre Bedürfnisse erfüllen soll und dann dabei unwirsch oder quengelig wurde oder werde (wir reden noch nicht von Wut) wenn es nicht funktioniert, hörte ich oft, das mein Verhalten für Sie in der Situation bedrohlich oder verletzend ist. Ich glaube ich habe eine Epiphanie.
Es reicht schon, wenn da nur ein Verhaltenszug ist, der an eine toxische / gewaltvolle / belastende / etc. Beziehung erinnert, damit die restliche Kommunikation zum Scheitern verurteilt ist. Ab diesem Punkt, an dem sich jemand an eine andere Person / Beziehung erinnert fühlt, funktioniert die Kommunikation nicht mehr unbelastet und läuft größtenteils nur noch reflexartig ab - wie man halt in der prägenden, vorhergehenden Beziehung darauf gedrillt wurde, mit so einem Verhaltenszug klarzukommen. Auch wenn das dann ziemlich destruktiv sein kann. Man ist dann wortwörtlich getriggert - genau wie der Titel des empfohlenen Buches. ;)

Ich würde dem Buch an deiner Stelle noch einmal eine Chance geben und es zuallererst alleine lesen. Ich weiß schon, im Idealfall ist es ein Arbeitsbuch für 2, aber gerade wenn die Kommunikationsmuster so vertrackt sind und eine Person krankheitsbedingt gerade nicht in der Verfassung ist, sich selbst zu reflektieren, ist es als solches nur bedingt einsetzbar. Es gibt einige Stellen im Buch, da wirst du vermutlich Parallelen zu euch finden können, weil oft Beispiele angeführt werden, wo eine Person nur noch dichtmacht und ihren Emotionen/Vorwürfen freien Lauf lässt, so ähnlich wie du es bei deiner Frau beschrieben hast. Vielleicht bekommst du dann ein besseres Gefühl dafür, wie du solchen Situationen vorbeugen kannst.

Finde ich schön, dass du gleich eine Epiphanie hast. :mrgreen:
HamagoHope hat geschrieben: 28. Jul 2025, 21:39 Ich habe mit meinem Verhalten sicher zur Depression beigetragen.
Ich würde mit solchen Überlegungen gar nicht erst anfangen. Die Schuldfrage bei einer (psychischen) Erkrankung ist sowas von heikles Terrain und sie bringt meiner Meinung nichts, weil der Drops schon gelutscht ist. Die Depression ist da, jetzt geht es um den Umgang damit. Natürlich gibt es gewisse Verhaltens- und Denkmuster, die sie begünstigen, nur gleich darauf zu schließen, dass sie Auslöser für die Erkrankung sind, halte ich für übers Ziel geschossen. Es bringt dich als Angehörigen auch in diese ungute Position, dir ein schlechtes Gewissen zu machen und deine Frau als Betroffene zu bemitleiden. Mitleid ist nicht Mitgefühl. Mitgefühl ist wichtig für Verständnis und Geduld, Mitleid schafft eine Hierarchie, durch die die betroffene Person in meinen Augen nicht mehr auf Augenhöhe betrachtet und behandelt wird.
HamagoHope hat geschrieben: 28. Jul 2025, 21:39 Ich würde Ihn jetzt beschreiben wie einen Teenager der gegen seine Eltern rebelliert.
Genau aus diesem Grund würde ich diesem Vergleich nicht zustimmen, weil du auch da ein Ungleichgewicht reinbringst mit dem schwachen Teenager und dem übergeordneten Elternteil. Ich weißt nicht, ob du selbst Erfahrung mit einem über-autoritären Familienmitglied hast. Ich kann mir vorstellen, wenn sie auf besagte Weise bei Meinungsverschiedenheiten reagiert, dass sie da ein Verhaltensmuster aktiviert, dass sie in ihrer Kindheit nie ausleben durfte, weil es sofort vom strikten Vater unterbunden und sanktioniert wurde. Für mich klingt das wie ein unbeholfener Versuch des Aufarbeitens, um für sich einzustehen, was sie während ihren prägenden Jahren nie erlernt hat und nun - auf deine Kosten - nachholt. Es steht außer Frage, dass dieses eskalierende Streitverhalten nicht okay ist. Wenn sie diese Eskalationsstufe wieder erreicht, würde ich die Diskussion abbrechen, mit dem Hinweis, dass dir ihre Meinung wichtig ist, aber du unter solchen Voraussetzungen kein Gespräch führen kannst oder willst. Bücher wie Getriggert helfen dabei, diese Eskalationsstufe gar nicht erst zu erreichen. (Klar, am besten, wenn das Wissen daraus von euch beiden angewendet wird, aber im Moment steht sie dafür nicht zur Verfügung, also musst du quasi "Erste Hilfe" betreiben, indem du dich selbstständig fortbildest.)
HamagoHope hat geschrieben: 28. Jul 2025, 21:39 Ich bin soweit dass ich Ihr sagen kann, dass ich in den Situationen Angst habe, was falsches zu tun, was Sie verletzen könnte. Ihre Antwort hierrauf ist aktuell, dass es einfach nur traurig sei, dass ich nicht fähig wäre mich in Sie hineinzuversetzen bzw. nach so vielen Jahren immer noch nicht weiß was sie verletzt. Und hier ist für mich ein ganz schwieriger Punkt, da Ihre Grenzen sehr eng gesetzt sind. Der Unterschied von Fall A zu Fall B kann marginal sein, aber trotzdem ist dies für Sie der entscheidende Unterschied, abzuschätzen was richtig wäre. So feinfühlig, so glaube ich, werde ich nie sein können.
Die Dauer einer Beziehung sagt nichts über deren Qualität aus. Viele lassen sich von der Welle der Verliebtheit treiben, ohne je zu lernen, offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren und müssen nachträglich erst mühsam lernen, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Deiner Frau könnte man zB entgegnen, dass es auch traurig ist, dass sie in all der Zeit es nicht geschafft hat, dir zu kommunizieren, was sie verletzt und wo ihre Grenzen sind. Kommunikation und Respekt sind keine Einbahnstraßen. Grenzen kennenlernen und zu respektieren funktioniert nicht à la Schiffe versenken - der Partner haut mal ein paar "Bomben" raus und schaut, welche davon trifft, um abzuchecken, wo die Schiffe bzw. Grenzen der anderen Person sind. Im Idealfall kennt jeder Mensch seine eigenen Grenzen und kann diese seinem Gegenüber klar kommunizieren. Gerade wenn sie so eng und von außen kaum unterscheidbar verlaufen, ist deine Partnerin in der Verantwortung sie für dich sichtbar zu machen. Dich einfach damit alleine zu lassen, selbst auszuloten, wo ihre Grenzen verlaufen, macht es ihr sehr einfach und ist dir gegenüber enorm unfair.
HamagoHope hat geschrieben: 28. Jul 2025, 21:39 Anders verhält es sich mit der Erschöpfung und Wertschätzung. Das habe ich nicht angesprochen, da ich hier die Antwort vermute, Ihr ginge es viel schlechter, ich solle mich nicht so anstellen.
Auch wenn du keine Depression hast, bist du noch immer ein Mensch, der verletzlich ist und Bedürfnisse hat. Ich würde dir wirklich raten, deine Bedürfnisse nicht kleinzureden und auch vor ihr anzusprechen. Es liegt auf der Hand, dass sie nicht genauso belastungsfähig ist wie vor der Depression, aber wenn sie noch deine Partnerin ist, finde ich, hat sie das Recht sowie die Verantwortung, zu wissen, was in dir vorgeht. Es ihr vorzuenthalten führt nur dazu, dass ihr euch immer mehr entfremdet und von der Beziehung nicht mehr viel übrig bleibt.

Meiner Meinung gibt es nichts Schadhafteres in einer Beziehung, als Dinge unausgesprochen zu lassen aufgrund der Angst vor der Reaktion der anderen Person. Du unterstellst deiner Frau eine gewisse Ansicht. Entweder du hast Recht, dann holst du dir die Bestätigung und ihr könnt gemeinsam versuchen, mit dem Status quo zu arbeiten bzw. du weißt, woran du bei ihr bist. Oder du hast Unrecht und du nimmst dir selbst die Chance, dich mit der Last der Erschöpfung und fehlender Wertschätzung auseinanderzusetzen. Nichts zu sagen erhärtet nur die vorhandenen Gräben.

Alles Liebe
Nachtschatten
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Hallo Nachtschatten,

wir hatten heute mal ein ruhiges 30 minütiges Gespräch das vom Inhalt her sehr gut war. Emotional vor allem für meine Frau sehr anstregend.
Ich habe Sie direkt auf ein zwei Punkte und auch die gestrige Epiphanie hier angesprochen. Sie hat bei allem zugestimmt und sich dadurch wohl auch gesehen gefühlt und von selbst weiter geredet. In diesem Gespräch hat Sie auch selbst das Wort "Rebellion" gegen besteheden bzw. getriggerte Verhaltensmuster in Ihrem Umfeld in den Mund genommen.

Die Frage der Schuld ist gerade ein sehr empfindliches Thema. Ist Sie im Rausch der Gefühle, sind eben die vier engsten Kontaktpersonen Schuld und diese verantwortlich dass es Ihr besser gehe. Ist sie emotional nicht so überfordert, weiß Sie auch, dass Sie daran arbeiten muss, dass es Ihr wieder besser geht. Ich würde gerne die Situation wie du auch meintest, stehen lassen wie Sie ist. Sie kann das aber nicht und verlangt annähernd täglich Entschuldigungen meinerseits für die Ihr entstandenen Verletzungen.

Deswegen habe Ich selbst mich Ihr nicht offenbart. Sie hat in dem oben beschrieben Gespräch schon bei den kleinsten Gefühlsäußerungen die auf mich bezogen waren abgewiegelt. Sie könne sich das im Moment nicht anhören. Es gehe für Sie gerade nur um Sie und dass es Ihr besser geht. Sie müsse sich hier durch Abwiegelung schützen.
Auch betonte Sie erneut den aktuellen Disconnect zwischen uns. Ich muss das aktuell wohl so stehen lassen und akzeptieren. Mal sehen was die unmittelbar bevorstehenden Therapiesitzungen bringen.



ABER: Ich habe mir vorgenommen "Getriggert" in den nächsten Wochen wieder in die Hand zu nehmen. :D

Liebe Grüße HHope
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Leute ich sage es euch, manchmal gibt es Momente da könnte ich aus der Haut fahren. Trotz dem Versuch immer und überall Verständnis zu haben!

Meine Frau wirft mir u.a. grds. vor, dass Sie in all den Jahren immer so viel auf mich warten müsse. Hautsächlich wenn wir einen privaten Termin haben, Sie schon fertig ist und ich kurz vor knapp unter die Dusche springe. Das entspricht auch der Wahrheit und das war in der Vergangenheit sehr ungut bzw. dämlich von mir. Ich versuche es besser zu machen.

Was allerdings nicht im Fokus ist: Ich warte seit Jahren vormittags immer wieder darauf dass Sie aufsteht und wir geplante Aktivitäten ausführen können. Heute wollte Sie meine Hilfe bei der Reinigung Ihres Aquariums und anschließend noch zum Fachhandel um neue Tiere zu holen.
Der Fachhandel schließt um 16 Uhr und ich hatte letzte Woche auch erwähnt dass ich dieses Wochenende auch noch arbeiten muss.
Sie wollte um 10:30 geweckt werden, was ich tat und trotzdem kam Sie erst kurz vor 12. Die Depression verhinderte ein früheres aufstehen. Ich weiß auch, dass dies vorkommt und bemühe mich sehr dies immer zu akzeptieren aber heute bekam ich Unmut, da ich zum einen nichts anfangen konnte da ich ja nicht wusste, wann Sie mit dem Aquarium beginnen wollte und zudem dass es hinten raus wieder stressig wird. Sie erkannte mein genervtes Gefühl und ich bestätigte dies dann wahrheitsgemäß. Sie fuhr daraufhin aus der Haut. ich versaue Ihr die Reinigung weil ich nur an mich denke und nicht wie es bei Ihr ankommt. Sie will nun meine Hilfe nicht mehr und ich solle Sie alleine lassen. Erklärungen ließ sie nicht zu. Ich verstehe dass dies ein tiefer Trigger ist, aber ich kann doch meine Gefühle auch nicht komplett wegschließen?

Beste Grüße und ein schönes Wochenende.
HHope
DieNeue
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von DieNeue »

Hallo HamagoHope,
HamagoHope hat geschrieben: 2. Aug 2025, 23:30 Ich warte seit Jahren vormittags immer wieder darauf dass Sie aufsteht und wir geplante Aktivitäten ausführen können.
Nur jetzt mal blöd gefragt:
Warum plant ihr denn vormittags Aktivitäten, wenn es von vornherein klar ist, dass sie so schwer aus dem Bett kommt?
Das ist doch dann schon zum Scheitern verurteilt und Stress und Genervtheit vorprogrammiert.
Sie könnte das Aquarium ja auch abends reinigen, dann hat sie vormittags keinen Stress und könnte dann nachmittag in Ruhe zum Fachhandel fahren. Ich versuche meine Termine und Aufgaben in Zeiten zulegen, wo ich weiß, ich habe die Energie dafür und in den Zeiten, wo ich in der Regel schlapp und antriebslos bin, mache ich dann weniger wichtige Dinge.
Vielleicht würde eine andere Planung euer Problem lösen?

Liebe Grüße,
DieNeue
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Hallo DieNeue,

Danke für deinen Beitrag. Das Offensichtliche liegt echt auf der Hand, auch wenn man es selbst bisweilen nicht sehen kann.
Daran erkenne ich selbst, wie vertrakt an einigen Stellen alles ist.

Da es Ihr im Moment sehr schlecht geht und Sie für so gut wie gar nichts außerhalb Ihres Jobs Kraft hat, ist eine Planung alles andere als einfach.
Aber Grundpfeiler wie von dir angesprochen werde ich künftig berücksichtigen.
Ich ja auch irgendwie sehen, dass ich für mich am Wochenende herunterfahren kann.




Liebe Grüße
HHope
DieNeue
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von DieNeue »

Hallo HamagoHope,

naja, manchmal ist man einfach zu nah dran, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Planen kann man bei Depressionen eigentlich meistens vergessen. Außer man ist jemand, dem es hilft alles durchzustrukturieren, aber selbst dann macht der Körper nicht immer das, was man will.
Das Morgentief ist jedoch typisch für Depressionen und gegen Nachmittag/Abend fällt es den meisten leichter in die Gänge zu kommen. Von daher macht es Sinn das zu berücksichtigen.
Was ich mittlerweile auch berücksichtige, ist das Ziel, das ich dabei habe. Also ist es z.B. mein Ziel zu lernen in der Früh pünktlich aufzustehen oder ist mein Ziel das Projekt XY möglichst gut hinzubekommen. Lernen pünktlich aus dem Bett zu kommen, kann ich auch ohne, dass ich ein wichtiges Projekt damit verbinde. Wenn ich also Projekt XY schaffen möchte, lege ich es so, dass ich mir möglichst wenig zusätzliche Hürden in den Weg lege. Also lege ich den Termin in eine Zeit, in der ich normalerweise fitter bin, wasche meine Haare schon am Vortag, bereite schon mal Dinge vor, die mich am Tag des Projekts nur zusätzlich stressen würden u.ä. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Projekt XY verwirklichen kann, am höchsten. Will ich üben pünktlicher aufzustehen, mache ich das, wenn ich nichts mega wichtiges vorhabe oder zumindest nichts, wo andere mitbetroffen sind, wenn es nicht klappt. Dann ist der Druck weniger, ich habe nicht so viel Stress und meine Mitmenschen sind nicht genervt, wenn es nicht klappt. (Gibt aber natürlich auch Leute, die den Zeitdruck brauchen, um aus dem Bett zu kommen.)
Ziel ist natürlich, irgendwann wieder normal aus dem Bett zu kommen und seine Projekte auch so wieder zu schaffen.
Aber es ist manchmal sinnvoll, sich das in einzelne Schritte aufzuteilen, damit man besser vorankommt. Sonst ist man ständig frustriert und denkt, man schafft gar nichts mehr. So hat man wenigstens Erfolgserlebnisse und weniger Stress.
Unplanbarkeit gehört zu Depressionen dazu. Um damit besser umgehen zu können, muss man diese Unplanbarkeit quasi miteinplanen.

Liebe Grüße,
DieNeue
Nachtschatten
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Nachtschatten »

Guten Morgen HHope :)
HamagoHope hat geschrieben: 29. Jul 2025, 23:08 wir hatten heute mal ein ruhiges 30 minütiges Gespräch das vom Inhalt her sehr gut war. Emotional vor allem für meine Frau sehr anstregend.
Ich habe Sie direkt auf ein zwei Punkte und auch die gestrige Epiphanie hier angesprochen. Sie hat bei allem zugestimmt und sich dadurch wohl auch gesehen gefühlt und von selbst weiter geredet. In diesem Gespräch hat Sie auch selbst das Wort "Rebellion" gegen besteheden bzw. getriggerte Verhaltensmuster in Ihrem Umfeld in den Mund genommen.
Das klingt doch gut, dass ihr so ein Gespräch hattet. :) Gab es danach mehr von dieser Art oder war das ein Ausreißer?

Ich kann ihr oben beschriebenes Verhalten durchaus als Rebellion sehen, nur wie gesagt mit dem Vergleich zwischen Teenager und Elternteil bin ich nicht ganz glücklich. Für mich wirkt es so, als würde sie viel aus ihrer Teenagerzeit nachholen, aber ihr (und dir) muss auch bewusst sein, dass du ihr Ehemann und Partner bist, der für die Verletzungen von damals nicht verantwortlich ist, und ihr auf Augenhöhe miteinander kommunizieren solltet. Tut ihr das nicht, kann ich mir vorstellen, dass eure Beziehung über kurz oder lang zum Kollateralschaden nicht verarbeiteter Kindheitstraumata wird.
HamagoHope hat geschrieben: 29. Jul 2025, 23:08 Die Frage der Schuld ist gerade ein sehr empfindliches Thema. Ist Sie im Rausch der Gefühle, sind eben die vier engsten Kontaktpersonen Schuld und diese verantwortlich dass es Ihr besser gehe. Ist sie emotional nicht so überfordert, weiß Sie auch, dass Sie daran arbeiten muss, dass es Ihr wieder besser geht. Ich würde gerne die Situation wie du auch meintest, stehen lassen wie Sie ist. Sie kann das aber nicht und verlangt annähernd täglich Entschuldigungen meinerseits für die Ihr entstandenen Verletzungen.
Wie oft ist sie denn im Rausch der Gefühle? Alle heiligen Zeiten oder regelmäßig, mehrmals die Woche, mehrmals am Tag?

Auf mich wirkst du wie jemand, der an seinen Fehlern arbeiten will und sich bessern will. Ob das immer so war, kann ich nicht sagen, aber meiner Meinung nach ist das Hier und Jetzt auch wichtiger als die Vergangenheit, weil die nicht mehr zu ändern ist. Verantwortung für vergangene Fehler zu übernehmen und sich dafür zu entschuldigen, ist das eine, aber daraus zu lernen und es besser machen zu wollen, ist das andere. Deine Frau scheint das aber nicht wahrhaben zu wollen und steckt in der Vergangenheit fest. Wie oft kannst du dich denn entschuldigen, ohne dass die Worte zu einer Phrase verkommen? Wie schaut es mit den Verletzungen auf deiner Seite aus, wenn deine Frau nicht anerkennen will, dass du akzeptierst, Fehler gemacht zu haben, und daran arbeitest, sie nicht mehr zu wiederholen, sondern dich immer wieder daran erinnert, was für eine Scheiße du gebaut hast?

Wenn sie jemanden haben will, der ihr gegenüber noch nie einen einzigen Fehler gemacht hat, muss sie sich einen neuen Menschen suchen, mit dem sie keine Vergangenheit hat.
HamagoHope hat geschrieben: 29. Jul 2025, 23:08 Sie hat in dem oben beschrieben Gespräch schon bei den kleinsten Gefühlsäußerungen die auf mich bezogen waren abgewiegelt. Sie könne sich das im Moment nicht anhören. Es gehe für Sie gerade nur um Sie und dass es Ihr besser geht. Sie müsse sich hier durch Abwiegelung schützen.
Auch betonte Sie erneut den aktuellen Disconnect zwischen uns.
Findet sie den Disconnect zwischen euch okay oder beschwert sie sich tatsächlich darüber, dass es ihn gibt? Weil sorry - man kann nicht alles haben. Sie kann dir nicht das Wort abschneiden, sobald du beginnst, dich ihr gegenüber zu öffnen, aber dir gleichzeitig vorhalten, dass ihr euch voneinander entfernt. Darum bin ich auch nicht überrascht, dass ich so eine Aussage von dir lese:
HamagoHope hat geschrieben: 2. Aug 2025, 23:30 Ich verstehe dass dies ein tiefer Trigger ist, aber ich kann doch meine Gefühle auch nicht komplett wegschließen?
Wie DieNeue bin ich der Meinung, dass der geschilderte Konflikt relativ unproblematisch aus der Welt zu schaffen ist, indem man einfach keine Termine in einer Zeit ansetzt, von der äußerst fraglich ist, ob deine Frau da überhaupt zur Verfügung steht, bzw. man halt entsprechend plant. Ich glaube, das siehst du ja auch so (auch wenn du darauf von außen hingewiesen werden musst; sehen wir manchmal nicht alle den Wald vor lauter Bäumen nicht? ;) ), aber mir kommt es vor, dass ein solcher Konflikt relativ leicht zum Stellvertreterkonflikt verkommt, weil du sonst wenige bis keine Möglichkeiten hast, um deiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen.

Ich würde dir dringend raten, dich deinen Gefühlen, Ängsten und Besorgnisse zu stellen, und sie nicht einfach wegzudrücken, nur weil deine Frau nicht damit klarkommt. Von meiner Warte aus wirkt es so, dass sie zuallererst mal eine eigene Therapie machen muss, bevor sie das Zeug für eine Paartherapie hat, um die nötigen Voraussetzungen zu haben, sich in eine andere Person hineinzuversetzen und deren Bedürfnissen gleich viel Raum zu geben wie ihren eigenen. Tausche dich mit Freund*innen und Familie aus, widme dich einem Hobby, aus dem du neue Kraft schöpfen kannst. Ich kann dir nur sagen, dass es kein gutes Ende nehmen wird, wenn du dich alleine auf einen einzigen Menschen fokussierst, der dir am laufenden Band sagt, dass deine Bedürfnisse nichts zählen und er sich jetzt ausschließlich auf sich konzentrieren muss.

Alles Liebe und viel Kraft
Nachtschatten
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Liebe DieNeue,

danke für das Teilen deiner Gefühle, Meinungen und Einschätzungen aus Sicht einer Betroffenen.
Das generiert für uns Angehörige eine unfassbaren Mehrwert um die Krankheit besser verstehen zu können.

Ich habe meiner Frau den Vorschlag unterbreitet, künftig gemeinsames Vorhaben auf die Nachmittagsstunden zu verlegen.
Sie fand diesen gut, meinte aber man könne es nicht so verallgemeinern und wir sollten wenn Sie aufgestanden ist, nochmals reden, ab wann wir dann das gemeinsame Vorhaben angehen. Sie meinte zudem, Sie verstehe wenn ich nicht direkt springen kann.

Ich bin noch vorsichtig, ob es dann wirklich klappt, wenn ich Sie um einen Zeitraum X vertröste, aber lasse mich gerne darauf ein.
Ich schätze Ihre Antwort u.a. als ein Gefühl von Verstanden werden und gleichzeitig als ein kleines Zugeständnis auf meine Bedürnisse ein.

LG
HHope
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Liebe Nachtschatten,

es gab zwischenzeitlich noch zwei solcher Gespräche, so dass ich vorsichtig von einer positiven Tendenz dafür sprechen möchte.
Die Beziehungsdynamik versuche ich für mich in eine andere Richtung zu lenken. Den Vergleich habe ich abgelegt und rede mir auch immer wieder bewusst zu, dass wir gleichwertig sind. Auch mit der Depression. Sie sieht es nach meiner Einschätzung im Grunde auch so, rebelliert aber auch noch gegen die Wahrheit.

Der Rausch der Gefühle kommt in etwa wöchentlich vor. Der Letzte war gestern Abend, indem Sie abschließend auch lange und ausführlich in Frage stellte, ob ich Sie wirklich liebe und nicht nur das was ich in Ihr sehe bzw. was ich an Ihr mag. Einige Aussagen haben mich tief getroffen, aber ich bin ruhig und im Gespräch geblieben, da m.E. hier die Depression die Überhand hatte, auch wenn einige Punkte die Sie Ansprach mit Sicherheit der Realität entsprachen.

Du hast mit deiner Einschätzung recht, dass Sie die Vergangenheit (hoffentlich, noch) nicht ruhen lassen kann. Ich sehe das auch als mit ein Hauptproblem, da all meine Verbesserungen ins Leere laufen. Weiße ich explizit darauf hin, möchte ich, Ihrer Meinung nach, nur ein "Goodie" und entschuldige damit vergangene Verletzungen. Für mich ist das sehr schwer, weil mich das in eine gewisse Machtlosigkeit und Schwebe treibt.

Sie empfindet den Disconnect als sehr schlimm, aber dieser ist in Ihren Augen, aus genannten Gründen, rein meine Schuld.

Aber es gibt auch positives zu vermelden:

Heute war ich das erste Mal bei Ihrer systemischen Thearapeutin dabei und konnte mich zwingen, auf Nachfrage, zwei, m.E. sehr wichtige Punkte als ursächlich bzw. mitverantwortlich für die Depression anzusprechen. Gleichzeitig erwähnte ich das sich damit mein Fehlverhalten nicht entschuldigen will. Für meine Frau waren die von mir angesprochenen Punkte sehr tiefe Treffer und dadurch sehr emotional.Sie konnte allerdings annehmen, dass ich nicht von mir ablenken wollte sondern Verantwortung für meinen Teil übernahm. Beides tat mir echt gut.

Wir sind mit der Therapeutin über eingekommen, dass wir in der systemischen Therapie auf meine Frau schauen und ich begleitend mit eingebunden werde, um Sie besser verstehen und unterstützen zu können. In der Paartherapie versuchen wir die Konflikte die zwischen uns stehen aufzuarbeiten, damit wir beiderseits gesehen und wertgeschätzt werden. Dass dies nicht trennscharf behandelt werden kann ist allen Beteiligten klar. Eine Richtung ist dadurch allerdings vorgegeben.

Zudem hatte meine Frau heute Abend nach längerer Zeit das Bedürfnis von mir in den Arm genommen zu werden. Ich versuche es nicht über zu bewerten, muss aber zugeben, dass es mir etwas Kraft und Motivation gab, weiter an diesem Weg mitzuarbeiten.

LG HHope
Nachtschatten
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von Nachtschatten »

Hey HHope,

in dem anderen Thread habe ich von einer nicht so tollen Entwicklung gelesen ... wie geht es dir damit? Wie ist der jetzige Stand der Dinge?

Alles Liebe
Nachtschatten
HamagoHope
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Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von HamagoHope »

Hallo Nachtschatten,

ja leider gab es die erwarteten Rückschläge, aber die Nachricht über die abgesendeten Negativstatusmeldungen traf mich wirklich mit Urgewalt.
Es war als würde ich meine Partnerin nicht kennen. Ja sicher, ich habe viele Fehler gemacht, aber mich so abzukanzeln finde ich mehr als ungerecht. Depressionen sind kein Rechtfertigungsgrund vom Opfer zum Täter zu werden.

Heute waren wir beim Paarchoaching und ich habe die Beleidigungen welche mir die letzten Tage um die Ohren geflogen sind auch benannt und nicht zurückgehalten. Zudem habe ich auch angesprochen dass es nicht gehe, dass ich hier keine Bedürfnisse mehr äußern dürfe. Ich bin schließlich auch ein Mensch und nicht nur ein Punchingball. Darauf hat Sie zu meiner Überraschung sogar reagiert, sich für das eine oder andere Wort entschuldigt und betont, sie wolle nicht dass ich meine Gefühle zurückhalten müsse, aber für Sie solle das selbe gelten.
Es war eine sehr intensive, aufreibende Stunde, aber letztendlich sind wir besser herausgegangen wie hinein.

Vorhin hatte Sie mir noch erörtert, dass Sie gestern die negativen Erlebnisse in unserer Beziehung so gekickt hatten, dass Sie schon nach Wohnungen gesucht hat. Ich antwortete dass ich das ernst nehme, mich das auch trifft. Sie nahm meine Reaktion direkt wohlwollend auf, fast als Bestätigung das ich mich nicht vor der Verantwortung drücken möchte.
Bei dem ganzen Trouble fällt es mir sehr schwer, zu filtern wann Sie und wann die Depression spricht.

Auch merke ich, dass ich gerade auch an Grenzen komme. Die Mehrbelastung aus meiner beruflichen Umorientierung einerseits und Schuldzuweisungen zu Hause andererseits belasten sehr. Aber ich finde noch Wege mich zu entspannen und Grenzen zu setzen.
Zudem habe ich tolle langjährigen Freunde und eine Familie die hinter mir steht.

Auch wenn die Zeiten schwer sind, so bin ich noch nicht bereit aufzugeben. Ich habe die Hoffnung dass die systemische Therapie fruchtet und wir auf Basis dieser Erkenntnisse uns neu aufstellen zu können. Die Therapeutin dort durfte ich kennen lernen. Ich finde die Frau klasse. Sie legt den Finger bei meiner Frau in die Wunde und ist aktuell dabei herauszufiltern was die tatsächliche Diagnose ist. PTBS ist auf jeden Fall aufgrund der Kindheit im Bereich des Möglichen. Leider sind aufgrund von Urlaubszeiten nun 4 Wochen Pause.



Liebe Grüße
HHope
DieNeue
Beiträge: 6672
Registriert: 16. Mai 2016, 22:12

Re: Umgang mit der Depression.

Beitrag von DieNeue »

Hsllo HamagoHope,
HamagoHope hat geschrieben: 22. Aug 2025, 21:34 Darauf hat Sie zu meiner Überraschung sogar reagiert, sich für das eine oder andere Wort entschuldigt und betont, sie wolle nicht dass ich meine Gefühle zurückhalten müsse, aber für Sie solle das selbe gelten.
Wenn sie Ihre Gefühle nicht zurückhalten möchte, dann sollte sie in der Therapie lernen, diese adäquat auszudrücken. Mittelfingeremojis zu Fotos von dir in ihren Status stellen ist total kindisch. Klar kann man so seine Wut rauslassen, aber es ist völlig destruktiv und macht die Situation noch schlimmer. Der Status ist abgeschickt, die "halbe Welt" weiß jetzt, was du für ein "Blödmann" bist, aber dass sie sich dafür entschuldigt hat, kriegt dann keiner mehr mit. Mit der Folge, dass du bei den anderen der "Blödmann" bleibst oder zumindest deine Freundin die, die sich unmöglich aufführt.
Ich finde es sehr krass, dass sie sowas in ihren Status stellt. Sowas hab ich in noch keinem Status meiner Kontakte erlebt. Man kann doch seine Wut auch anders rauslassen ohne dass man der halben Welt erzählt, wie blöd jemand ist.
Vielleicht wäre das ein Ziel in der Therapie: Lernen mit Wut und Frust umzugehen.

Liebe Grüße,
DieNeue
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