Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Antworten
Pimpinelle
Beiträge: 49
Registriert: 28. Mär 2024, 08:31

Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Pimpinelle »

Guten Morgen,

einmal eine Frage - wie schon im Titel formuliert. Wo habt Ihr Beratung zur jobtechnischen Zukunft gefunden?
Ich arbeite, komme aber aufgrund bestimmter Arbeitsbedingungen, letztlich aber auch aufgrund des hohen Anspruchs der Stelle an die eigene Handlungsfähigkeit, immer wieder stark an meine Grenzen und versuche immer nur, trotzdem weiter zu funktionieren. Inhaltlich ist das schon ein interessantes Arbeitsfeld, ich war aber psychisch schon ziemlich ausgebrannt, als ich dort angefangen habe, und mir fehlt ganz viel Kraft und Selbstvertrauen. Ich frustriere mich selbst, das Umfeld ist nicht hilfreich. Eigene Fehler oder Unsicherheiten ziehen mich sehr runter, die Depression und gesamte psychische Lage macht mich da natürlich empfänglich. Ich glaube nicht, dass ich das lange stemmen kann so.
Ich habe schon nach einem neuen Job geschaut und mich beworben, das läuft seit längerem aber auch nur erfolglos und auch das verbraucht viel Kraft und ich weiß auch gar nicht mehr, wohin das denn gehen könnte.

Bei der Berufsberatung im Erwerbsleben war ich schon. Das hat mir nicht geholfen und ich wurde aus der Beratung auch gar nicht in die Vermittlung verwiesen. Einfach kündigen ohne Job ist alterstechnisch (50) schwierig und natürlich wurde mir in der Beratung gesagt, bloß nicht.
Oft denke ich, ich hätte gern erstmal einen, sagen wir, fachfremden Job, der anspruchslos ist. Aber auch das hätte natürlich Konsequenzen, finanzielle, für die Zukunft, auch altersbedingt - und ich wage nicht, es einfach zu probieren. Es fällt mir auch sehr schwer, so große Entscheidungen zu treffen, das Thema mit den Entscheidungen hatte ich ja in einem anderen Thread schon angesprochen. Ich frage mich immer, wie weit es eigentlich dann runtergehen könnte, obwohl das wahrscheinlich relativ ist, Gesundheit sollte ja vorgehen, ich weiß es nicht.

Einen Therapieplatz habe ich aktuell nicht, ich hatte es schon versucht. Ich schaffe es irgendwie aber auch nicht, mir selbst zu helfen mit dieser Situation, sondern würde mir Unterstützung wünschen, um da irgendwie herauszukommen. Hat vielleicht jemand einen Tipp, an welche weiteren Türen man klopfen könnte, speziell auch bezüglich der Jobfrage?

Viele Grüße,
P.
Christopher
Beiträge: 49
Registriert: 17. Feb 2024, 20:13

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Christopher »

Hallo,

ich möchte von mir schreiben und sagen: mehr Möglichkeiten führen nicht zu mehr oder besseren Entschuldigung.

Das mit dem Job habe ich in 40 Jahren immer einfach gemacht.

Was weiß ich schon ?

Ich habe als Selbstständiger 10 Jahre immer wieder für eine Firma bestens und hoch angenehm gearbeitet. Dann habe ich Dösbaddel ein Angebot als Angestellter angenommen. Wir waren alle hoch euphorisch, super und Klasse alles……nach 4 Wochen hat mich der Vorgesetzte ( der auch 2 Straßen weiter als Nachbar wohnt!) rausgeschmissen, weil er mich als Konkurrent gesehen hat.(was in der Tat auch stimmte!)
Also: machen oder lassen. Das ewige „hätte wäre könnte“ Lied und natürlich auch das damit verbundene Leid ist tatsächlich schwer zu durchbrechen.

Auf der anderen Seite sind Depressive mit mehr Ehrgeiz und Willen ausgestattet als viele andere Menschen und haben natürlich ein bewegendes Leben. Doch das muss nicht als Nachteil gelten. Auch wenn die tollen Eigenschaften manchmal etwas verschüttet sind.

Ich habe 2 Episoden durchlebt, die jeweils 9-12 Monate als Major Depression, mit Nachwirkungen bis heute dauern, wahrscheinlich mein restliches Leben lang. Diese Erfahrungen vergisst man nicht.

Was habe ich heute?

Ich entscheide einfach, ohne wenn und aber. Das geht wunderbar.

Ob ich mir Kaffe koche oder nicht?

Wer weiß was in 3 Stunden ist? Natürlich sitze ich hier in der Sonne und trinke Kaffee, mit der Konsequenz, dad mein Chronisches Magengrummeln kommt.

Ich bin 57. Wenn ich mir einen neuen Job suche, dann halbtags.

Heute bin ich krank geschrieben. Seit 4 Monaten.

Und als chronische Depressiver mit stiller Borderline im Schlepptau kann ich in Ruhe Zuhause für ein ausgeräumtes Haus sorgen, essen kochen und meine Frau freut es ungemein, da sie 40 Stunden arbeitet, was mit guten 50 Jahren auch nicht leichter wird.

Will sagen: Schockstarre und nicht entscheiden bringt keine neuen Wege.

Gut, jeder tickt anders, und die Situation war vor 6 Monaten auch eine andere und ich hatte Angst mich länger krankgeschreiben zu lassen. Heute ist es die beste Entscheidung für den Moment. Ich kann sogar hier im Forum lesen und schreiben, meinem Gedanken folgen.

Ich wünsche Dir den Mut, die Veränderungen die Du bewirken kannst anzugehen!

Selbst wenn es mal ruckkelt, in der Situation unzufrieden zu verharren ist auch nicht schön auf Dauer. Und aus dem Job heraus nach etwas Neuem zu gucken ist doch ein Plan!

Liebe Grüße
Christopher
Christopher
Schlosser.
Andere sagen ich sei krank.
Ich sage: Ich bin genau richtig wie ich bin.
Und:
Ich mache das es geht.
Warum?
Weil ich es kann.
GuntherBandel
Beiträge: 65
Registriert: 29. Dez 2020, 13:07

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von GuntherBandel »

Hallo Pimpinelle,

evtl. mal beim sozialpsychiatrischen Dienst in deiner Region einen Termin machen.

VG
G.
Suchende2
Beiträge: 1268
Registriert: 29. Sep 2020, 08:05

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Suchende2 »

Hallo Pimpinelle,

die Eingliederungshilfe bietet Beratung an für Menschen mit einer Behinderung oder von einer Behinderung bedrohte.
Da hatte ich in meinem Bundesland eine sehr gute Beratung.
Frage doch mal im Freundes- und Bekanntenkreis. Das war erstaunlich, wo die mich beruflich sehen. :-)

Alles Gute,
Suchende
Pimpinelle
Beiträge: 49
Registriert: 28. Mär 2024, 08:31

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Pimpinelle »

Hallo an alle,

@Christopher, danke, dass du deine Geschichte teilst - und ja, heute sagt irgendwie alles in mir, einfach tun, man weiß sowieso nicht, was kommt, und das ist ja kein Zustand so. Du hast Borderline im Hintergrund, ich habe neben der reziv. Depression eine andere lebensbegleitende Diagnose bei mir. Es wird mit den Jahren und mit jeder Krise wirklich nicht besser, ganz im Gegenteil. Dabei konnte ich trotz Erkrankung früher jahrelang viel viel leisten... vielleicht ist Akzeptanz mal fällig. Ich bin mir noch unsicher, inwiefern gerechtfertigt ist zu sagen, ich kann nicht mehr. Und ich finde es toll, wie du ganz einfach feststellen kannst, dass tolle Eigenschaften eben auch verschüttet sein können. Mein lädiertes Selbstwertgefühl macht es mir schwer, damit für mich so entspannt umgehen zu können. Vielleicht ist auch da Akzeptanz das Stichwort, die Dinge so annehmen zu können, es gut sein zu lassen?

@Gunther und Suchende, ja ich hatte heute morgen tatsächlich schon zur sozialpsychiatrischen Beratung und zur Eingliederungshilfe gelesen und mir die Angebote hier angeschaut, sind vom gleichen Träger. Nicht zum ersten Mal gelesen. Ich habe da noch eine Hemmschwelle, weil das ein kleiner Ort und man sich entfernt bekannt ist. - Aber ich weiß, es gibt Schweigepflicht und sollte sowieso nicht wichtig sein. Ist man da eigentlich lokal gebunden? Wahrscheinlich ja?

Aber, etwas Positives, ich habe heute morgen, motiviert von meinem Eintrag hier, im erneuten Anlauf nochmal versucht, an ein therapeutisches Erstgespräch zu kommen und das hat überraschend für diese Woche direkt geklappt. Wie das und was daraus dann wird, weiß ich natürlich nicht, aber ich erlaube mir mal, einfach ein wenig froh zu sein!

Lieben Gruß,
Pimpinelle
Pimpinelle
Beiträge: 49
Registriert: 28. Mär 2024, 08:31

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Pimpinelle »

Ich muss hier für mich selbst nochmal anschließen, um mir die Gedanken von der Seele zu schreiben. Genau der Satz, den ich schon formuliert hatte:
"Ich bin mir noch unsicher, inwiefern gerechtfertigt ist zu sagen, ich kann nicht mehr", den werde ich nicht los. Wann ist es überhaupt zulässig, erlaubt, gerechtfertigt, tragbar zu sagen, ich kann arbeitsmäßig und lebensorganisatorisch nicht mehr, ich bin noch nicht mal mehr ganz bei mir, um überhaupt etwas Sinnvolles leisten zu können und ich komme da nicht raus aus dem Zustand (und eher immer weiter hinein?)

Ich hab die Threads zur "Wertlosigkeit" hier im Bereich Arbeit/Ämter und oben im Bereich Umgang gelesen, rauf und runter, das sagt mir auch so viel. Ich möchte so gern etwas richtig und gut machen und ich kann es nicht. Ich müsste ja können, ich sollte ja können, denn ich habe dies und jenes in meinem Lebenslauf stehen. Aber ich kann es nicht, und irgendwie denke ich ständig nur halb und nur unklar und bin alles andere als professionell unterwegs. Und fühle mich schlecht deswegen.

Ist das jetzt Selbstmitleid? Ich weiß immer noch nicht, wo ich hingehen kann, damit mir jemand hilft, das einmal in einen händelbaren Rahmen zu setzen. Der Erstgesprächstermin hat zwar stattgefunden, aber irgendwie hat es nicht gepasst.
Ich weiß es auch nicht. Weitersuchen, weiterdenken. Irgendwann wird sich die Situation schon auflösen und ich den Faden finden, wo ich das aufwickeln kann.

Müde,
Pimpinelle
Nachtmensch
Beiträge: 620
Registriert: 30. Dez 2020, 06:39

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Nachtmensch »

Hallo Pimpinelle,

die Hilfen, die jemand bekommen kann um mit 50 und einer psychischen Erkrankung einer Erwerbsarbeit nachgehen zu können sind vielfältig aber ebenso begrenzt. Da ist viel Bürokratisches zu überwinden und letztlich auch eine gewisse Kompetenz beim Gegenüber nötig, weil eben Einzelfälle nicht so recht ins Raster passen. Alleine letzteres lässt Beratende oft an Ihre Grenzen stoßen.

Das wichtigste für mich ist, klar zu kommunizieren was ich kann und nicht was ich können sollte oder müsste. Defizite in meinem können, ließen sich durch eigenes lernen aber auch der Bereitschaft Anderer mir etwas zu lehren, ja eventuell beheben und wurde mir etwas beigebracht, kann ich es ja dann auch. Allerdings kann ich nicht allzu hohe Erwartungen an Andere haben, das deren Bereitschaft vorhanden ist, denn ein Arbeitgeber will in erster Linie ja produktive Mitarbeiter.

Es bleibt meines Erachtens also nur, mir Jobs zu suchen wo ich mir absolut sicher bin, dass ich sie leisten kann um überhaupt erstmal Fuß zu fassen. Ob ich mich dann steigern kann, würde sich zeigen und hängt ja sicher auch davon ab wie wohl ich mich fühle, bei dem was ich leiste. Eine totale Überforderung würde sicher kein wohlbefinden generieren und von daher muss das was ich leisten muss, sich tatsächlich mit dem decken, was ich auch real leisten kann.

Dazu muss ich wirklich wissen wie es um mich steht und nicht dem, aus welchem Grund auch immer, zustimmen was mir jemand in einer Beratung vorschlägt und was durchaus ja auch plausibel sein kann. Es bedarf also einer Selbstsicherheit und ist die nicht gegeben, muss ich erstmal sehen, dass ich sie generiere. Die kann aber keine Beratungsstelle geben, sondern die kann ich mir, wenn nötig mit therapeutischer Hilfe, nur selbst erarbeiten.

Wenn ich heute beispielsweise bei der AfA sitze und gefregt werde, was ich mir an Jobs so vorstellen kann, die ich leisten könnte, sage ich klip und klar was ich kann und nicht was ich können müsste. Findet die AfA was passendes, bewerbe ich mich gerne darauf. Ansonsten schreibe ich Bewerbungen auf eben diese Stellenausschreibungen, wo ich weiß, dass ich das kann, weil ich mir dessen sicher bin, dass ich es kann.

Alles weitere zeigt die Zukunft, die ich ja nicht kenne.
Pimpinelle
Beiträge: 49
Registriert: 28. Mär 2024, 08:31

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Pimpinelle »

Hallo Nachtmensch,

ja, da stimme ich dir zu, ich glaube auch, dass Beratende sich da keiner leichten Aufgabe gegenüber sehen. Und ja, bei der AfA wurde ich gefragt, was möchten Sie denn, wo sehen Sie sich denn. Ist ja eine logische Frage. In dem Moment war mir das auch nicht klar - zumal da ja die Leistungsfähigkeit einerseits und der Arbeitsmarkt andererseits Grenzen setzen.
"Dazu muss ich wirklich wissen wie es um mich steht", schreibst du. An diesem Punkt, also was die Einschätzung angeht, vertraue ich mir selbst nicht ganz. Ich arbeite gerade an einem realistischeren Blick darauf, bei dem ich mich einerseits nicht selber fertig mache, und andererseits zu meinem Nicht-Können auch stehen kann, es annehmen kann. Das ist eine große Aufgabe für mich, fühlt sich aber gerade wie ein gesunder Weg an. Der mich noch eine gute Zeit beschäftigen wird.
Aber wann ist's schon einfach und wann ist's mal nicht ein Prozess und Arbeit.
Momentan möchte ich darauf vertrauen, dass das Leben auch mal gute Dinge "gratis" mitbringen kann. Wenn man das Durchhaltevermögen hat, auch Durststrecken durchzustehen und immer weiter an den "Basics" zu arbeiten. Wie zum Beispiel an der Selbstsicherheit, die du nennst. Auch so eine Aufgabe.

Danke für deine Gedanken!

Pimpinelle
urmselchen
Beiträge: 15
Registriert: 15. Mai 2024, 08:16

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von urmselchen »

Berufsförderungswerk: darüber hatte ich mich bemüht , wieder in den Arbeitsmarkt (für mich furchtbares Wort, wie Viehmarkt..) einzusteigen.Bis auf dolle Probleme im Fach Mathematik, was da auch unterrichtet wurde: kaum Probleme, leider spielten private Sachen eine zu dolle Rolle: allein mit etwas aggressivem Kind, um das ich mich gekümmert habe, Depressionen, zu viel Streß so dass ich leider die Ausbildung abbrechen musste, mit 60 brauch ich da nicht mehr neu anfragen..Aber dieses BfW war damals für mich eine tolle Sache..Kann das empfehlen! Und wo es heute Internet gibt: da ist es leichter geworden, an "Türen" zu klopfen..Vom Alter her ja auch abhängig, und von den Finanzen: Schulabschlüsse nachholen? Studium?
Pimpinelle
Beiträge: 49
Registriert: 28. Mär 2024, 08:31

Re: Joblage und Psyche - wo habt Ihr Beratung gefunden?

Beitrag von Pimpinelle »

Hallo Urmselchen,

danke für die Idee, habe ich kurz gegooglet und werde das auf alle Fälle nochmal in Ruhe machen, das ist interessant.
Ich finde Weiterbildung immer klasse. Studiert habe ich schon, auch recht ausführlich - würde ich liebend gern weiter tun, macht aber keinen Sinn, da bin ich zu alt. Und was ich studiert habe, ist unpraktisch. Wenn ich jünger wäre, würde ich nochmal ganz andere Sachen machen.

Aber es geht immer weiter und es gibt immer neue Türen, da hast du recht!

LG
Pimpinelle
Antworten