Pech mit Psychotherapeuten

AndreaMPET
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Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo ihr Lieben,
ich habe irgendwie immer Pech mit ambulanten Psychotherapeuten. Ich war mehrmals in der Tagesklinik und einmal stationär. Jedes mal empfahl man mit eine ambulante Psychotherapie. Leider waren meine Versuche nicht mit Erfolg gekrönt.

Der erste ambulante Psychotherapeut den ich hatte, hat die Termine nicht eingehalten, einmal hat er den Termin nicht mal abgesagt und ich stand vor verschlossener Tür. Bei ihm hatte ich aber nur 4 Sitzungen. Ich habe mir dann eine neue Therapeutin gesucht. Sie war ganz nett, aber auch sie sagte Termine kurzfristig ab oder hat Termine doppelt vergeben.Ich hatte bei ihr 11 Sitzungen in fast 2 Jahren. Dann ist sie mit der Praxis umgezogen ohne mir etwas davon zu sagen. Auch fehlte mir bei ihr die Konsistenz, da niemals auf die vorherige Sitzung eingegangen wurde.

Lange Zeit habe ich dann nicht mehr versucht einen ambulanten Therapeuten zu finden. Bis vor einigen Monaten, da hatte ich ein Erstgespräch mit einer Therapeutin. Es war ein seltsames Gespräch. Sie sagte nicht viel und sah mich immer ganz erwartungsvoll an. Ich erzählte ihr, dass ich Probleme hätte meine eigenen Gefühle wahrzunehmen und auch immer Schuldgefühle habe, wegen meiner Depression und mich für viele Dinge verantwortlich fühle, die ich nicht verursacht habe und auch nicht ändern kann. Ich hatte im Fragebogen einetragen, wann ich in der Klinik war und auch die ambulanten Therapien vermerkt. Plötzlich fragte sie mich, was ich eigentlich hier wolle. Ich hätte ja schon so viel Therapie gehabt und warum das nicht geholfen hätte und was sie da noch machen soll. Ich war total baff und wusste nicht, was ich sagen sollte. Nachdem Gespräch war ich zwischen Schuldgefühlen und Wut hin und her gerissen. "Warum funktionieren die Therapien nicht bei mir? Bin ich vielleicht gar nicht therapierbar?" Die Aufenthalte in der Tagesklinik waren 2 x 6 Wochen und einmal 8 Wochen. Sind andere in dieser Zeit komplett gesund? Ich bin jetzt wieder in der Situation, dass ich gar keinen Mut mehr habe, eine/n neue/n Therapeuten zu suchen. Mich würde in dem Zusammenhang mal eure Meinung / Erfahrungen interessieren.
Vielen Dank
Andrea
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Schlumpffine
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Schlumpffine »

Hallo AndreaMPET,
wieso Pech ?
Aus deinem recht kurzen Post ist aus meiner Sicht nicht ersichtlich, welche Art von Hilfe ( Ziel) du suchst. 11 Termine in 24 Momaten ist viel zu wenig,da eine normale Therapie mit wöchentlichen Sitzungen beginnt und dann 14-tägig bzw. am Ende ca. 1 Monat stattfindet. Bei akuten Beschwerden kann die wöchentliche Terminierung angepasst werden.
In den Kliniken hast du (hoffentlich) ausreichend Skills zur Bewältigung deiner Depression/ PS bekommen. [b]Nun musst du sie üben,reflektieren und bewerten[/b]. :D Dabei können die Therapeuten dich unterstützen aber nie" heilen" oder deine "Forrt-bzw. Rückschritte" rückgängig machen.
Die einzige Person, die an deiner Situation etwas ändern kann, bist du selber.
Ob die Therapeuten eine "mangelnde" Motivation bei dir wahrgenommen haben, bleibt Spekulation
freundliche Grüße
Schlu.
Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Konfuzius
Worte haben die Macht zu zerstören und zu heilen. Wenn Worte sowohl wahr als auch freundlich sind, können sie unsere Welt verändern. “~ Buddha
Suchende2
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Suchende2 »

Hallo Andrea,

den passenden Therapeuten zu finden ist nicht einfach.
Ich zum Beispiel hatte über 50 kontaktiert und bei 6 ein Erstgespräch bekommen.
Davon waren einige sehr merkwürdig.
Ich möchte Dich ermutigen, weiter nach dem passenden Therapeuten für Dich zu suchen.
Das ist nicht einfach, kostet viel Kraft und lohnt sich (bei mir zumindest).
Manche Therapeuten arbeiten mit Provokation. Das ist für manche Patienten genau richtig. Bei mir nicht. Zum Glück hat meine Therapeutin das sofort verstanden und so konnten wir sehr erfolgreich zusammenarbeiten.
Bei guten Therapeuten erhälst Du auch einen festen Termin.
Ich wurde in den ersten Wochen etwas geschoben und zum Ende der Therapie. Aber dazwischen hatte ich meinen regelmäßigen wöchentlichen (später 14-tägigen) Termin. Urlaub (der Therapeutin) wurde rechtzeitig mitgeteilt. Sehr seltene (ich glaube 2 x) Absagen kamen rechtzeitig und mit Terminangebot zu einem anderen Zeitpunkt.

Überlege Dir, was Du aus den vergangenen Therapien mitnehmen konntest und was noch offen ist.
Das kann auch hilfreich sein, bei der Suche nach dem passenden Therapeuten.

Alles Gute,
Suchende
DieNeue
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von DieNeue »

Hallo Andrea,

ich kann verstehen, dass dich die Frage aus der Bahn geworfen hat. Ist ja schon etwas komisch, wenn man lang und breit erzählt, was man für Probleme hat und dann wird man gefragt, was man eigentlich hier will.^^

Aber vielleicht kannst du versuchen, die Frage als Gedankenanregung zu sehen. Was denkst du selbst, warum die Therapien nicht geholfen haben? (Musst du nicht hier beantworten.) Das kann ja viele Gründe haben. Vielleicht war es nicht die richtige Therapieform, vielleicht wurden Dinge nicht gut erklärt, vielleicht hat die Chemie zwischen den Therapeuten nicht gestimmt, vielleicht wurden Patienten nur beschäftigt anstatt richtig Therapie gemacht, vielleicht warst du überfordert, vielleicht dachtest du, es wird von selber wieder besser, vielleicht hat auch ein Teil geholfen, ein Teil nicht etc.
Vielleicht wäre es auch ein Ziel für die ambulante Therapie rauszufinden, warum die Therapien nicht funktioniert haben und was dir stattdessen helfen kann.
Ich würde mir auf jeden Fall mal möglichst konkret aufschreiben, was du in den Kliniken gelernt hast, was du gemacht hast und was dir geholfen hat und was nicht. Und ich würde versuchen, das Ziel, das du erreichen willst, konkret zu benennen. Also nicht nur Probleme beschreiben, sondern was du genau lernen willst. Dann bist du besser gewappnet für das nächste Gespräch. Dann kann dir die Therapeutin auch besser sagen, wie sie dir helfen kann. Du kannst ihr natürlich nicht sagen, was sie machen soll, aber du kannst ihr konkret sagen, was du brauchst und dann ist es an ihr, dir zu sagen, ob und wie sie gedenkt dir dabei helfen zu können.
Ich finde die Frage von Therapeuten, was sie denn tun sollen, immer ein bisschen unglücklich. Als Laie hat man nicht das Fachwissen wie ein Therapeut und kann denen ja nicht genau vorschreiben, wie sie zu therapieren haben. Von daher ist man da schnell mal überfordert und vor den Kopf geschlagen. Aber ich denke, wichtig ist, klarzumachen, was man in der Therapie erreichen will.
Vielleicht kannst du auch mal Kriterien aufschreiben, was dir an einer Therapie wichtig wäre und was du gar nicht willst (z.B. verlässliche, regelmäßige Termine etc.).
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass manche Therapeuten sehr seltsam sind. Man muss quasi mit allem rechnen ;)

Gib auf jeden Fall nicht auf und lass dich nicht unterkriegen.

Liebe Grüße,
DieNeue
AndreaMPET
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Schlu, Suchende und DieNeue

vielen Dank für eure Antworten.

Natürlich habe ich aus den Klinikaufenthalten einige Skills mitgenommen und ich weiß sehr genau, dass der Mensch der mir helfen kann am Ende ich bin und Therapeuten nur unterstützen können, aber eben diese Unterstützung habe ich eben nie bekommen von den ambulanten Therapeuten. Ich therapiere mich momentan weitesgehend selbst, aber immer wieder stosse ich dabei an meine Grenzen. Ich habe durch meine Kindheit bedingt Depressionen, Panikattaken und leide unter Parentifiezierung. Ich fühle mich für alles verantwortlich. Wenn es zu Konflikten kommt fühle ich mich schuldig, auch wenn ich gar nichts dazu kann und auch wenn ich gar nichts ändern kann. Ich kann mich in andere gut hineinversetzen, nur zu meinen eigenen Gefühlen habe ich keinen Zugang.

Vom Kopf her verstehe ich das schon, aber meine Gefühle verstehen das nicht und dann verhalte ich mich wieder so wie immer.

Ich habe das der Therapeutin auch lang und breit erklärt und dass ich durch die Therapie einen besseren Zugang zu meinen Gefühlen haben möchte und die Schuldgefühle realistischer oder auch objektiver betrachten kann. Ich habe es ihr mündlich erklärt und auch im Fragebogen. Mir mit meinem Problem diese Frage zu stellen war nicht provokant, sondern eher empathielos. Ich glaube aber im Nachhinein, dass ihr einfach meine Nase nicht passte, ist ja manchmal so. Am Ende des Gespräches fiel ihr dann ein, dass sie ja noch zwei Kollegen (Verhaltenstherapeuten) hat und die für mich besser geeignet wären. Als ich ihr zustimmte, wurde sie auf einmal super freundlich, richtig nett. So nach dem Motto, der Kelch ist an mir vorüber gegangen.

Mangelnde Motivation kann man mir denke ich nicht vorwerfen, denn ich therapiere mich wirklich selbst, durch Schreiben. Ich brauche aber ab und an eine andere Sichtweise, weil ich manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe und ich kann das mittlerweile auch ziemlich klar und deutlich formulieren aber trotzdem habe ich dieses Pech mit ambulanten Therapeuten. Es sind wirklich nur die ambulanten Therapeuten, mit den Therapeuten in den Kliniken kam ich gut klar und sie haben mich auch immer etwas weitergebracht. Nur kann ich ja nicht dauernd in eine Klinik gehen.

Liebe Grüße
Andrea
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Schlumpffine
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Schlumpffine »

Hallo AndreaMPET ,
vielen Dank für Deine Antwort.
Statt nach einem Psychotherapeuten der allgemeine VT anbietet (Standard), würde ich nach einem Spezialisten suchen.
Anbieten würde sich aus meiner Sicht eine Schematherapeutische oder Tiefenspychologische Ausrichtung.
Dafür gibt es auch gute Kliniken.Bei Kassenpatienten besteht -leider-eine längere Wartezeit und es Bedarf einer Krankenhauseinweisung.

Vom Kopf her verstehe ich das schon, aber meine Gefühle verstehen das nicht und dann verhalte ich mich wieder so wie immer
Sich einen neuen Weg - also eine andere Art der Bewältigung-zu erarbeiten ist am Anfang immer schwer- funktioniert mit viel Übung aber.
Stichwort: ABC -Methode,neuer Weg (Achtsamkeit)
Die Schönkliniken in Bad Bramstedt, Chiemsee bieten entsprechende Konzepte. Wichtig zu beachten, es muss sich um eine Fachklinik nie aber um eine Rehaklinik handeln. Fachklinik und Rehakliniken haben unterschiedliche Funktionen. Nachtrag CBASP wäre auch eine Therapieform
Fachklinik-Behandlung der Erkrankung
Rehaklinik- WIEDERHERSTELLUNG der Arbeitsfähigkeit aber keine Heilung/ "Behandlung" der Erkrankung nur Vermittlung von Basiswissen.

Gruß
Schlu :hello:
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AndreaMPET
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Schlu,
danke für deine Tipps. Ich werde mich da mal einlesen und schauen ob das ein Weg für mich ist.
Ich weiß natürlich, dass das lange dauert, bis sich neue Denkmuster im Kopf festsetzen, ich vergleiche das für mich immer mit dem Abnehmen, was jahrelang auf den Rippen war wird man auf gesunde und vernünftige Art ja auch nicht in drei Wochen wieder weg.
Es ist halt nur oft frustrierend wenn es scheinbar nicht weitergeht oder Rückschritte macht.
Ich finde es schon toll hier im Forum Leute zu haben, die ähnliche oder auch andere Erfahrungen haben und einem Ratschläge geben können.
Das mit der normalen Verhaltenstherapie ist auch immer so eine Sache. Der eine Psychologe sagt dies, der nächste was ganz anderes.
Die Dame mit der ich sprach war ja Tiefenpsychologin und meinte Verhaltenstherapie sei das Beste. Aber wie gesagt ich hatte halt den Eindruck, dass es von ihrer Seite nicht gepasst hat. Wenn sie das einfach gesagt hätte wäre alles weniger frustierend für mich gewesen. Aber Therapeuten sind ja auch nur Menschen.
LIebe Grüße
Andrea
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Philosophin
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Philosophin »

Hallo Andrea,

ich kenne deine Lage nur zu gut... Wahrscheinlich gibt es nur wenige hier im Forum, die über die Jahre so viele Psychotherapeuten konsultiert haben wie ich. Ich habe bei ungefähr 30 Psychotherapeuten Probatorische Sitzungen wahrgenommen und mehrere Therapien in allen drei Verfahren durchgezogen. Ohne Erfolg.
Als ich nicht mehr weiter wusste und mir klar wurde, dass es nichts bringt, den nächsten Gesprächstherapeuten zu kontaktieren, habe ich den Mut gefasst, es mit einer Körperpsychotherapie zu versuchen. Das war ein voller Erfolg!

Ich kann dir sehr empfehlen, es mal mit anderen Therapien als den Gesprächstherapien zu versuchen, auch wenn du diese meistens privat finanzieren musst. Es gibt seelische Verletzungen und Probleme, die man eben nicht durch bloßes darüber reden heilen kann.

Liebe Grüße und alles Gute
Philosophin
AndreaMPET
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Philosophin,
danke für deine Tipps. Ich werde mal schauen, was für mich passt.
Ganz liebe Grüße
Andrea
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heimway
Beiträge: 41
Registriert: 10. Feb 2024, 19:37

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von heimway »

AndreaMPET hat geschrieben: 24. Nov 2024, 08:47 Ich bin jetzt wieder in der Situation, dass ich gar keinen Mut mehr habe, eine/n neue/n Therapeuten zu suchen. Mich würde in dem Zusammenhang mal eure Meinung / Erfahrungen interessieren.
Vielen Dank
Andrea
Hallo Andrea,
leider habe ich bisher auch keine guten Erfahrungen gemacht. Ich habe den Eindruck , viele Therapeuten bringen die ersten 5 Sitzungen hinter sich und versuchen dann, einen loszuwerden. Mal direkter, mal weniger direkt. So wenige Sitzungen in 2 Jahren klingt für mich danach, dass die dich am ausgestreckten Arm verhungern ließ. Auf jeden Fall ist es kein verantwortungsvoller Umgang, finde ich. Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass es in der ambulanten Psychotherapie keine Qualitätssicherung gibt. Jeder kann mit dir machen, was er will. Nicht mal einen schriftlichen Bericht über deinen Zustand gibt es. Es wird auch nicht kontrolliert, wie viele Sitzungen abgerechnet werden. Und warum man die Therapie bei jemandem abbricht, das interessiert auch niemanden. Man kann kein Feedback geben. Na usw. Also ich glaube, dass es sich ein Berufsstand recht einfach macht, sich die Patienten nach dem eigenen Geschmack auszusuchen und den Rest auflaufen zu lassen.

Ich bin zum Hausarzt gegangen und habe nach einem anderen Therapeuten gefragt. Zunächst wurde mir so ein halbgarer Psychologe vermittelt. Hab der Hausärztin gesagt, wie es sich mir gegenüber verhält, da hat sie mir eine Psychiaterin/Psychotherapeutin vermittelt (noch am gleichen Tag) und mit der komm ich jetzt gut klar. Die versteht, worum es geht. Vielleicht ist es eine Idee für dich, den Hausarzt vermitteln zu lassen. Das können die in Akutfällen tun (ich bin ein Akutfall... weiß nicht, wie es bei dir ist).

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der weiteren Suche!
Gruß, Heimway
AndreaMPET
Beiträge: 27
Registriert: 10. Apr 2024, 20:08

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Heimway,
ja, ich denke, es gibt überall schwarze Schafe. Ich will mich nicht beschweren, ich habe einen sehr guten Psychiater und vieles habe ich mir auch selbst schon erarbeiten können. Allerdings brauche ich manchmal einen Schubs in die richtige Richtung. Der Hauptgrund, warum ich mich um eine Psychotherapie bemühe ist eigentlich, dass mir ständig gesagt wurde in Klniniken, dass, das hilfreich für mich wäre, die Psychotherapie ambulant weiterzuführen.
Wenn ich dann aber solche Erlebnisse habe, auch dieses seltsame Erstgespräch, dann habe ich eigentlich schon überhaupt keine Lust mehr einen Therapeuten zu suchen, dann versuche ich halt mal wieder mir selbst zu helfen. Mein Problem ist dabei, dass immer neue Baustellen auftauchen und ich dann erst mal nicht weiß wie ich damit umgehen soll. Aber ich habe zum Glück ein paar wichtige Resourcen. Ich schreibe sehr viel und darüber kann ich vieles verarbeiten. Ausserdem gehe ich gern spazieren / wandern. Ich bin nicht sicher, welcher Austdruck der Richtige ist, meist gehe ich weite Strecken.
Eine Therapeutin meinte mal, das wäre Spazierwandern. :D
Ich freue mich, dass auch du dir Zeit genommen hast, mir zu antworten und freue mich, dass du für dich die richtige Therapeuting gefunden hast.
Ganz liebe Grüße
Andrea
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Senif
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Senif »

Hallo Andrea,

ich denke, nicht jeder kann mit jedem und das ist auch normal. Meist hat man ja in den Erstgesprächen schon ein Gefühl. (außer in einer schweren Episode). Ich war absolut Therapiemüde in meinen schweren Episoden und hatte überhaupt keinen Antrieb mehr, eine Psychotherapie zu machen.

dann habe ich eigentlich schon überhaupt keine Lust mehr einen Therapeuten zu suchen

Damit denke ich, schadest du dir nur selbst. Klar kann man sich auch vieles selbst aneignen, aber es ist ein Unterschied, ob man in der Theorie etwas begreift, oder ob man dazu noch die emotionale Erfahrung macht.

Ich denke, man braucht heutzutage viel Geduld, um den für sich richtigen Therapeuten zu finden. D.h. nicht, dass die anderen schlecht sind (kann, muss nicht), aber manchmal passt es einfach nicht. Du willst ja was erreichen - dafür lohnt sich die Suche.

LG Senif :hello:
AndreaMPET
Beiträge: 27
Registriert: 10. Apr 2024, 20:08

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Senif,
entschuldige bitte, aber ich habe deine Antwort erst jetzt gesehen.
Ich weiß, dass ich nicht aufgeben sollte bezüglich eines Therapeuten, aber für mich ist das eben sehr schwierig. Ich habe mich da auch etwas falsch ausgedrückt, wenn ich schrieb, ich hätte schon überhaupt keine Lust mehr einen Therapeuten zu suchen. Es hat weniger mit Lust zu tun, sondern eher mit Angst. Angst, dass das nächste Gespräch wieder so verläuft oder die nächste Therapie wieder durch verschobene oder nicht eingehaltene Termine gekennzeichnet ist.
Eines meiner Hauptprobleme ist das Schuldgefühl, in dem Moment wo man mich kritisiert, bin ich in einer Verteidigungshaltung, erst viel später kommt der Gedanke, dass es vielleicht auch andere Erklärungen gibt, wie zum Beispiel, dass es einfach nicht passte. Ich brauche dann erst mal wieder eine gewisse Zeit um die Kraft für einen neuen Start zu sammeln.
Diese Therapeutin war nicht schlecht, aber ihre Reaktion auf mich war es. Sie hätte ja einfach sagen können, dass es nicht passt, stattdessen unterstellt sie mir ich wäre nicht therapiefähig.
Ich werde in der nächsten Zeit wieder einen neuen Versuch starten, schließlich wird die Chance dass es funktioniert (lt. Garp und wie der die Welt sah) mit jedem Fehlversuch größer :D
Liebe Grüße
Andrea
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747er
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von 747er »

So ein bisschen kenne ich das auch. War mal bei einem Therapeuten, mit dem ich echt gut zurecht kam, leider konnte er mir maximal einmal im Monat einen Termin geben. Da bin ich dann jedesmal frustriert raus, weil ich noch Redebedarf ohne Ende gehabt hätte, er aber leider nicht mehr Zeit hatte.
Da mir das bei ihm leider nichts brachte, bin ich dann in die Institutionsambulanz der Uniklinik. Vorgespräch hatte ich auch mit einer echt netten Therapeutin, bei der hätte ich gern auch die Therapie gemacht. Leider kommt man auf die Warteliste und hat keinen Einfluss drauf, bei wem man schlussendlich landet. Die Therapeutin, die mir dann zugelost wurde, fand ich total daneben und auch übergriffig. Sie pickte sich eins meiner Probleme raus und behauptete dann, wenn dieses Problem weg ist, sind es alle anderen auch. Auch wenn das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hatte. Desweiteren war sie der Meinung, sie hat aber Recht, weil sie die Therapeutin ist, und ich nur der Patient.
Jahre später bin ich dann über Dringlichkeitscode nochmal bei so jemandem gelandet. Der sollte mir lediglich eine Einweisung nach Bad Bramstedt geben. Liess mich 3 mal antanzen, trotz Termin jedesmal ne Stunde warten, erzählte mir dann 10 Minuten lang irgendwas vom Pferd und vertröstete mich aufs nächste Mal, zwecks der Einweisung. Ob ich die von ihm je bekommen hätte, weiss ich nicht, ich bin dann nicht mehr hin. Er war total überheblich und ich finde, er hat in so einem Job nichts verloren.
AndreaMPET
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo 747er,
danke für deine Worte. Schwarze Schafe gibt es überall, aber manchmal passt es auch einfach nicht. Ich meine das mit dem dreimal antanzen lassen und dann doch nichts zu tun hat nichts mit persönlichen Befindlichkeiten zu tun und geht gar nicht.
Ich denke auch immer, jemand der Psychologie studiert hat sollte zumindest in der Lage sein, es offen zu kommunizieren, dass es von seiner Seite nicht passt, aber das ist nur meine Meinung, vielleicht bin ich da einfach zu naiv.
Ich bin auch der Meinung, dass die Kommunikatin zwischen Therapeut/Arzt und Patient auf Augenhöhe stattfinden sollte. Natürlich hat der Arzt /Therapeut studiert und das Fachwissen, aber der Patient ist doch derjenige, der am besten weiß, was er fühlt, denkt und wie es ihm geht.
Liebe Grüße
Andrea
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Senif
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Senif »

Hallo Andrea,

es gibt auch Therapeuten, die mit Provokationen arbeiten. Im Grunde bietet das auch die Chance, bei sich zu schauen: was löst das aus ? Warum wird das ausgelöst ? Wie reagiere ich jetzt darauf ? usw. Allerdings sollte sowas nicht am Anfang der Therapie stattfinden.

Ich hab nach dem Modell dann auch später Gruppentherapie für mich nutzen können, in dem ich mich sehr ausprobierte und am Ende auch authentischer wurde. Ich habe dort meine emotionalen Reaktionen erforscht und auch verändert. Ich denke auch nicht mehr, dass eine Gruppe nur dazu da ist, die Sorgen loszuwerden und dann nach Hause zu gehen. (nicht nur Gruppe, Therapie allgemein).

LG Senif :hello:
Philomena
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Philomena »

Hallo Andrea,
du "sprichst mir aus der Seele!" Gerade wollte ich auch ein ähnliches Thema in das Forum stellen. Auch ich habe Psychologen erlebt, die mich einfach nicht verstanden und sich auch nicht bemühten, mich näher kennenzulernen. Ich weiß, so war es wenigstens bei mir, dass man sich mit der Zeit so richtig schlecht fühlt und sich auch nicht verstanden fühlt. Das Interessante daran ist, dass zum selben Thema nicht jeder Psychologe die gleiche Meinung hat. Fast habe ich den Eindruck, dass so mancher es sich einfach "leicht" machen will und für sich den bequemen Weg sucht. Es ist nämlich mit sehr viel Arbeit verbunden - auch und gerade für den Therapeuten - die richtige Vorgehensweise zu finden. Bitte nicht falsch verstehen. Ich weiß, dass viele Psychologen sich wirklich sehr viel Mühe geben, aber es gibt auch das Gegenteil.
Aber für Menschen, die dringend psychologische Hilfe brauchen, ist ein Fehlverhalten des Therapeuten oft fatal. Natürlich ist mir bewusst, dass es auch das Gegenteil gibt, d.h. der Klient lehnt jegliche Mitarbeit ab usw. Manchmal passt es auch nicht.
So wie du Andrea berichtest, hattest du wohl nur Pech bei Auswahl des richtigen Therapeuten (in). Also glaube nicht, dass es an deiner Person liegt.
Leider gibt es viel zu wenig Psychologen und die Leidtragenden sind wir.

Liebe Grüsse
Philomena
AndreaMPET
Beiträge: 27
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Senif,
Ich glaube nicht, dass Provokation ein Grund war, es entstand bei mir eher der Eindruck, sie wollte mich loswerden, hatte aber nicht den Mut das einfach so auszusprechen. Sie meinte dann hinterher, als ihr einfiel, dass sie noch zwei Kollegen hätte, die VT machen, die könnten mir viel besser helfen, denn bei dem was ich erlebt habe, bräuchte ich jemanden, der "so lieb" wäre wie die beiden.
Ich denke nicht, dass ich einen Therapeuten brauche, der lieb ist, ich brauche einen Therapeuten, der ehrlich ist und mir auch mal widerspricht, wenn ich in die falsche Richtung denke oder mich irre. Wichtig ist dabei für mich, warum er das denkt.
Ich weiß nicht, ob es einen solchen Threrapeuten gibt für mich, aber ich suche weiter.
Liebe Grüße
Andrea :hello:
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Senif
Beiträge: 3066
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Senif »

Hallo Andrea,

ich denke schon, dass es solche Therapeuten gibt. Meine Therapeutin hatte da ein unglaubliches Gespür. Sie war ehrlich, trotzdem wohlwollend. Das ist also nicht so selten. Ich hatte auch mal einen ganz "bösen" - erst viele Jahre später hat das mir noch einen Aha-Effekt beschert.
Am meisten vorwärts gebracht hat mich auch, dort hinzuschauen, wo es weh tut. Das erfordert aber auch eine gute Kommunikation mit der Therapeutin und den Mut, die eigenen Gedanken zu äußern und sich damit auseinanderzusetzen. Und Selbstkritik und das Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze. Aber deine Wünsche hinsichtlich Therapie klingen gut und für mich stimmig. Und ja, es gibt diese Therapeuten :)

LG Senif :hello:
AndreaMPET
Beiträge: 27
Registriert: 10. Apr 2024, 20:08

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von AndreaMPET »

Hallo Philomena,

ich kenne das mit dem sich schlecht fühlen natürlich auch. Die Gedanken sind dann meisten so:
Ich bin nicht therapiefähig.
Keiner mag mich.
Vielleicht bin ich gar nicht so krank und muss mich nur mal zusammenreißen.
Ich denke aber, dass da nicht unbedingt die Therapeuten daran schuld sind, denn das ist die Depression und die Depression lügt.
Ich versuche dann meistens zu verstehen, welche Gründe es von seiten des Therapeuten geben könnte, die vielleicht gar nichts mit mir zu tun haben.
Vielleicht hat er einen schlechten Tag. Vielleicht hat er andere Probleme, die gerade an diesem Tag an ihm nagen und er kann gerade nicht mitfühlen.
Er mag mich einfach nicht weil irgendetwas an mir ihn an eine Person erinnert, die er nicht leiden kann. Vielleicht ist der Therapeut auch nur ein Idiot. Therapeuten sind ja auch nur Menschen.
Diese Gründe habe ich nicht zu verantworten und somit muss ich mich nicht schlecht fühlen. Ich darf dann wütend sein und darf auch äußern dass mir das jetzt nicht gefällt, aber ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben.
Klar, das ist alles in der Theorie schön, praktisch umzusetzen ist für mich aber schwierig. Diese anderen Perspektiven kann ich erst im Nachhinein überhaupt sehen, in dem Moment wo es passiert bin ich erst mal im Schuldmodus und es dauert einige Tage bis ich die Dinge anders sehen kann. :) :)
Ja, es gibt zu wenig Therapeuten, aber ob wir immer die Leidtragenden sind, weiß ich nicht. Mich persönlich haben auch diese negativen Erfahrungen zumindest auf lange Sicht weiter gebracht. Da die ambulanten Therapeuten mir nicht helfen konnten, habe ich versucht mir einige Dinge selbst zu erarbeiten und da ich gerne schreibe war es mir auf diese Art möglich die Dinge auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Alles Liebe
Andrea
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Michel68
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Registriert: 14. Jan 2025, 12:59

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Michel68 »

Hallo zusammen.

ich schließe mich hier einmal an. Denn ich hatte heute auch ein seltsames Gespräch.
Ich fühlte mich als würde mich bei DSDS vorstellen und hab einmal schief geguckt uns schon war mir der Kontakt verwehrt.
Ich wünsche mir und komme auch damit klar wenn mir jemand sagt "Hey das passt nicht, ich fühl's nicht" Das tut weh, keine Frage, aber ich weiß woran ich bin. Ich erwarte auch einen einfühlsamen Umgang in der Gesprächsführung und erwarte damit wirklich zu viel.

Ich bin so ähnlich gestrickt wie Andrea. Ich schreibe auch. Überlege ob mir ein anonymer Block helfen könnte. Einfach um diese Gedanken loswerden zu können.
Ich hab schon einen guten Zugang zu meinen Problemen. Ich habe auch Therapieerfahrung. In jede Richtung von "WTF ist das denn?" zu richtig gut und bemüht. Ich war bereits zwei mal in Stationären/ Tagesklinischen Aufenthalten. Einer war grottig schlecht, ich bin von Pflegeren und Therapeuten erpresst worden und der letzte war wirklich sehr gut. Auch habe ich Berufsbedingt mit solchen Einrichtungen zu tuen und kenne die andere Seite. Das was hinter verschlossener Tür passiert. Auch wie die wie die eigenen Urteilsfähigkeit abgesprochen wird. keine Geduld herrscht etc. Das hilft nicht zu vertrauen.

Nach 10 Jahren ging es mir wieder, nach Corona, Flutkatastrophe (Meine Familie war schwer betroffen) und reichlich anderen Hiobsbotschaften (Vater Krebs, Schwiegervater Schlaganfall, Bruder in der Flut obdach-/ mittellos geworden, Weiterbildung zur Fachpflege Intensiv abbrechen müssen und viele andere Vorfälle.) einfach nur noch dreckig. Ich hab mich völlig verausgabt. Alte Traumata sind wieder aktiviert worden etc. Ich habs so bis zum äußersten kommen lassen das ich iwann nicht mehr zur Arbeit gehen konnte. Nun bin ich schon 6 Monate Krankgeschrieben und warte auf die Reha in 4 Monaten. Und ich konnte mich so lange hinter "wer arbeitet hat sein Leben im griff und kann nicht krank sein" verstecken können. Völlige Abgrenzung/ Verdrängen vom Problem. Ich mußte auch 1,5 Jahre hinweg für die Familie funktionieren. Ich war nur noch Krankenschwester und keine Ehefrau, Tochter, Schwester... Ich bin schon seit 3 Jahren auf der Suche nach Hilfe. Zu der Zeit wo ich funktionieren musste eher garnicht. Da musste ich mich wirklich für mich oder die anderen Endscheiden. Der Ausgang ist klar ;).

Was mir meine Erfahrung zeigt:
- Therapeuten wie sonstiges Personal (Pfleger, Ärzte etc.) sind auch nur Menschen. Mit jeglichen Schwächen wie eigene Schuldgefühle, mangelnder Zugang zu sich selbst und niederträchtigen Motivationen und Neigung zum Machtmissbrauch. Was hier sachlich steht. Es sind auch nur Menschen. Jeder Mensch hat irgendeiner Niedertracht. Und diese Branche zieht durchaus auch eigenartige Charaktere an.
- Der Job ist extrem Hard und auch Therapeuten leiden unter dem hiesigen Gesundheitssystem. Wie soll man bitte das ganze Leid der Patienten verpacken ohne Supervision etc. ?
- Es ist nur Effizient leichte Patienten zu nehmen und sein Geld mit denen zu verdienen, als die fordernden Patienten. Ich empfinde mich nicht als schwierigen Fall, aber dennoch als anstrengend, da ich viel hinterfrage, ich profitiere sehr vom Verstehen... Werde von meinen letzten Therapeuten als sehr compliant eingeschätzt, bloß auf die Verstädnisfragen muß man sich einlassen. Dann komme ich auch sehr schnell vorwärts.
- Es gibt Therapeuten die zu dir passen. Aber sie die sind eben nicht an jeder Ecke. :|

Im Moment bin ich niedergeschlagen. Ich merke das ich eine Therapie brauche. Ich habe das Gefühl ohne professionelle Hilfe geht es mir von Tag zu Tag ein Micro Stückchen schlechter. Ich bekomme mich nicht nachhaltig beschäftigt. Ich mache viel, das lenkt mich ab. Reiten, Schwimmen, Yoga, Freundin treffen, Hütte ausmisten etc. Aber sobald die Aktivität vorüber ist kommt diese leere, iwie verbessert sich mein Stimmung nicht. Sie wird eher schlechter.
Ich denke ich werde den Psychiater um weiter Pharmazeutische Hilfe bitten. Was ich versuchte zu vermeiden. Ich habe gerade erst einen Citalopramentzug hinter mir und war großer Hoffnung. Wieder etwas von dem ich mich verabschieden muß.

Nun taumle ich zwischen Selbstmitleid und Zusammenreißen, weiter machen. Ein Fuß vor den anderen. Ich überlege ob es mir nicht besser bekommt etwas zu arbeiten, das ich Abend etwas erschöpft bin. Wenigstens schlafen zu können. Seichte Arbeit würde ich schnell bei meinem AG bekommen. Und wenn es nur Medikamente für meine Kollegen aufziehen ist. Soziale Kontakte haben mit den Kollegen die ich durchaus sehr mag. Aber auch auf der Station sind Trigger... Ich würde mich so gerne mit wem darüber beraten.

Morgen werde ich meine Liste weiter abtelefonieren. Weiter machen, einen Fuß vor den anderen.

meine Ressourcen:
- ich hab bereits 3 kennenlernen Termine vereinbaren können
- mein Verstand und Bildung. Ich weiß was da abgeht
- ein wirklich großes Glück. Ich habe gut vorgesorgt. Ich muß mich nicht mit finanziellen Problemen rumschlagen und habe genug Geld mich zu unterhalten.
- einen zwar sehr erschöpften, aber sehr verständnisvollen Ehemann
- wenige aber sehr gute Freunde
- meine Tiere. Ich muß jeden Tag vor die Tür
- ich lebe in einer sehr schönen, ländlichen Umgebung voller Natur
- ich kann mich treten auch wenn ich absolut keine Lust habe
- und bestimmt noch anderes was mit gerade nicht einfällt

Liebe Grüße Ich.
Haltet durch, wir sind nicht allein uns widerfährt das allen und es ist OK.
Waldliebe
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Registriert: 3. Feb 2025, 12:09

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Waldliebe »

@ Michel68

Dein Beitrag spricht mich an, Deine reelle Sichtweise zu den Therapeuten. In den Beiträgen hier lese ich viel "es kann mal nicht passen" - das ist richtig. Aber dann frage ich mich, wie ich damit umgehen würde an deren Stelle. Ja genau, sagen, dass es nicht passt oder ich überfordert bin und nicht die entsprechende Fachkompetenz besitze.

Und nun kommt das "Menschsein" ins Spiel. Ich schaue mich um ("fühle mich um") und erkenne viel Inkompetenz bis hin zu absolut desaströsen Verhalten und Handeln. Fängt bei Regaleinräumen im Supermarkt an und hört beim "Regieren" von 340 Millionen Menschen auf....

Und wenn hilfesuchende, kranke Menschen zu "diesen Menschen" kommen, die Macht missbrauchen, die selbst massive psychische Probleme und Persönlichkeitsstörungen haben, dann wird es für uns richtig schlimm.

Ich habe es lange nicht erkannt, dass die erste Therapeutin sehr schadhaft für mich war, das klärte sich erst in einer Rehaklinik in Gesprächen mit den dortigen Therapeuten und Mitrehabilitanten. Wobei die Therapeuten sich schon auch bedeckt hielten und es auch im Rehabericht sehr zurückhaltend formuliert wurde. Las sich wie: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Fazit war für mich, dass ich danach bei der nächsten Therapie ziemlich schnell ausgestiegen bin, als es in eine andere Richtung "komisch" wurde.

Fakt ist, dass dieser Beruf mehrheitlich von Menschen ausgeübt wird, die selbst psychische Probleme mitbringen - wer kommt als junger Mensch sonst auf diese Fachrichtung ohne Berührung damit zu haben?
Es gibt dazu übrigens eine vom Ärzteblatt veröffentlichte Studie. Falls ich das nochmal finde, kann ich das hier verlinken.

Zuerst ist diese Tatsache der Eigenproblematik ja nicht tragisch. Denkt man. Viele sind auch bestimmt reflektiert genug, ihre Erkrankung zu trennen und Dynamiken zu erkennen. Aber wir selbst wissen zu gut, dass Erkennen und adäquates Empfinden und Handeln nicht immer (bis selten) erreichbar sind. Und dann gibt es darunter noch die mit einer starken Persönlichkeitsstörung. Da ist es dann richtig schädlich für die Patienten.

Tatsachen, die wir nicht ändern können. Wir können nur so wachsam sein, wie es unsere Erkrankung zulässt. Menschen um uns haben, mit denen wir über eigenartige Therapiebeziehungen reden können und die in der Lage sind zu erkennen, wenn da etwas nicht gut läuft.

Und wir können weiter suchen, bis die / der "richtige" Therapeut/in gefunden ist. Die gibt es.

Michel68, es würde mich sehr interessieren, wie es bei Dir weiter gegangen ist, wie es Dir geht.

Alles Liebe
Waldliebe
Bauchtänzer
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Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Bauchtänzer »

Das Verlinken scheint hier nicht zu funktionieren.
Den Artikel, den du, waldliebe, vermutlich meinst, habe ich gefunden, als ich nach "stigmatisierung Psychologen ärzteblatt " googelte.

Hm, ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Artikel halten soll. Eine der offenen Fragen ist ja, wie man eine psychische Erkrankung definiert. Psychologen sind natürlich geschult darin, Diagnosen zu stellen.

63 % haben mindestens einmal in ihrem Leben unter psychischen Problemen gelitten, heisst es dort. 70 % hatten mal moderate Depressionen. Moderate Depressionen hatte vielleicht jeder Erwachsene schon einmal, nur würde die der Normalmensch wohl nicht als Depression bezeichnen.
Waldliebe
Beiträge: 344
Registriert: 3. Feb 2025, 12:09

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Waldliebe »

@Bauchtänzer

Bist Du vielleicht vom Fach? Ich habe geschrieben, dass es "die richtigen" Therapeuten gibt, hast Du gelesen?

Bei meinen Erfahrungen darf und werde ich weiterhin zur Vorsicht raten. Einfach weil der Schaden wesentlich größer ist, als wenn ich an den "falschen" Schuhverkäufer komme.

Auch bei den HP's für Psychotherapie natürlich, da hat sich Einer auch einen Klops geleistet, der bei anderen Opfern sehr getriggert hätte.

Die Studie ist auch nicht maßgeblich. Meine Frage, wer sich in dieses Fachgebiet begibt hat schon seine Berechtigung. Eine gewisse Persönlichkeitstendenz liegt fast jeder Berufsgruppe zugrunde.

Und nun bin ich bei einer guten, kompetenten HP, die sehr effektiv Somatic Expierencing anbietet.

Therapeut/in Nr. 6 ist nun endlich fähig. Alle 3 Kassentherapeutinnen waren mehr oder weniger ungeeignet, ein HP daneben und eine HP nett, aber eher "Lifestyle - Therapeutin" bei kleinen Problemen.

Ich kann nur raten, wachsam zu sein!

Nachtrag: Nein, was Du gelesen hast war es nicht. Ich sprach von einer Studie, nicht von einer Umfrage. Soweit ich mich erinnern kann, waren sogar mehre Studien zusammengefasst. Da war auch eine aus den USA dabei.

Ich rate weiterhin, wenn sich in der Therapie irgendetwas seltsam anfühlt : dringend mit anderen Menschen sprechen oder mal zu einer Beratung von diversen Trägern gehen! Für die ganz derben Fälle gibt es übrigens auch eine Meldestelle 😉
Senif
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Registriert: 23. Jul 2023, 21:42

Re: Pech mit Psychotherapeuten

Beitrag von Senif »

Fakt ist ....

Ist bei subjektiven Bewertungen immer schwierig. Was heutzutage alles als Fakt verkauft wird. Damit negiere ich nicht, dass es Therapeuten gibt, die ihre Macht missbrauchen und worüber man auch wütend sein kann. Aber die Aussage, dass die Mehrheit .... usw. - zumindest das mag ich bezweifeln. Und nicht jeder ist gleich inkompetent - auch das ist "nur" eine persönliche Einschätzung bzw. Abwertung.
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