Gesundheits System braucht eine Revolution

Iwnm
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Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

Meine Erfahrungen mit Hausärzten, psychiatrischen Ambulanzen, einer Tagesklinik und der ambulanten Therapie Platz Suche machen mich fassungslos. Ich bin der Meinung, das ganze System muss von Grund auf revolutioniert werden. Muss man in Deutschland ein Promi sein, der sich in eine Privatklinik einchecken kann um dann Kohle mit einem Buch, einem Podcast oder einem Comedy Programm über Depressionen zu scheffeln, um adequate Hilfe zu bekommen?
Ich habe einen Hausarzt der monatelang digital krank schreibt ohne Patienten Gespräche zu führen. Auf der einen Seite ist das bequem, weil ich auf diese Weise sozialen Kontakt vermeiden kann und nie das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen, andererseits hätte ich gerne wieder einen Hausarzt, von dem ich mich ernst genommen fühle und der mir wirklich zuhört. In meiner Hausarztpraxis wechseln die Ärzte sehr oft. Alles ist effizient aber auch anonym. Die Menschlichkeit geht da komplett flöten. Selbst wenn Gespräche statt finden, sind die knapp und ich fühle mich abgewimmelt. Für psychische Probleme ist der Hausarzt halt auch nicht wirklich qualifiziert. Aber er ist eben die erste Anlaufstelle und da psychiatrische Ambulanzen, Therapeuten und Kliniken überlaufen sind und man überall mit langen Wartezeiten rechnen muss, ist eben die Hausarztpraxis gefragt. Ich kenne das von früher auch anders. Bin mir sicher, dass meine Erfahrungen kein Einzelfall sind.
Abgesehen von meinen Erfahrungen mit der Hausarztpraxis, die man damit entschuldigen kann, dass sie für psychische Probleme einfach nicht der richtige Ansprechpartner ist, machen mich meine aktuellen Erfahrungen mit einer PIA und einer Tagesklinik richtig wütend. Ich habe Vergleichsmöglichkeiten, da ich vor zehn Jahren schon mal Patientin in einer anderen Tagesklinik war. Ganz kurz, die Tagesklinik die ich kritisiere ist im Prinzip eine reine Aufbewahrungsstätte. Personalmangel, kaum Therapeuten vor Ort, vorwiegend überfordertes Pflegepersonal, Woche für Woche fehlerhafte Therapiepläne, kursfristige Ausfälle eines eh schon dünnen Therapieangebots, keine Verlässlichkeit auf Aussagen des Personals, gar keine Einzeltherapiegespräche, Gruppentherapien in denen theoretische Probleme fiktiver Personen auf Arbeitsblättern besprochen werden und man als Patient öfter mal zu hören bekommt, dass man nicht zu tief gehen soll. "Kunsttherapie" in der unkommentiert gehandwerkt wird. Im Prinzip baut alles darauf auf, dass die Patienten miteinander abhängen und sich so irgendwie selbst therapieren. Unterstützend mag das ja auch sehr hilfreich sein, aber das kann doch nicht der einzige Baustein einer Therapie sein. Und ich kenne das auch ganz anders aus der Tagesklinik in der ich vor zehn Jahren war.
Mir fehlen Anlaufstellen, wo man seinem Unmut Luft machen kann und seine Anregungen für Verbesserung anbringen kann. Keiner fühlt sich verantwortlich.
Ich höre gern den Podcast der Deutschen Depressionshilfe mit Harald Schmidt und diversen prominenten Gästen. Es freut mich, wenn psychische Erkrankungen in der Öffentlichkeit entabuisiert werden. Nur leider zeichnen diese Geschichten selten die Erfahrungen des Otto Normalverbrauchers ab und ich finde die negativen Erfahrungen die man als psychisch erkrankter Mensch im deutschen Gesundheitswesen erfahren muss, gehören genau so in den Fokus der Öffentlichkeit wie die heiteren Heil- und Erfolgsgeschichten der Prominenten.
Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

Hallo IWNM,

ich gebe dir Recht - ich habe auch den Eindruck, dass unser Gesundheitssystem von Jahr zu Jahr schlechter wird. In vielen Bereichen bekommt man überhaupt keine Termine mehr. Und gerade bei einigen psychischen Krankheiten, ist ja die Lebensbedrohung durchaus gegeben, weil oft damit argumentiert wird. Eigentlich ein Armutszeugnis.
Leider können wir es nicht ändern und müssen zusehen, wo und wie wir unter kommen. Bist du denn an die Tagesklinik gebunden oder könntest du dich auch woanders auf die Warteliste setzen lassen ? Ich war auch mal eine Zeitlang zur Überbrückung bei einer psychosozialen Beratungsstelle der Diakonie. Manche haben gute Erfahrungen mit dem SPDi gemacht (ich weniger).

Wenn mein Leben anders verlaufen wäre, hätte ich damals im Ausland Fuß fassen können. Leider ging es krankheitstechnisch nicht. Mich hält im Grunde hier, dass ich noch nicht soweit bin mit Auswandern. Dafür muss ich erstmal stabil arbeitsfähig sein.
Ich habe keine Chance mehr auf irgendeine Rente die über dem Bürgergeld liegen könnte, für eine Grundrente komme ich auch nie wieder auf 35 Arbeitsjahre. Bedeutet für mich so oder so Altersarmut - dennoch durfte ich aufgrund einer sehr guten Therapeutin, lernen, zufrieden zu sein in meinem Leben - persönlich Freude wieder zu spüren. Was zugegeben mit Depressionen schwierig ist.

Meine Erfahrung ist, dass mir zwar stationäre Therapien Schutz geboten haben, bzw. intensivere Therapie (akut war eher Schutz ohne Therapie) - aber wirklich vorwärts gekommen bin ich ambulant (oder sagen wir mal beides war sicher wichtig).

Aber ich bin ehrlich, mich erschreckt die Entwicklung von D auch zunehmend.

LG Senif
Iwnm
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

Damit, dass wir als Patienten nix tun und nur zusehen können, mag ich mich nicht zufrieden geben. Ich hab mich bei einigen Stellen über die Klinik beschwert. Im Endeffekt befürchte ich, dass es nicht viel bringt, aber wenn sich mehr Menschen wehren und engagieren würden, wäre die Chance auf Veränderung größer. In besagter Tagesklinik war ich nicht die einzige Patientin, der das Konzept negativ auffiel. Aber laut gesagt hat es halt niemand. Unter Mitpatienten wurde geschimpft, geweint und sich beschwert. Vor dem Personal waren alle still oder ließen sich nach vorsichtiger Kritik zurechtweisen und einschüchtern. Wenn Patienten sagen, dass sie vor dem Personal nie ehrlich zeigen, was in ihnen vorgeht, dann läuft wohl einiges schief. Da ich meinen Mund nicht gehalten habe, sollte mein Therapieplatz am Freitag für jmd frei gemacht werden, der das Angebot besser zu schätzen weiß. Letztendlich habe ich mich heute selbst entlassen. Nicht weil es mir gut geht. Im Gegenteil. Mir geht's jetzt schlechter als zu Beginn des Aufenthalts und daran sind nicht nur, aber auch meine Erfahrungen dort schuld. Und der erste ambulante Therapieplatz ist voraussichtlich erst im Oktober in Aussicht. Wartelisten für andere Kliniken im Umkreis belaufen sich um die 6 Monate. Und von denen haben die Hälfte einen ähnlichen oder gar schlechteren Ruf. Wenn Herr Hegerl mit Harald Schmidt spricht, klingt es oft so als wäre Hilfe für Depressive überall unproblematisch zu bekommen. Meine Erfahrungen sehen anders aus.
Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

Hallo Iwnm,

ich habe auch Kliniken kennengelernt, die eine gutes Konzept hatten. Die oben beschriebene klingt nicht danach. Es gibt überall schwarze Schafe. Ich würde mich da Stand heute auch eher selbst entlassen und notfalls auch weiter weg fahren. Es sind nicht alle Kliniken so.

Was aber allgemein das Gesundheitswesen angeht, wüsste ich nicht, was ich dazu beitragen könnte. Ein Brief an Herrn Lauterbach kommt sowieso nicht an. Außerdem ist die Cannabislegalisierung wichtiger.

Heute sind neue Wirtschaftsprognosen gekommen - ohne gute Wirtschaft, keine Investitionen in die Sozialsysteme. Um es mal grob in einem Satz zu sagen. Also ich würde sagen, es wird die nächsten Jahre noch schlimmer werden.

:hello: Senif
Iwnm
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

Befürchte ich auch, aber umso wichtiger ist es, dass wir Patienten schwarze Schafe aufzeigen und laut sagen, wo es nicht rund läuft. Ich weiß, dass das besonders für psychisch Kranke eine große Hürde ist. Wenn man sich ohnehin kraft- und wertlos fühlt, hält man halt den Mund. Dafür habe ich Verständnis. Aber es gibt die Deutsche Depressionshilfe, die Depressionsliga. Das Thema muss eben mehr in die Öffentlichkeit. Ich war vor zehn Jahren in einer damals sehr guten Klinik und bezweifele nicht, dass es auch heute noch gute Kliniken, Therapeuten etc. gibt. Es ist nur schwer sie zu finden. Ich frage mich, weshalb es keine zentrale Meldepflicht freier Therapieplätze gibt. Warum verfügen z. B. Gesundheitskassen nicht über Listen freier und demnächst freier Therapieplätze? Ich habe über 170 Praxen angerufen. Da bekommt man zum Teil gar keinen ans Telefon, oder es gibt keinen Rückruf, oder man wird abgewiesen oder landet auf einer Warteliste. Ein Erstgespräch hatte ich, und die Dame meinte meine Therapieziele machen keinen Sinn, ich soll mich wieder melden, wenn ich andere Ziele habe. Wer nicht schon gaga ist, wird es auf der Suche nach Hilfe. Das darf nicht die Norm sein.
SonneundDunkenheit
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von SonneundDunkenheit »

In welchem Land gibt es Psychotherapie als Kassenleistung? Schaut euch um....so viele werdet ihr nicht finden.
Ich kann den Frust aller Suchenden verstehen ABER vieles ist auch hausgemacht. Patienten "testen" eine Therapeutin nach der anderen bis sie denken diese könnte passen. Ich möchte nicht wissen wie viele Stunden dadurch bei niedergelassen Therapeuten gebunden sind. Kliniken haben Fachkräftemangel.... wie überall... ohne Personal kein Angebot.
Gesundheit kostet und muss bezahlt werden....

Ich glaube nicht dass unser Gesundheitssystem wirklich schlechter wird. Die Bedarfe und unsere Ansprüche/ Erwartungen steigen und damit auch die Unzufriedenheit. Wir können mittlerweile so viel heilen, so viel erforschen, wir werden älter und damit gebrechlicher und anfälliger.... gleichzeitig haben wir aber weniger Menschen, die arbeiten, die mit ihren Steuern und ihrer Arbeitskraft das System am Laufen halten.

Es gibt sie die schwarzen Schafe, aber die Mehrzahl der Ärzte und Pflegekräfte will helfen.

@iwmn: Wenn die Therapeutin deine Ziele nicht für "therapiewürdig" erachtet, dann ist das für dich ärgerlich, aber aus ihrer Sicht wird sie Gründe für ihre Entscheidung genannt haben.

170 Praxen.... bedeutet ja auch, dass es zumindest auf dem Papier jede Menge Therapeuten inklusive Therapieplätze vorhanden sind.



Eine zentrale Stelle für offene Therapieplätze... darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber wer bestimmt dann was dringend ist, wer prüft die Passfähigkeit?
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Hi Senif,
Senif hat geschrieben: 15. Mai 2024, 22:13 Was aber allgemein das Gesundheitswesen angeht, wüsste ich nicht, was ich dazu beitragen könnte. Ein Brief an Herrn Lauterbach kommt sowieso nicht an. Außerdem ist die Cannabislegalisierung wichtiger.
Die Cannabis-Teillegalisierung ist aber nicht mit irgendwelchen staatlichen Investitionen verbunden, deswegen konnte die Cannabis-Teillegalisierung relativ einfach und schnell umgesetzt werden.

Was aber wirklich wichtig ist für unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sind schuldenfinanzierte Investitionen in die Zukunft, also in die Transformation der Wirtschaft, den Bau von vor allem öffentlich geförderten Wohnungen, den Ausbau des ÖPNVs und andere Dinge.

Hier kommt die Ampel aber keinen Schritt weiter, weil die Ampel-interne Oppositionspartei FDP und die Oppositionsparteien außerhalb der Ampel (CDU/CSU) sich weigern, die Schuldenbremse auszusetzen, noch nicht einmal für dieses Kalenderjahr.

Auch nicht für die Verteidigung der Ukraine gegen Putins Russland. Und die Schuldenbremsenregeln per 2/3tel-Mehrheit im Bundestag so ändern, dass schuldenfinanzierte Investitionen in die Zukunft möglich sind, das wollen FDP + CDU/SCU auch nicht.

Und wem haben wir das in erster Linie zu verdanken? Der CDU(CSU auf Bundesebene, weil diese beiden Parteien so "schlau" waren, gegen den Bundeshaushalt 2024 der Ampelregierung zu klagen, weswegen das Bundesverfassungsgericht die Schuldenbremse nachgeschärft hat - und jetzt muss im Bund und auch in den Bundesländern gespart werden. Das wirkt sich z. B. auch auf die sozialarbeiterische und psychosziale Versorgung in einzelnen Bundesländern aus, so weit ich informiert bin. Jedenfalls scheint das zumindest für Berlin der Fall zu sein.

In den Parteien CDU/CSU gibt es wirklich sehr intelligente Politiker:innen - das Einzige, was sie wollen, ist die Ampel zu blockieren, zu behindern und letztendlich zum Sturz zu bringen, damit sie (CDU/CSU) selber wieder an die Macht auf Bundesebene kommen.

Und deswegen war die Cannabis-Teillegalisierung eine vergleichsweise schnell und einfach umzusetzende Aufgabe der Ampelregierung. Weil es dort nicht um irgendwelche staatlichen Investitionen in die Zukunft ging.
Heute sind neue Wirtschaftsprognosen gekommen - ohne gute Wirtschaft, keine Investitionen in die Sozialsysteme. Um es mal grob in einem Satz zu sagen. Also ich würde sagen, es wird die nächsten Jahre noch schlimmer werden.
Das hattest Du schon mal geschrieben. Ich finde ein prognostiziertes Wachstum von 0,1% für 2024 nun nicht wirklich schlimm. In den Medien wird da bisweilen extrem übertrieben mit dem diesbezüglichen Schüren von Ängsten.

Stell Dir mal ein Wirtschaftswachstum von -8% vor, das wäre eine Katastrophe, aber doch nicht +0,1%.

Ich möchte Dich im Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum aber auch noch auf die so genannten Planetaren Grenzen (auch in Hinblick auf das Wachstumsprinzip in unserem aktuellen globalen Wirtschaftssystem) hinweisen, eine grafische Darstellung findest Du auf den Seiten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung:

https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/ ... re-grenzen

Dort steht in den FAQ:
Sechs der neun Planetaren Grenzen sind derzeit überschritten ... Drei der Planetaren Grenzen sind so weit überschritten, dass der Hochrisikobereich erreicht wurde ... In drei Fällen befinden wir uns im sicheren Bereich ...
Ich will Dir ja nicht die Laune vermiesen, aber wenn wir so weiter machen mit dem ewigen Wirtschaftswachstum, werden wir in einigen (wenigen?) Jahrzehnten nix mehr zu essen und zu trinken (Süßwasser) haben auf diesem Planeten, ganz unabhängig davon, dass es immer heißer werden wird auf diesem Planeten, was zum Massensterben bzw. zu massiven globalen Migrationsströmen führen wird.

Sorry, das musste ich endlich mal loswerden.

LG

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Zuletzt geändert von Reziprok am 16. Mai 2024, 13:31, insgesamt 1-mal geändert.
Reziprok
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Hi SonneundDunkenheit,
SonneundDunkenheit hat geschrieben: 16. Mai 2024, 10:18 Ich glaube nicht dass unser Gesundheitssystem wirklich schlechter wird.
In Großbritannien soll das Nationale Gesundheitssystem NHS in einem katastrophalen Zustand sein. Es wird durch Steuern finanziert. Zum Beispiel sollen die Leute auf Operationen wohl bis zu 1 Jahr oder länger warten müssen, so weit ich es in ARD/ZDF/Deutschlandradio mehrmals mitbekommen habe.

Das NHS wurde kaputt gespart. Ich finde, in Deutschland ist das mit unseren Gesundheitssystem (noch) nicht der Fall.

Es gibt aber wahrscheinlich auch regionale Unterschiede, was die schnelle Verfügbarkeit medizinischer Leistungen in Deutschland betrifft. Wenn ich hier z. B. zu meinem Hausarzt ohne Termin gehe, setze ich mich ins Wartezimmer und komme nach maximal 20 Minuten dran.

Auch die anderen Fachärzte hier an meinem Wohnort sind relativ schnell verfügbar.

LG

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Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

Du verdirbst mir nicht die Laune. Ich habe in gewissen Dingen eine andere Meinung, was ja auch legitim ist.

Im Grunde müsste die Menschheit schrumpfen, wir sind viel zu viele.
Auf dieser Grundlage könnte trotzdem ein Wirtschaftswachstum erzeugt werden, mittels Innovationen und Fortschritt (das ist meine Vorstellung)

ich denke auch, dass es regionale Unterschiede gibt, was die Gesundheitsversorgung angeht. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich früher bei einer regulären Überweisung keine Termine bekommen habe. Ich bekomme ja nicht mal einen Termin bei einem Hautarzt in einem Jahr. Es wird gesagt, wir nehmen keine Patienten mehr, und das war es dann. Da gibt es auch keine Wartelisten. Ich hatte als Kind/Jugendliche schon Neurodermitis, und es war nie ein Problem gewesen damals. jetzt schon. Ergo entwickeln wir uns aus meiner Sicht in eine nicht so gute Richtung. Und ja NOCH haben wir nicht die Zustände wie in GB - aber ich sehe das Männlein in ein paar Jahren treten.

Ich hab ja auch mal eine zeitlang im Ausland gelebt. Auf europäischen Boden. In diesem Land gab es in mancher Hinsicht nicht so gravierende Probleme. Warum orientieren wir uns nicht an solchen Ländern ? Sondern an Ländern, bei denen es noch schlechter läuft ?

Es gibt auch viele Errungenschaften, die ich an unserer Gesellschaft schätze. z.B. dass es keine Studiengebühren gibt, oder die Möglichkeit kostenlos zur Schule zu gehen, die soziale Absicherung - die ich ja krankheitstechnisch damals auch gebraucht habe. In Amerika wäre ich auf der Straße gelandet. Das ist mir durchaus bewusst. Wenngleich ich auch hier sagen muss, halte ich Amerika als Vorbild nicht geeignet :D
Ich bin schon Vertreter einer sozialen Marktwirtschaft.

:hello: LG Senif
Reziprok
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Hi Senif,
Senif hat geschrieben: 16. Mai 2024, 18:37 Du verdirbst mir nicht die Laune.
Da bin ich ja in gewisser Weise erleichtert drüber. Weil ich mich immer hilfloser fühle angesichts der fortschreitenden Klimakatastrophe. Die in den Standard-Medien aber mehr oder weniger ignoriert oder als solche nicht benannt wird.
Ich habe in gewissen Dingen eine andere Meinung, was ja auch legitim ist.
Ja klar.
Im Grunde müsste die Menschheit schrumpfen, wir sind viel zu viele.
Nein. Die Menschen im Globalen Süden haben einen sehr niedrigeren ökologischen Fußabdruck, während wir hier im Globalen Norden überproportional viele Ressourcen verschwenden und überproportional viele Treibhausgase ausstoßen. Und außerdem die Produktion unserer Konsumgüter in den Globalen Süden auslagern, wie nach China, das heißt, eigentlich hätte Deutschland deswegen einen noch höheren Ausstoß an Treibhausgasen pro Kopf.

Aber so weit ich weiß, wird die Menschheit auch irgendwann beginnen zu schrumpfen. Ab den 2050er Jahren, so weit ich weiß. So jedenfalls die Prognosen.
Auf dieser Grundlage könnte trotzdem ein Wirtschaftswachstum erzeugt werden, mittels Innovationen und Fortschritt (das ist meine Vorstellung)
Ich mache mir ja schon seit sicherlich 1 Jahr Gedanken darüber, wie unser Wirtschaftssystem reformiert werden könnte, so das es irgendwann klimaneutral sein könnte, ohne dass dabei weiter Raubbau an den natürlichen Ressourcen betrieben werden müsste und ohne in die Zeiten des Staatssozialismus a la DDR zurück zu fallen - so was will ich nämlich nicht.

Deswegen habe ich aktuell folgende Ideen dazu:

Wirtschaftswachstum sollte es nur noch in jenen Wirtschaftsbranchen geben, das nicht zu weiterem Raubbau an unseren natürlichen Ressourcen führt bzw. in einem weitaus geringeren Maße als bisher.

In diesem Zusammenhang denke ich an den Ausbau der Erneuerbaren Energien (Wind, Sonne) - aber selbst hier denke ich mir: Die Rohstoffe für all die Windräder und die PV-Anlagen, wo nehmen wir die alle her - global betrachtet?

Es werden doch schon Vorbereitungen dahingehend getroffen, in der Tiefsee vom Meeresboden so genannte Manganknollen zu "ernten" - und wir würden dort unten die Lebensräume für die dortigen Lebewesen jahrelang massiv schädigen.

Wirtschaftswachstum könnte es aber auch in Bereichen wie den sozialen Dienstleistungen geben, wie in der Pflege, Psychotherapie, Sozialarbeit usw.

Aber alles andere, also der Konsumbereich, der sollte in eine Kreislaufwirtschaft umgewandelt werden, so dass alle Rohstoffe, die in ihr zirkulieren, permanent neu verwendet (recycelt) werden können, damit in diesen Kreislauf keine zusätzlichen Rohstoffe hinein gegeben werden müssten. Die ja irgendwo auf der Erde aus der Erde gebuddelt werden müssten o. ä.

Zum Thema Innovation und Fortschritt:

Da habe ich nichts gegen, so lange das nicht zu einer weiter zunehmenden Belastung unserer natürlichen Ressourcen führt.

Du hattest ja über KI`s geschrieben, dass Du Dich damit beruflich befassen wirst oder willst. Das finde ich prinzipiell gut.

Aber: Du weißt sicherlich auch, dass diese großen KI's, die von Google und OpenAI, Unmengen an Wasser und Strom für ihren Betrieb verbrauchen. Und für die Herstellung der Mikrochips, die von den KI`s benötigt werden, wird auch sehr viel Wasser benötigt.

Gestern las ich, dass ein Suchauftrag in der Eingabemaske einer KI 5 Mal so viel Strom verbraucht wie eine Suchanfrage in einer Suchmaschine wie Google.

KI's an sich finde ich erst einmal nicht schlecht, sie könnten ein Mittel gegen den Fachkräftemangel sein. Sagen wir mal so: So lange KI's dezentral und in kleinen Instanzen = wenig Wasser- und Strom-verbrauchend eingesetzt werden, sind sie OK.

Zur Gesundheitsversorgung:
Und ja NOCH haben wir nicht die Zustände wie in GB - aber ich sehe das Männlein in ein paar Jahren treten.
Ein Grund für die geringere Verfügbarkeit von Terminen bei Ärzten ist, dass die aktuell nachkommende Ärztegeneration eher nicht selbständig in einer eigenen Praxis arbeiten will, sondern lieber angestellt, mit festen Arbeitszeiten, in Krankenhäusern oder in diesen MVZ's (Medizinischen Versorgungszentren).

Die nachkommende Ärztegeneration hat wohl eher keinen Bock mehr auf eine 60-Stunden-Woche wie ihre Elterngeneration, und wer kann es ihnen verdenken? Junge Ärztinnen wollen außerdem mehr Zeit haben für ihre Kinder. Sie streben deswegen eher keine Vollzeitbeschäftigungen an.

Und dazu kommt eben der generelle Mangel an Fachkräften in eigentlich allen Berufsbereichen.
Ich hab ja auch mal eine zeitlang im Ausland gelebt. Auf europäischen Boden. In diesem Land gab es in mancher Hinsicht nicht so gravierende Probleme. Warum orientieren wir uns nicht an solchen Ländern ? Sondern an Ländern, bei denen es noch schlechter läuft ?
Bis zum Beginn der Corona-Pandemie war die Gesundheitsversorgung in Deutschland doch eigentlich ziemlich gut. Jetzt wird sie zunehmend schlechter.

Wir müssen das so gut wie möglich lösen, dieses Problem. Nur: Schnelle, einfache Lösungen gibt es auch für dieses Problem nicht.

Vielleicht hat die Krankenhausreform von Karl Lauterbach ja doch was Gutes. Denn auch wenn es deswegen weniger Krankenhäuser geben würde, würde es in den Krankenhäusern, die übrig bleiben, dann wohl ausreichend viel Fachpersonal geben (hoffe ich jedenfalls), das sich ausreichend gut um die Patienten kümmern kann.
Es gibt auch viele Errungenschaften, die ich an unserer Gesellschaft schätze. z.B. dass es keine Studiengebühren gibt, oder die Möglichkeit kostenlos zur Schule zu gehen, die soziale Absicherung - die ich ja krankheitstechnisch damals auch gebraucht habe. In Amerika wäre ich auf der Straße gelandet. Das ist mir durchaus bewusst. Wenngleich ich auch hier sagen muss, halte ich Amerika als Vorbild nicht geeignet :D
Da stimme ich Dir vollumfänglich zu.
Ich bin schon Vertreter einer sozialen Marktwirtschaft.
Ich auch ;-)

LG

Reziprok
Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

Da ich morgen früh nochmal arbeiten muss, und es jetzt schon spät ist:

Ich denke, sobald man existiert, verbraucht man Ressourcen. Unserer Technik, unsere Nahrungsmittel, das Trinkwasser, die Energieerzeugung usw.....
Man kann sich dem nicht 100% entziehen. Nicht 100%n, aber das bedeutet dann auch, bitte nur noch zu Fuß gehen, selbst Nahrungsmittel im eigenen Garten anbauen z.B. ohne Dünger, der ja auch wieder hergestellt werden muss, keine E-Autos, keine Handys, generell kein Internet, keine Medikamente usw .... für vieles ist der Bedarf aufgrund der Masse Mensch einfach viel zu hoch.

Mein Beitrag: ich habe keine Kinder :D (ich kaufe wenig Klamotten, nur wenn ich wirklich was brauche - aber ich möchte nicht zurück in die Steinzeit. Ich bin ja als Kind in der DDR aufgewachsen. Da geb ich dir Recht, da möchte ich auch nicht wieder hin. Ich möchte auch nicht in einer Verbotskultur leben, und von anderen übergestülpt bekommen, wie ich zu leben habe, oder was ich zu denken habe)

:hello: LG Senif

Ergänzung: Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden das Wichtigste sei, dann lautet meine Antwort Freiheit (Willy Brandt)
Iwnm
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

SonneundDunkenheit hat geschrieben: 16. Mai 2024, 10:18 In welchem Land gibt es Psychotherapie als Kassenleistung? Schaut euch um....so viele werdet ihr nicht finden.
Ich kann den Frust aller Suchenden verstehen ABER vieles ist auch hausgemacht. Patienten "testen" eine Therapeutin nach der anderen bis sie denken diese könnte passen. Ich möchte nicht wissen wie viele Stunden dadurch bei niedergelassen Therapeuten gebunden sind. Kliniken haben Fachkräftemangel.... wie überall... ohne Personal kein Angebot.
Gesundheit kostet und muss bezahlt werden....

Ich glaube nicht dass unser Gesundheitssystem wirklich schlechter wird. Die Bedarfe und unsere Ansprüche/ Erwartungen steigen und damit auch die Unzufriedenheit. Wir können mittlerweile so viel heilen, so viel erforschen, wir werden älter und damit gebrechlicher und anfälliger.... gleichzeitig haben wir aber weniger Menschen, die arbeiten, die mit ihren Steuern und ihrer Arbeitskraft das System am Laufen halten.

Es gibt sie die schwarzen Schafe, aber die Mehrzahl der Ärzte und Pflegekräfte will helfen.

@iwmn: Wenn die Therapeutin deine Ziele nicht für "therapiewürdig" erachtet, dann ist das für dich ärgerlich, aber aus ihrer Sicht wird sie Gründe für ihre Entscheidung genannt haben.

170 Praxen.... bedeutet ja auch, dass es zumindest auf dem Papier jede Menge Therapeuten inklusive Therapieplätze vorhanden sind.



Eine zentrale Stelle für offene Therapieplätze... darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber wer bestimmt dann was dringend ist, wer prüft die Passfähigkeit?
So ein Blödsinn. Wer orientiert sich denn nach unten wenn er etwas verbessern will? Negativere Beispiele rechtfertigen niemals Missstände. Es ist kein Argument, dass es woanders noch schlechter ist. Das ist eine faule Ausrede. Dann können wir ja gleich den Kopf in den Sand stecken, denn es wird sich für alles ein schlechteres Beispiel finden.

Noch blödsinniger ist die Aussage, dass Patienten mit psychischen Problemen Therapeuten Hopping zum Spaß an der Freude betreiben. So ein Quatsch.
Und auch nächste Aussage ist an Schwachsinn kaum zu überbieten. Erkundige dich mal wie das mit den Erst- und Diagnose Gesprächen tatsächlich läuft.

Natürlich hatte die Therapeutin ihre Gründe. Fraglich nur, welche Gründe das waren. Genau das ist doch mein Punkt, aber da gehe ich nicht ins Detail. Unsere Auffassung was adequate Versorgung betrifft geht so weit auseinander, da kommen wir nicht auf einen Nenner.

Auch die Aussage, dass es zumindest auf dem Papier wohl genug Therapieplätze gibt ist so unsinnig, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Ich hoffe, dass wenn du je auf der Suche nach Hilfe bist, dich niemand mit so einem Spruch abspeist.

Was hat denn eine zentrale Stelle freier Therapiemöglichkeiten mit Dringlichkeit oder Passfähigkeit zu tun? Ohne solch eine Stelle entscheidet doch jetzt auch keine Vorinstanz wie dringlich oder passend etwas ist. Der Patient ruft einfach wahllos Listen ab von Therapeuten die zum Großteil nicht verfügbar sind. So eine zentrale Stelle würde eben nur freie Therapieangebote nennen.
Reziprok
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Hi Senif,
Senif hat geschrieben: 16. Mai 2024, 23:26 Ich denke, sobald man existiert, verbraucht man Ressourcen. Unserer Technik, unsere Nahrungsmittel, das Trinkwasser, die Energieerzeugung usw.....
Man kann sich dem nicht 100% entziehen. Nicht 100%n, aber das bedeutet dann auch, bitte nur noch zu Fuß gehen, selbst Nahrungsmittel im eigenen Garten anbauen z.B. ohne Dünger, der ja auch wieder hergestellt werden muss, keine E-Autos, keine Handys, generell kein Internet, keine Medikamente usw .... für vieles ist der Bedarf aufgrund der Masse Mensch einfach viel zu hoch.
Ich habe nicht geschrieben, dass der Mensch auf technische Errungenschaften und die Erzeugung und Nutzung elektrischer Energie komplett verzichten soll. Aber auch in dieser Beziehung gibt es eine planetare Grenze, wir können nicht unendlich viel Strom erzeugen, jedenfalls nicht mit den uns zur Verfügung stehenden, marktreifen Technologien.

Zum Begriff "Masse Mensch": Wie gesagt, der Globale Norden verbraucht den Hauptteil an den natürlichen Ressourcen, belastet die Umwelt am meisten und stößt auch den Hauptteil an Treibhausgasen aus.

Dir scheint außerdem der Begriff der Wasserkrise nicht bekannt zu sein. Allein in Europa gibt es mehrere Länder, die mit Süßwasserknappheit zu kämpfen haben, wie in Spanien, Italien und Griechenland. Und deswegen hat sich der Preis für Olivenöl aus diesen Ländern innerhalb von 1 Jahr verdoppelt.

Und stell Dir vor, es gab jetzt mindestens 2 Sommer in Deutschland, da wurde in mehreren Kommunen den dortigen Bewohnern das Rasensprengen und das Autowaschen auf der Straße verboten, wegen Wasserknappheit.

Oder denke an die "Gigafactory" in Grünheide. Mal abgesehen von den Klimaprotestlern dort, selbst die Bewohner dieser Gemeinde hatten sich zu 65% bei einer Bürgerbefragung gegen die Erweiterung des Fabrikgeländes ausgesprochen (Artikel vom 21.02.24):
Die Erweiterungspläne für die Fabrik des Elektroautobauers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) bei Berlin sind bei einer Einwohnerbefragung mehrheitlich auf Ablehnung gestoßen. Das teilte die Gemeinde am Dienstagabend mit. Mit Nein zu einer Erweiterung stimmten 3.499 Einwohner, mit Ja 1.882. Das Votum der Einwohner ist zwar für die Gemeindevertretung nicht bindend, es gilt aber als wichtige Wegmarke ...

Bürgerinitiativen sehen das Nein zur Erweiterung der Tesla-Fabrik als historischen Sieg für den Wald- und Wasserschutz - nicht nur in Grünheide, sondern auch für ganz Brandenburg und Berlin, wie Manu Hoyer von der Bürgerinitiative Grünheide erklärt.
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag ... ebnis.html
Mein Beitrag: ich habe keine Kinder :D
Du kriegst ja auch irgendwann eine Altersrente hier in Deutschland oder in vergleichbaren Ländern, jetzt mal abgesehen davon, dass Deine Altersrente wahrscheinlich sehr niedrig sein wird. Die aber in ein paar Jahrzehnten hoffentlich immer noch mit so etwas wie der aktuellen Grundsicherung im Alter aufgestockt werden wird.

In vielen anderen Ländern gibt es aber (noch) nicht so etwas wie ein Rentensystem, und deswegen ist in diesen Ländern die Geburtenrate recht hoch (obgleich auch nicht jedes dort geborene Kind sein Erwachsenenalter erreicht), da Kinder dort das Überleben ihrer Eltern im Alter gewährleisten sollen.

Und erst dann, wenn auch in diesen Ländern ein Rentensystem eingeführt worden ist, wird auch dort die Geburtenrate über mehrere Generationen hinweg langsam zurück gehen.
Ich möchte auch nicht in einer Verbotskultur leben, und von anderen übergestülpt bekommen, wie ich zu leben habe, oder was ich zu denken habe)
"Verbotskultur"?

Frage: Wer hat es hier eigentlich mit dieser Verbotskultur?

Antwort: Die Konservativen, denn sie haben das Gendern in der Öffentlichen Verwaltung, in Ministerien, an den Schulen und Universitäten in Sachsen, Hessen und Bayern verboten.

Und wer von den Menschen, die gendern, macht anderen Leuten Vorschriften oder erlässt Gesetze dahingehend, dass sie, die anderen Leute, auch zu gendern haben?

Auch niemand.

Also, wer verbietet hier eigentlich wem etwas?

Und wer erlässt hier irgendwelche Gesetze in Bezug auf z. B. die Art und Weise, wie sich jeder Mensch zu ernähren hat, also in Form von Verboten?

Niemand.

Ganz unabhängig davon gibt es sehr viele Vorschriften, die Verboten gleichkommen, die in den Gesetzen und Verordnungen unseres Landes festgelegt sind - wie zum Beispiel in der Straßenverkehrsordnung ... ... ...
Ergänzung: Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden das Wichtigste sei, dann lautet meine Antwort Freiheit (Willy Brandt)
Ich bin auch für Freiheit, verstehe sie aber im Zusammenhang mit gegenseitigem Respekt und Toleranz, ohne dass bei der Nutzung von Freiheit Leib und Leben oder die psychische Gesundheit anderer Menschen gefährdet wird.

Und wenn es nämlich kein Süßwasser auf diesem Planeten mehr geben würde (so als Beispiel), dann wäre irgendwas falsch gelaufen mit der Freiheit bis dahin.

Zu Deinem Vorwurf, wir würden in einer Gesellschaft leben, in der den Bürgern vorgeschrieben wird, was sie zu denken haben (und was nicht), gehe ich erst gar nicht ein.

LG

Reziprok
Allegretto
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Allegretto »

@Iwnm
Du hast eine PN.
Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

Du scheinst sehr wütend über meine Meinung zu sein Reziprok.

Ich greife mal eins hieraus, weil es eigentlich nicht in das Forum gehört, außer der Gesundheitspart.

Es haben Leute ihren Job verloren, weil sie nicht gendern wollten. (oder Studenten, die schlechter gestellt. wurden in ihren Arbeiten, weil sie nicht gendern wollten) Das steht exemplarisch für vieles. Ich verbinde mit nicht gendern nämlich auch keine Diskriminierung und ist m.E. eine Bewertungssache des Einzelnen. Totalitäre Systeme sind auch schon von "links" gekommen , nicht nur von "rechts" - beide haben ab einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr mit Toleranz gemein.

Süßwasser brauchen wir alle. Schon allein Nahrungsmittelproduktion. Die Produktion für alles was uns eigentlich umgibt. Und ich persönlich habe keine Schuldgefühle mehr, weil ich mir ein Auto geleistet habe und weil ich in einer westlichen Gesellschaft lebe und lasse mir das auch nicht mehr einreden. Dieses Moralisieren und damit andere als "schlecht" darstellen wollen - nehme ich mir schon lange nicht mehr an.

Womit wir wieder in einem anderen Thread gelandet wären. Es obliegt uns, was wir in unserem Innern übernehmen. Die CDU, oder die FDP sehen viele Gesichtspunkte aus einem anderen Blickwinkel. Was ich zum Teil teile. Deshalb bin ich nicht dümmer, oder ungebildeter - auch wenn dich deren Meinung ärgert. Auch zur Schuldenbremse habe ich eine andere Meinung - das hier auszuführen würde den Rahmen sprengen.

Ursprünglich ging es ja um das Gesundheitssystem und ich sehe da durchaus eine Rückentwicklung und bin auch der Meinung, dass wir uns nicht an Ländern orientieren sollten, bei denen alles noch schlechter läuft.

:hello: LG Senif
DieNeue
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von DieNeue »

Iwnm hat geschrieben: 17. Mai 2024, 09:58 So eine zentrale Stelle würde eben nur freie Therapieangebote nennen.
Aber gibt es sowas ähnliches nicht schon? Man kann doch bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen, die einem dann sagen, wo der nächste freie Therapieplatz ist, oder nicht? Oder vermitteln die nur Termine für Sprechstunden?

Der Vorschlag, dass eine Vorinstanz erstmal aussortiert, wer überhaupt zum Psychiater (und/oder Psychologen?) darf, kam ja mal von Herrn Spahn. Wurde Gott sei Dank nicht durchgesetzt.
Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

DieNeue hat geschrieben: 17. Mai 2024, 14:38
Iwnm hat geschrieben: 17. Mai 2024, 09:58 So eine zentrale Stelle würde eben nur freie Therapieangebote nennen.
Aber gibt es sowas ähnliches nicht schon? Man kann doch bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen, die einem dann sagen, wo der nächste freie Therapieplatz ist, oder nicht? Oder vermitteln die nur Termine für Sprechstunden?

Der Vorschlag, dass eine Vorinstanz erstmal aussortiert, wer überhaupt zum Psychiater (und/oder Psychologen?) darf, kam ja mal von Herrn Spahn. Wurde Gott sei Dank nicht durchgesetzt.
Ja, hatte nicht letztens jemand eine Seite gepostet ?
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Hi Senif,
Senif hat geschrieben: 17. Mai 2024, 14:11 Du scheinst sehr wütend über meine Meinung zu sein Reziprok.
Nö, ich hatte mich nur mittelmäßig über gewisse Ansichten von Dir vorhin geärgert.
Ich greife mal eins hieraus, weil es eigentlich nicht in das Forum gehört, außer der Gesundheitspart.

Es haben Leute ihren Job verloren, weil sie nicht gendern wollten. (oder Studenten, die schlechter gestellt. wurden in ihren Arbeiten, weil sie nicht gendern wollten)
Ich habe bisher in keiner seriösen Nachrichtenquelle einen Bericht lesen können, aus dem hervorgeht, dass tatsächlich so etwas passiert sein soll.
Süßwasser brauchen wir alle. Schon allein Nahrungsmittelproduktion. Die Produktion für alles was uns eigentlich umgibt. Und ich persönlich habe keine Schuldgefühle mehr, weil ich mir ein Auto geleistet habe und weil ich in einer westlichen Gesellschaft lebe und lasse mir das auch nicht mehr einreden. Dieses Moralisieren und damit andere als "schlecht" darstellen wollen - nehme ich mir schon lange nicht mehr an.


Ich will nicht moralisieren, weder Dir noch anderen gegenüber, sondern an die Vernunft appellieren.

Appelle an die Vernunft werden aber leider von nicht wenigen Menschen als moralisierend empfunden.

Ich will Dir auch keine Schuldgefühle wegen Deines Autos oder irgendwelcher anderer Dinge einreden.
Womit wir wieder in einem anderen Thread gelandet wären. Es obliegt uns, was wir in unserem Innern übernehmen. Die CDU, oder die FDP sehen viele Gesichtspunkte aus einem anderen Blickwinkel. Was ich zum Teil teile. Deshalb bin ich nicht dümmer, oder ungebildeter - auch wenn dich deren Meinung ärgert.
Ich habe auch nicht gesagt, dass Du dümmer oder ungebildeter (als ich) bist.
Ursprünglich ging es ja um das Gesundheitssystem und ich sehe da durchaus eine Rückentwicklung und bin auch der Meinung, dass wir uns nicht an Ländern orientieren sollten, bei denen alles noch schlechter läuft.
Ich hatte die Diskussion hier in diesem Thread mit Dir angefangen, weil Du zum zweiten Mal (so jedenfalls meine Beobachtung) hier im Forum geschrieben hattest, dass unser Sozialstaat nur finanziert werden könne, wenn es in Deutschland Wirtschaftswachstum geben würde.

Dem wollte ich etwas entgegensetzen.

Übrigens, während der so genannten Finanz- oder Eurokrise (2008 - 2010) brach das Wirtschaftswachstum in Deutschland auch ein, aber damals konnte unser Sozialstaat in gewohnter Weise seine Leistungen ausschütten, bis die damalige Krise vorbei war.

Aber jetzt haben wir es mit mehreren Krisen gleichzeitig zu tun.

LG

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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

DieNeue hat geschrieben: 17. Mai 2024, 14:38
Iwnm hat geschrieben: 17. Mai 2024, 09:58 So eine zentrale Stelle würde eben nur freie Therapieangebote nennen.
Aber gibt es sowas ähnliches nicht schon? Man kann doch bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen, die einem dann sagen, wo der nächste freie Therapieplatz ist, oder nicht? Oder vermitteln die nur Termine für Sprechstunden?

Der Vorschlag, dass eine Vorinstanz erstmal aussortiert, wer überhaupt zum Psychiater (und/oder Psychologen?) darf, kam ja mal von Herrn Spahn. Wurde Gott sei Dank nicht durchgesetzt.
Kläre mich gerne auf wenn du es anders erlebt hast, aber die haben mir nur einen einmaligen Diagnostik Termin vermittelt bei jmd die keinen freien Therapieplatz hatte und wirklich nur eine Einschätzung und Rat zur Therapieform abgab.
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von DieNeue »

Iwnm hat geschrieben: 17. Mai 2024, 20:02 [ aber die haben mir nur einen einmaligen Diagnostik Termin vermittelt bei jmd die keinen freien Therapieplatz hatte und wirklich nur eine Einschätzung und Rat zur Therapieform abgab.
Und eine Warteliste hatte sie auch nicht?
Iwnm
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

Nein. Sie sagte aber auch recht schnell, dass sie nicht die richtige Therapieform für mich anbietet, selbst wenn sie freie Plätze oder eine Warteliste gehabt hätte. Das Gespräch diente ausschließluch zur Ersteinschätzung. Dauerte auch nicht ganz 30 Minuten. Habe später erfahren, dass sich diese Gespräche für den Therapeuten finanziell lohnen. Da ich aber eh schon in einer PIA eine Diagnose erhalten hatte, hat sich der Besuch für mich nicht gelohnt. Ich hatte auch die Hoffnung gehabt, auf diese Weise einen ambulanten Therapieplatz zu finden. War aber nicht so.
Reziprok
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Hi Senif,

auf das folgende Zitat von Dir bin ich vorhin nicht eingegangen, weil ich es als nicht zutreffend betrachte, was die derzeitige politische Situation in Deutschland, in Europa und in eigentlich fast der ganzen Welt in Bezug auf aktuell vorhandene liberale Demokratien betrifft:
Senif hat geschrieben: 17. Mai 2024, 14:11Totalitäre Systeme sind auch schon von "links" gekommen , nicht nur von "rechts" - beide haben ab einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr mit Toleranz gemein.
Nenne mir irgendein Land mit einer liberalen Demokratie als Staatsform auf diesem Planeten, welches seit, sagen wir mal, dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sich in ein linksextrem-autoritäres Land gewandelt hat.

Es gibt kein solches Land.

Vielmehr findet global betrachtet eher ein allgemeiner Rechtsrutsch statt, wie in den Niederlanden (gestern), in Argentinien, wahrscheinlich auch in Indien, vielleicht auch bald in den USA. Es gab einen Rechtsruck in Italien.

Und in Deutschland wird die liberale Demokratie nicht durch links, sondern durch rechts (extrem-rechts) bedroht. Ich glaube, das muss ich nicht weiter erörtern oder gar belegen. Jeder weiß es.

Diese herbeigeredete Gefahr von Links ist Unsinn. Mal absehen von den paar Linksextremen in Leipzig oder in Berlin. Aber die werden bis auf Weiteres keinen "Linksrutsch" im Sinne einer linksautoritären Diktatur verwirklichen können.

Von konservativer und rechter Seite wird grüne Politik aber gerne als "Verbotspolitik" geframet. Wie vorhin in dem einen Wahlwerbesport im ZDF, glaube ich, von der CSU mit Manfred Weber. Der sagt darin aus dem Off über die Grünen, sie seien eine "Verbotspartei".

Hast Du letzte Woche "Maischberger" im ZDF gesehen? Da hat der Hubert Aiwanger von den Freien Wählen, die in Bayern mit der CSU die Landesregierung stellen, die Grünen mit Linksextremisten, Rechtsextremisten und Islamisten gleichgesetzt.

Aiwanger hat also Folgendes gemacht: Er degradiert die Grünen zu Verfassungsfeinden und markiert sie als politischen Feind der Konservativen und Rechten.

Hast Du schon mal ein derartiges aggressives Framing von Seiten der Grünen oder auch der SPD gegenüber CDU/CSU, FDP oder den Freien Wählern gehört? Ich jedenfalls nicht.

Abschließend noch der folgende Link vom 02.08.2023, den ich vorhin noch zum Thema Gendern gefunden habe:
Sprachverbote: So nehmen dir Gender-Gegner deine Freiheit weg!
https://www.volksverpetzer.de/analyse/g ... -freiheit/

LG

Reziprok

PS: Und nein, ich bin nicht wütend oder verärgert oder so, falls Du das denkst.
Senif
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Senif »

Schaue nach Venezuela, oder in die Geschichte von Argentinien. Da gibt es sehr viele Beispiele. Oder schau in die Geschichte der DDR bzw. des gesamten Ostblocks. Mao, Stalin .....

https://austrian-institute.org/de/blog/ ... ert-armut/
Reziprok
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Reziprok »

Senif hat geschrieben: 17. Mai 2024, 21:59 Schaue nach Venezuela, oder in die Geschichte von Argentinien. Da gibt es sehr viele Beispiele. Oder schau in die Geschichte der DDR bzw. des gesamten Ostblocks. Mao, Stalin .....

https://austrian-institute.org/de/blog/ ... ert-armut/
Ich habe mich doch diesbezüglich auf die aktuelle globale Lage bezogen und nicht in die Vergangenheit geschaut.

Noch einmal: Hier in Deutschland gibt es aktuell keinen Stalin oder Honecker, der irgendwelche Chancen hätte, legal oder auch per Staatsstreich an die Macht zu kommen.
Iwnm
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Re: Gesundheits System braucht eine Revolution

Beitrag von Iwnm »

Senif und Reziprok, Ihr seid so weit von meinem eigentlichen Thema abgeschweift, ich bitte Euch Euren eigenen Thread über Weltpolitik zu eröffnen.

Mir geht es um persönliche und oft niederschmetternde Erfahrungen die man als psychisch erkrankter Mensch im deutschen medizinischen Versorgungssystem erfährt und was man konkret dagegen tun kann, wenn man im Grunde keine Hilfe bekommt, obwohl immer wieder kommuniziert wird, dass es ach so viele Hilfsangebote und Anlaufstellen gibt. Es geht darum, dass man als psychisch erkrankter Mensch das Recht hat seine Stimme zu erheben wenn man Missstände oder gar Missbrauch erlebt.

Eure Weltpolitik Debatte über Wirtschaft und Rechts- oder Linksruck in allen Ehren, ist auch wichtig und interessant, aber hat halt wenig damit zu tun, worum es mir geht.
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